(Eichborn, 704 S., HC)
Vor allem Kinder kennen Walter Moers‘ Figur des Käpt’n
Blaubär aus der Puppentrickserie „Käpt’n Blaubärs Seemannsgarn“, die von
1991 bis 2012 Teil der ARD-Serie „Sendung mit der Maus“ gewesen ist. Während
der Blaubär dort aber vor allem seinen Enkeln Seemannsgarn über seine
zahlreichen Schiffsreisen zu erzählen hatte, nahm Moers seine populäre
Figur als Aufhänger für seinen ersten Roman über den fantastischen Kontinent
Zamonien und seine mannigfaltigen Wesen. „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“
erschien 1999 und bildet den ebenso epischen wie episodenhaften Auftakt einer einzigartigen,
bis heute erfolgreichen Fantasy-Romanreihe, die mit der Figur aus der
Puppentrickserie so gut wie nichts gemein hat und eher an Jugendliche und
Erwachsene gerichtet ist.
Die Titelfigur beginnt seine Lebensgeschichte mit der
Erinnerung, als Findelkind auf einem Ozean ausgesetzt worden zu sein, um dann
von Zwergpiraten, den Herrschern des Zamonischen Ozeans, aufgegriffen zu
werden, die sich vor allem durch ihre raubeinige Art und Aufschneidereien
hervorgetan haben. Von ihnen lernte der Blaubär aber auch eine Vielzahl von Knoten
und die verschiedenen Arten von Wellen. Da der Blaubär aber rasch größer wurde,
setzten ihn die Zwergpiraten eines Tages auf einer Insel aus, die von Klabautergeistern
bevölkert wurde. Nach seiner Flucht von der Insel lernte Blaubär von den Tratschwellen
das Sprechen. Nach weiteren Abenteuern mit dem Tyrannowalfisch Rex und dem fliegenden
Rettungssaurier namens „Deus X. Machina“ besucht Blaubär die Nachtschule von Prof.
Dr. Abdul Nachtigaller, wo er die beiden Freunde Qwert Zuiopü, einen
Gallertprinzen aus der 2364. Dimension, und die Berghutze Fredda kennenlernt,
die sich unsterblich in Blaubär verliebt. Kurz bevor Blaubär die Schule durch
die Finsterberge verlassen muss, wird er von Nachtigaller mit
Intelligenzbakterien infiziert, von nun an weiß er die unglaublichsten Dinge
und hat eine Art Lexikon im Kopf, was ihm für seine weitere Reise durch Zamonien
bis in die Stadt Atlantis und dem Leben auf dem riesigen Sklavenschiff von
unschätzbarer Hilfe ist. Zu den besonderen Höhepunkten im Verlauf der ersten 13½
Leben des Blaubären zählen die Wettkämpfe der Lügengladiatoren und die Arbeit
mit der Traumorgel:
„Im Gehirn des Bolloggs waren unglaubliche Eindrücke aus vorsintflutlicher Zeit abgespeichert. Bewegte Bilder von riesigen Echsen, die sich bekämpften, von Zyklopen, die mit Bergen Fußball spielten, von Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Überschwemmungen, Meteoritenschauern, Urzeitgewittern, Sturmfluten, ausgestorbenen Ungeheuern und Kriegen mit anderen Riesenclans. Der Bollogg muss so groß gewesen sein, dass sein Kopf fast bis ins Weltall ragte, er konnte jeden einzelnen Krater auf dem Mond unterscheiden, den Mars und den Saturn sehen, ja unser ganzes Sonnensystem überblicken.“ (S. 424)
Kannte man als Erwachsener Walter Moers zuvor nur als
Comic-Künstler („Schweinewelt“, „Kleines Arschloch“), präsentiert er
sich in seinem Debüt als Romancier als überaus fantasiebegabter und vor allem
auch sprachgewaltiger Autor, dessen Ideen rund um die fiktive Welt von Zamonien
kaum zu zügeln sind. Was Moers in den 13½ Kapiteln abfackelt, würde Stoff
für eine epische Fantasy-Filmreihe bieten. Als Leser bekommt man eine wilde
Achterbahnfahrt durch Inseln, Wüsten, Dimensionslöcher und Städte präsentiert,
dass einem schwindlig werden kann. Dass Moers Blaubärs Abenteuer in
Kapiteln strukturiert und mit großartigen Illustrationen versehen hat, erhöht
den Unterhaltungsfaktor des liebevoll gestalteten Buches umso mehr.















