(Luzifer Verlag, 542 S., HC)
Nachdem sich Robert R. McCammon in den 1980er Jahren noch
als Horror-Schriftsteller eine erfolgreiche Nische zwischen den Genre-Größen Stephen
King, Peter Straub, Dean Koontz und Clive Barker besetzt hatte, sich
aber auch in anderen Genres beweisen wollte, zog er sich zunächst für einige
Jahre aus dem Schriftsteller-Betrieb zurück, um sich dann mit einem
Paukenschlag im Jahr 2002 mit der historischen Krimi-Reihe um den ehemaligen
Gerichtsdiener Matthew Corbett zurückzumelden. Nachdem der Luzifer Verlag die
ersten beiden opulenten Bände „Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal“
und „Matthew Corbett und die Königin der Verdammten“ noch gesplittet
hatte, erschien das dritte Abenteuer „Matthew Corbett und die Jagd nach
Mister Slaughter“ des mittlerweile berühmten New Yorker Ermittlers in einem
Band.
New York im Jahr 1702. Nachdem Matthew Corbett die
Machenschaften auf dem Chapel-Landsitz enthüllt hatte, ist er in zu einer lokalen
Berühmtheit avanciert – nicht zuletzt durch eine Reihe von reißerischen
Artikeln im „Ohrenkneifer“. Um die New Yorker Vertretung der in London gegründeten
Herrald-Vertretung noch schlagkräftiger zu machen, plant Matthews Partners
Hudson Greathouse den Kauf des schlagkräftigen Sklaven Zed. Dafür brauchen sie
allerdings die Erlaubnis von Lord Cornbury, aus Zed einen freien Mann machen zu
dürfen, und zweiunddreißig Pfund, um Zed seinem Besitzer McCaggers abzukaufen. Matthew
verrät seinem Freund nicht, dass er bei der Erforschung von Chapels Landsitz
neben einigen wertvollen Büchern auch eine Schatulle mit achtzig Pfund gefunden
hatte. Doch bevor sich die beiden Ermittler weiter darüber den Kopf zerbrechen können,
wie sie Zed aus der Sklaverei befreien können, erhalten sie den offiziellen
Auftrag, den berüchtigten Massenmörder Tyranthus Slaughter vom Hospital für
geistig Unzulängliche in der Nähe von Westerwicke in der New-Jersey-Kolonie zum
New Yorker Gefängnis zu überführen, wo er von einem Wachtmeister der Krone in
Empfang genommen wird. Von dort soll er dann mit dem nächstbesten Schiff zurück
nach England gebracht werden, wo sich Slaughter für die ihm zur Last gelegten
Morde, Raubüberfälle und andere Verbrechen verantworten soll. Doch nachdem
Hudson und Matthew den Gefangenen in ihre Obhut genommen haben, dauert es nicht
lange, bis Slaughter ihnen ein überaus reizvolles Angebot macht: Am Ende einer
Abzweigung, die sie bald erreichen würden, warte eine Schatulle mit mehr als
fünfzig Pfund auf sie, wenn sie ihn dort freisetzen würden. Die beiden
Ermittler sind gierig genug, um sich auf den Handel einzulassen, der tragische
Konsequenzen nach sich zieht: Die Schatulle explodiert beim Versuch, sie zu
öffnen, Hudson wird schwer verletzt, Slaughter kann fliehen. Während Matthew alle
Hebel in Bewegung setzt, Slaughter wieder einzufangen, richtet dieser weiteres
Unheil auf seiner Flucht an…
„Er verfluchte seine Dummheit und seine Geldgier; er verfluchte seine Kleinlichkeit und seine Eitelkeit. Er verfluchte den schwarzen Lederbeutel mit dem roten Krakensiegel, und er verfluchte das Gold, das ihm an jenem Tag auf Chapels Landsitz so hell in die Augen geleuchtet hatte. Er hatte das Gefühl, in eine Falle getreten zu sein, die ihm mit solcher Sicherheit gestellt worden war, als hätte Professor Fell persönlich sie geplant. In solche Fallen, dachte er, tappte man leicht hinein. Aber man bezahlte die Hölle, um sich daraus zu befreien.“ (S. 236)
Bereits mit den vorangegangenen Bänden hat Robert R.
McCammon bewiesen, dass er ein gutes Gespür dafür besitzt, die Zeit, in der New
York noch eine junge, aber florierende Stadt war, auf atmosphärisch dichte und
stimmige Weise zu beschreiben, sie mit charismatischen Figuren zu füllen und
schreckliche Verbrechen von einem ambitionierten Ermittler aufklären zu lassen.
Professor Fell, dem Matthew in „Matthew Corbett und die Königin der
Verdammten“ mit der Zerschlagung von Chapels Landsitz eine empfindliche
Schlappe beigefügt, aber eben nicht vernichtet hatte, schwebt wie ein dunkler
Schatten über den Ereignissen des neuen Abenteuers, das etwas geradliniger und
straffer inszeniert worden ist. Der Großteil der Handlung fokussiert sich auf Slaughters
gar nicht so spektakuläre Flucht und Matthews verzweifelte Versuche, die Dinge
wieder ins Lot zu bringen. Natürlich grämt sich der 23-Jährige umso mehr, je
mehr Menschen Slaughter auf seiner Flucht Schaden zufügt, sie verprügelt,
vergewaltigt, tötet. Nach dem vorhersehbaren Finale schlägt McCammon
aber einige Kapriolen zu viel und zieht die Geschichte so unnötig in die Länge,
um eine raffinierte Auflösung bieten zu können. Dennoch zählt „Matthew
Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter“ fraglos zu den besten Romanen
der Reihe und macht neugierig auf die Fortsetzungen.















