(Diogenes, 404 S., HC)
Mit seinen ersten, Anfang der 1980er Jahre erschienenen
Romanen „Blau wie die Hölle“, „Erogene Zone“, „Betty Blue – 37,2 Grad am
Morgen“ und „Verraten und verkauft“ avancierte Philippe Djian
zum meistgelesenen Autor seiner Generation, fesselte er sein Publikum doch
durch seinen unvergleichlichen Stil und eine Sprache, die Erotik ebenso
sinnlich wie obszön erscheinen ließ. Sein siebter, erstmals von Ulrich
Hartmann und nicht mehr von Michael Mosblech übersetzter Roman „Matador“
bietet weiterhin erotische Kapriolen, doch steht hier ein Generationenkonflikt
im Mittelpunkt, der in Südamerika angesiedelt ist und immer wieder Analogien
zum Stierkampf heraufbeschwört.
Der achtzehnjährige Mani Sarramanga, verwöhnter Spross südamerikanischer
Großgrundbesitzer, ist es gewohnt, dass seine Mutter Éthel immer neue Typen
anschleppt, die sie nach wenigen Wochen wieder in die Wüste schickt. Doch als
sie ihre dritte Ehe mit ihrer Jugendliebe Vito ankündigt, braut sich ein Orkan
zusammen, denn Manis herrischer Großvater Victor war schon damals gegen die
unstandesgemäße Verbindung und setzt nun alle Hebel in Bewegung, dass Vito auch
zwanzig Jahre später seine Lektion zu lernen hat. Da Mani seinen Vater verloren
hat, bleibt ihm nur sein Großvater als männliche Bezugsperson. Von früh an hat
der alte Patrón seinen Enkel mit in die Stierkampfarena genommen, um ihn zum
Mann zu machen, und seitdem ist Mani hin- und hergerissen zwischen der Liebe und
der Furcht vor seinem Großvater. Dass er durch die erneute Heirat seiner Mutter
zwischen alle Fronten gerät, macht die Sache für ihn nicht einfacher, zumal
seine Freundin Jessica wegen eines gynäkologischen Problems nicht mit Mani
schlafen will und Mani stattdessen versucht, bei Marion, Éthels bester
Freundin, zu landen…
„Er dachte an seine Mutter, dann an viele andere Frauen, denen er im Lauf seines Lebens begegnet war. Keine von ihnen hatte Ähnlichkeit mit Éthel. Er schien alle seine Bezugspunkte verloren zu haben und schnaubte wie ein Tier, scharrte mit der Sohle über die Bank. Er fand, dass im Moment eine ganze Menge auf ihn einstürzte, dass sein Leben einem Pulverfass glich, in das der Blitz eingeschlagen hatte und um das herum nun alles ausgeleuchtet wurde, was im Dunkeln lag.“ (S. 247)
Philippe Djian macht es seinem Publikum mit „Matador“
nicht unbedingt leicht. Die drei Kapitel hat er nach den Phasen des Stierkampfes
eingeteilt, wobei er mit dem zweiten sogenannten Tercio, in der Gegenwart
beginnt, um dann im ersten Tercio die erste Beziehung zwischen Vito und Éthel nachzureichen,
die zum Verständnis der Differenzen zwischen Victor und Vito beitragen soll, aber
durch allzu viele zusätzlich eingeführte Figuren und Nebenschauplätze eher
verwirrend und langatmig wird. Erst im dritten Tercio nimmt die Handlung wieder
an Fahrt auf, wobei vor allem die erotischen Begegnungen zwischen Mani und
Marion wunderbar einfallsreich präsentiert werden und den vertrauten Ton in Djians
pointierter Sprache anklingen lassen.
Alles in allem ist „Matador“ zwar lesenswert und
zeigt uns einen reiferen Autor, doch die langatmigen Phasen rund um die
ausschweifenden Nebenplots mildern die emotionale Wucht und sprachliche Finesse
des geschilderten Generationenkonflikts mit seinen erotischen Fallstricken
unnötig ab.
















