(Festa, 332 S., Pb.)
Seine Drehbücher zu den Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen von
Roger Corman und Steven Spielbergs „Duell“ oder die Romanvorlagen
zu dem vielfach verfilmten Klassiker „Ich bin Legende“, sowie „Echoes
– Stimmen aus der Zwischenwelt“ und „Hinter dem Horizont“ sind
berühmter als der Autor Richard Matheson selbst. Es spricht aber für sich,
dass Spielberg seine „ironische und ikonische Vorstellungskraft“ lobte
und Stephen King Matheson sogar als seinen größten Einfluss bezeichnete.
Leider ist bislang nur ein winziger Bruchteil seines umfangreichen Werks in
deutscher Übersetzung erschienen. Der Festa Verlag hat bereits mit der opulent
ausgestatteten Sammlung „Die besten Erzählungen von Richard Matheson“ in
zwei Bänden und der Wiederauflage des Klassikers „Ich bin Legende“
angefangen, dem Vermächtnis des einflussreichen Autors gerecht zu werden. Nun
erscheint mit „Der schwindende Mann“ eine Neuübersetzung des ebenfalls verfilmten
Klassikers „Die unglaubliche Geschichte des Mister C.“ aus dem Jahre
1956.
Bei einem Ausflug mit dem Boot wird Scott Carey von einer
warmen Gischt besprüht, die ein seltsames Kribbeln auf der Haut auslöst. Zunächst
denkt sich Scott nichts dabei, erzählt aber nach seiner Rückkehr seinem Bruder
Marty von seinem Erlebnis. Es dauert jedoch nicht lange, da bemerkt Scott, dass
er merklich zu schrumpfen beginnt. Erst als er 10 Zentimeter an Körpergröße eingebüßt
und mehrmals Dr. Branson besucht hat, ohne dass dieser mit einer Erklärung für diesen
beunruhigenden Prozess aufwarten konnte, erzählt er seiner Frau Lou davon. Scott
verliert aber nicht nur an Körpergröße, sondern schrumpft proportional am
ganzen Körper. Weitere kostspielige Untersuchungen können die Ängste des
schrumpfenden Mannes nicht lindern. Tatsächlich geht der Prozess unaufhörlich
voran, was nicht nur Scotts Ehe belastet, sondern auch die Beziehung zur
Tochter Beth, die jeden Respekt vor ihrem Vater verliert. Irgendwann ist Scott
so winzig, dass selbst eine gewöhnliche Spinne zur tödlichen Bedrohung für ihn
wird…
„Er erschauerte in der Dunkelheit. Sein Schicksal ließ sich so wenig ausmalen wie der Tod. Nein, es war schlimmer als der Tod, der wenigstens ein Konzept war, das zum Leben gehörte, so unbegreiflich fremd er auch blieb. Aber wer war jemals zu einem Nichts zusammengeschrumpft? Er wälzte sich auf die Seite und stützte seinen Kopf auf einen Arm. Wenn er doch nur jemandem sagen könnte, was er fühlte. Wenn er doch nur bei Lou sein, sie sehen, sie berühren könnte. Ja, selbst wenn sie es nicht bemerkte, es wäre ein Trost. Aber er war allein.“ (S. 90f.)
Matheson erzählt die Geschichte des „schwindenden Mannes“ aus
der Perspektive des zunehmend verzweifelten, unbeherrschten und vor allem
einsamen und ängstlichen Opfers. Dabei bedient er sich im Rückblick verschiedener
Zeitebenen, zwischen den erst jüngsten Ereignissen, bei denen der Protagonist
nur noch weniger Zentimeter groß ist und gegen eine Spinne wiederholt um sein
Leben kämpfen muss, Wasser aus den Poren eines Fingerhuts trinkt und eine Stecknadel
als vermeintlich tödlichen Speer zu verwenden sucht, und den chronologischen
Schrumpfungsprozess, der deutlich macht, wie Carey zunehmend sein
Selbstbewusstsein einbüßt und vor allem die Liebe zu seiner Frau.
Mathesons Roman
lebt von der intelligenten wie ungewöhnlichen Prämisse und den Auswirkungen
eines Prozesses, der einem Mann die gesamte Existenz entzieht. Die Begegnungen
in einem Kuriositätenkabinett und mit Tieren wie der Spinne und einem Sperling
verdeutlichen zudem eindrucksvoll, wie sich die Sicht auf Dinge ändert, wenn sie
nicht mehr winzig klein erscheinen, sondern überlebensgroß. Die Dialoge sind
etwas sehr schlicht gestrickt, dafür sorgt die flüssige Sprache für einen
unterhaltsamen Pageturner.
















