(Luzifer, 516 S., HC)
Der ehemalige Horror-Autor Robert McCammon („Baal“,
„Blutdurstig“, „Höllenritt“) hat mit seiner Anfang der 2000er Jahre begonnenen
Reihe um den jungen Gerichtsdiener und Problemlöser Matthew Corbett eine
faszinierende Mischung aus historischem Thriller und Mystery geschaffen, die
mittlerweile sieben Bände umfasst (hierzulande wurden die ersten beiden Bände
allerdings jeweils in zwei Bücher aufgesplittet, so dass es hier neun Bände
sind). In seinem vierten Abenteuer „In den Fängen des Kraken“ bekommt es
der mittlerweile 23-jährige Corbett, kaum dass er sich von seinem
Zusammentreffen mit dem berüchtigten Massenmörder Tyranthus Slaughter erholt
hat, mit einem weiteren Schurken zu tun.
New York im Jahr 1703. Matthew Corbett tanzt ausgelassen mit
seinen Freunden in Sally Almonds Schänke, als eine Explosion das Dock House
Inn zerstört und die Dielen der Schänke erzittern lässt. Als weitere
Explosionen die Stadt erschüttern und Matthews Name an den Tatorten in weißer
Schrift auf den Wänden hinterlassen wurde, stellt sich bald heraus, dass der
gefürchtete Professor Fell seine Aufmerksamkeit zu erregen versucht. Der lässt Matthew
zusammen mit Berry und Zed von dem Auftragsmörder Sirki mit der „Nightflyer“ auf
die von Professor Fell beherrschte Insel in der Karibik. Unter dem Namen Nathan
Spade soll er für Fell zwei Verräter ausfindig machen, die ihm die Geschäfte
mit einer neuen Art von Schießpulver namens Kymbelin vermiesen, für das die Verwendung
von Zucker eine besondere Rolle spielt. Für die Suche nach Beweisen für den
Verrat bleiben Matthew drei Tage, in denen er sich aber auch um das Wohl seiner
inhaftierten Weggefährten Berry und Zed sorgt. Die geheimnisvollen Begegnungen
mit gleich mehreren Frauen führen ihn dabei auf eine interessante, aber
gefährliche Fährte, denn Matthews wahre Identität ist nicht nur Fell und Sirki
bekannt…
„Er war selbst ein Geschöpf aus einer anderen Welt, dachte er. In diese gehörte er nicht. Sein Herz sehnte sich nach New York, zu seinem üblichen Leben und seinen Freunden. Aber bevor er, Berry und Zed auf jenes solide Pflaster zurückkehren konnten … würde er Professor Fell, dem Hochmeister des Verrats, Beweise für Verrat präsentieren müssen. Es war fast zu viel für seinen Verstand zu verstehen und für seine Seele zu ertragen.“ (S. 346)
Mit „In den Fängen des Kraken“ präsentiert McCammon
einen der bislang besten Romane seiner erfolgreichen Matthew-Corbett-Reihe. Geschickt
lässt er seinen Protagonisten bei der Tanzveranstaltung in der Schänke noch
einmal die vergangenen Ereignisse rund um den berüchtigten Massenmörder Tyranthus
Slaughter und seiner Gehilfin Lyra Leka Revue passieren, um dann die Verbindung
zu dem zwielichtigen Ehepaar Mallory herzustellen, die Matthew bereits mehrmals
nachdrücklich zum Essen eingeladen haben. Der Großteil des Geschehens spielt
sich aber auf Professor Fells Insel ab, wo Matthew Corbett nicht nur seine
Ermittler-Fähigkeiten einsetzen, sondern auch darauf achten muss, seine wahre
Identität nicht zu verraten. McCammon gelingt es einmal mehr, ein
authentisch wirkendes Bild des Lebens in der Welt zu Beginn des 18.
Jahrhunderts zu zeichnen, interessante Figuren wie den ominösen Professor Fell,
den indischen Riesen Sirki und die ebenso schöne wie gefährliche Aria Chillany zu
erschaffen, um sie in eine packende Handlung zu verstricken, in der erotische,
humorvolle, actiongeladene und gruselige Momente Hand in Hand gehen, bis
Corbett das Rätsel gelöst und wieder sicher nach New York zurückgekehrt ist, wo
sicher schon das nächste Abenteuer auf ihn wartet.
















