(Lübbe, 478 S., HC)
In „Ein Brief des Autors“, den Bestseller-Autor David
Baldacci („Der Präsident“, „Im Bruchteil einer Sekunde“) seinem vierten
Buch über den staatlichen Auftragskiller Will Robie voranstellt, bemerkt er,
dass Will Robie „sich als einer meiner beliebtesten Charaktere erwiesen“ habe, weshalb
er eine etwas persönlichere Geschichte über den Mann erzählen möchte, der im
Ausland für seine Heimat Bedrohungen ausschaltet, bevor sie unmittelbar zur Bedrohung
für die freie Welt und vor allem die USA werden können. Mit „Falsche
Wahrheit“, dem bereits vierten Band der Reihe, entführt uns Baldacci
in den tiefen Süden der USA und damit in die Heimat von Will Robie, die er in
jungen Jahren überstürzt verlassen hatte.
Will Robie ist einmal mehr in einem anderen Land unterwegs, dessen
Ziele und Interessen nicht mit denen der USA übereinstimmen, und diesmal haben
barbarische Verbündete der USA verlangt, dass eine bestimmte Person eliminiert
werden müsste. Robie gibt den tödlichen Schuss in dem verabredeten Moment ab,
trifft aber nicht nur die Zielperson, sondern auch die vierjährige Tochter, die
hinter dem Mann stand, als dieser von der Patrone niedergestreckt wurde. Um dieses
Erlebnis so schnell wie möglich hinter sich zu lassen, drängt Robie auf einen
nächsten Einsatz, den er allerdings vermasselt. Als das Zielobjekt im Visier
auftaucht, halluziniert Robie plötzlich einen Jungen und gibt den tödlichen
Schuss nicht ab. Robie wird daraufhin in den Urlaub geschickt und nutzt die
Zeit, in seine Heimatstadt Cantrell, Mississippi, zu reisen, die er vor zwanzig
Jahren überstürzt verlassen hatte. In diesem 2000-Seelen-Kaff wartet sein
Vater, der ehrenwerte Richter Dan Robie, auf seinen Prozess wegen Mordes. Der ehemalige
Marineinfanterist soll einen Mann namens Sherman Clancy getötet haben. Als Robie
seinen Vater im Gefängnis besuchen will, macht er die Bekanntschaft von Deputy Sheila
Taggert, die Robie noch von der Highschool kennt, doch sein Vater lehnt es ab,
seinen Sohn, zu dem er seit zwanzig Jahren keinen Kontakt mehr hatte, zu sehen.
Wie Robie später erfährt, lebt sein Vater mit seiner neuen Frau Victoria, ihrem
gemeinsamen Sohn Ty und der Haushälterin Priscilla in der Südstaatenvilla
Willows, die einst der wohlhabenden Barksdale-Familie gehörte, in deren Tochter
Laura Robie damals verliebt gewesen war. Eigentlich wollten sie gemeinsam die Stadt
verlassen, doch aus unerfindlichen Gründen begleitete Laura ihn nicht und
antwortete auch später nicht auf Robies Briefe. Robies weitere Nachforschungen
ergeben, dass Clancy ebenfalls wegen Mordes verhaftet worden war. Er soll das hübsche
Mädchen Janet Chisum erschossen haben, wurde aber von den Geschworenen
freigesprochen. Offenbar war Clancy, der aus einer armen Farmerfamilie stammt,
durch Gas- oder Öl-Vorkommen auf seinem Land reich geworden und hat sich mit
ein paar Kasino-Leuten zusammengetan. Doch je tiefer Robie in die Vergangenheit
seines Vaters und damit auch in seine eigene reist, desto mehr Probleme und
Leichen tauchen auf, bis Blue Man, Robies einflussreicher Kontaktmann bei der
CIA, sogar Robies Partnerin Jessica Reel zur Unterstützung schickt…
Mit „Falsche Wahrheit“ begibt sich David Baldacci
ein wenig auf die Spuren von John Grisham oder großartigen Südstaaten-Schriftstellern
wie James Lee Burke und Joe Lansdale. Es ist Baldacci an
sich hoch anzurechnen, dass er hier den Versuch unternimmt, seinen Serien-Helden
mit einer persönlichen Hintergrundgeschichte zu versorgen, und es ist
erfrischend zu lesen, dass Robie sich nach zwei unglücklichen Einsätzen mal als
Ermittler präsentieren kann, der damit aber in ein gefährliches Wespennest
sticht, das weniger auf den alltäglichen Rassismus zurückzuführen ist, sondern
auf ebenso verwerfliche Verbrechen, die weitere Kreise ziehen, als selbst das
vor Ort ermittelnde FBI ahnt. Während Baldacci zunächst mit atmosphärischen
Südstaaten-Schilderungen und komplexem Krimi-Plot überzeugt, will er am Ende
aber zu viel des Guten, wenn er die Handlung mit einer höchst unglaubwürdigen Wendung
abzuschließen versucht. Da nützen auch die detailliertesten Erklärungen nichts.
Sie machen die Katastrophe nur schlimmer…
















