(Pulp Master, 206 S., Tb.)
1993 erschien mit „Life Is Hot In Cracktown“ das schriftstellerische
Debüt des 1960 in New York City geborenen Autors und Filmemachers Buddy
Giovinazzo, der seit 1999 in Berlin lebt und als Regisseur nicht nur mehrere
Folgen „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ gedreht, sondern 2008 in Los Angeles auch
sein erstes Buch verfilmt hat. Nach der deutschen Erstveröffentlichung von „Cracktown“
im Maas Verlag folgte 2011 eine Neuübersetzung bei Pulp Master, wo später auch Giovinazzos
nachfolgenden Bücher „Poesie der Hölle“, „Piss in den Wind“, „Potsdamer
Platz“, „Keiner lebt hier“ und „Broken Street“ erschienen sind.
Das Leben ist cool in Cracktown. Schwaden vom Parfüm der
Straße, eine Duftmischung aus Pisse und Blut, liegen in der dampfenden Luft über
glühenden Bürgersteigen. Hier überlebt man nur durch Überfälle auf Geschäfte,
um sich den nächsten Schuss setzen, die nächste Bazooka abfeuern zu können.
Hier lebt Londa mit einem Baby im Bauch, das ihr – vermutlich - Daddy gemacht
hat, der auch noch für ihre scharfkantig abgebrochenen Zähne verantwortlich ist
und sie windelweich schlägt, als er sie beim Drogenkonsum erwischt.
Da haben wir Manny und Concetta, die mit Ramon ein
behindertes Kind durchbringen müssen, wofür sich Manny in zwei Jobs als
Wachmann in einem Hotel und an der Kasse einer Bodega abrackert, wo es zu einem
tragischen Zwischenfall kommt, der das fragile Glück des Paars endgültig
zerschmettert.
Miss Lonely schafft seit Jahren für Caesar an, um ihren Heroinkonsum
finanzieren zu können, und träumt an diesem Abend davon, nur ein Date zu haben,
ein ganz besonderes. Dafür muss sie sich zwar ordentlich ins Zeug legen und
alles tun, was von ihr verlangt wird, aber das ist immer noch besser als die
üblichen Fließband-Ficks im Alltag.
„Miss Lonely ist immer noch am Schweben und nimmt ihn pur; seine Hand auf ihrem Nacken, fühlt sie sich wie angeschnallt, ohne Zufluchtsort, wo man reden oder schreien oder weinen kann. Allein. Sie fühlt sich so allein, wenn sie arbeitet, hohl, ohne Herz und ohne Seele, fühlt sich wie ein Werkzeug, das sich allmählich abnutzt, aber immer noch im Gebrauch ist, weil es noch einen gewissen Wert besitzt. Sie versucht, an andere Sachen zu denken, doch ihr Verstand holt sie immer wieder zurück.“ (S. 48)
Währenddessen träumt der zehnjährige Willy von einem
gemeinsamen Leben mit der zwei Jahre älteren Melody, die schon für das Crack
ihrer Mutter anschaffen muss. Und dann ist da noch Marybeth, die für einen Mann
ungewöhnlich viel vor der Hütte aufweisen kann und seit drei Jahren mit Benny zusammen
ist, doch niemand traut sich, sie zu vermählen, nicht mal der schwule Priester
von St. Elizabeth. Mit dem Geld, das sie durch Sexdienstleistungen und er durch
Diebstähle verdient, stehen sie ganz gut da, doch dann nehmen sie schlechten Stoff
und werden mit einem ernüchternden Test konfrontiert…
Mit seinem gerade mal 200-seitigen Debüt „Cracktown“ entführt
uns Buddy Giovinazzo in die dunklen Ecken großstädtischer Slums, in
denen es von Crackhuren, gescheiterten Existenzen und Brutalos nur so wimmelt. Episodenhaft
reiht der Autor eine Vielzahl von Figuren ein, die er für eine Weile begleitet,
um uns an ihrem von Verzweiflung, körperlichen und seelischen Demütigungen
geprägten Alltag teilhaben zu lassen, der vor allem aus erniedrigenden,
brutalen sexuellen Dienstleistungen, enthemmter Gewalt und exzessivem Drogenkonsum
besteht. Hier ist kein Platz für hehre Träume vom großen Glück, von der
erfüllenden Liebe, von einem guten Auskommen und dem beschaulichen Leben in
einem trauten Heim. Giovinazzos Protagonisten erleben durch die Bank die
Hölle auf Erden, Gewalt in allen nur erdenklichen Formen, brutalen Sex. Das wirkt
nach einer Weile recht beliebig und auf vordergründige Gewalt-Pornografie
ausgerichtet, zumal der Autor kein echtes Interesse an seinen Figuren zu haben
scheint, sondern nur an den perversen, oft genug krass sexualisierten Gewaltfantasien,
die diese durchleben müssen. Auf Dauer ist das einfach ermüdend und abschreckend.















