Samstag, 15. Dezember 2012

Jussi Adler-Olsen – (Carl Mørck 4) „Verachtung“

(dtv, 542 S., HC)
Nachdem skandinavische Krimi-Autoren wie Henning Mankell und Hakan Nesser jahrelang dafür gesorgt haben, weltweit erfolgreich auf sich aufmerksam zu machen, schien mit der „Millennium“-Trilogie des viel zu früh verstorbenen Stieg Larsson der Höhepunkt der skandinavischen Thriller-Literatur erklommen worden zu sein. Auf der Suche nach ebenbürtigen Autoren ist die Bücherwelt zwar noch nicht wirklich fündig geworden, doch mit dem dänischen Schriftsteller Jussi Adler-Olsen bevölkert seither ein höchst talentierter Mann mit seinen Geschichten um das Sonderdezernat Q die Bestsellerlisten und erfreut sich zunehmender Beliebtheit auch beim deutschen Publikum.
Nach „Erbarmen“, „Schändung“ und „Erlösung“ präsentiert Adler-Olsen mit „Verachtung“ bereits den vierten Roman aus der Reihe um den kauzigen Ermittler Carl Mørck und seinem sehr speziellen Team beim Sonderdezernat Q, das sich im Kopenhagener Polizeipräsidium um alte, nicht abgeschlossene Fälle kümmert. Diesmal landet die Akte von Rita Nielsen auf dem Tisch des Dezernats, die in den Siebzigern und Achtzigern in Kolding einen Escort- und Begleitservice leitete und im November 1987 spurlos verschwand. Als sich Mørck, Assad und Rose an die Ermittlungen machen, stoßen sie zunächst auf weitere vermisste Personen aus dieser Zeit und offensichtliche Verbindungen zwischen ihnen. Da ist auf der einen Seite der rassistische Gynäkologe Curt Wad, der mit seiner Partei „Klare Grenzen“ gerade versucht, ins Parlament zu gelangen, auf der anderen Seite Nete Rosen, die eine schlimme Zeit in einem Frauengefängnis auf Sprogø verbracht hat. Vor allem die Machenschaften der „Klare Grenzen“-Köpfe bereiten den Ermittlern mehr als nur Bauchschmerzen.
„Carl warf Assad einen prüfenden Blick zu. Dieser Fall ging Assad mehr an die Nieren als andere Fälle, Gleiches galt für Rose. Ganz klar, beide waren Menschen mit Narben auf der Seele, aber trotzdem erstaunte es Carl, dass sich Assad dermaßen engagierte, dass ihn die Sache offenbar so erschütterte. ‚Wenn man Frauen auf eine Insel deportieren kann und damit durchkommt‘, fuhr Assad unbeirrt fort, ‚und wenn man massenhaft gesunde Embryos töten und Frauen sterilisieren kann, wenn man das einfach so kann, dann kommt man mit allem durch. Das denke ich, Carl. Und wenn man daraufhin auch noch im Folketing sitzt, wird es richtig kritisch.‘“ 
Das trifft allerdings auch auf die Ermittler zu. Denn je näher Mørck & Co. sich den Machenschaften der rechten Partei nähern, desto heftiger reagieren sie darauf, ihre dunklen Geheimnisse zu bewahren. Dabei schrecken sie vor keinen Mitteln zurück.
Adler-Olsen hat mit „Verachtung“ ein höchst brisantes Thema, das auf einem tatsächlichen Missstand in der dänischen Geschichte beruht, in eine höchst packende Thrillerhandlung gepackt. Daneben bleibt auch immer ein wenig Zeit, in die persönlichen Befindlichkeiten der drei sympathischen, doch ganz unterschiedlichen Protagonisten einzutauchen, doch könnte davon in Zukunft ruhig mehr zu lesen sein. Denn wie sich Mørck seiner angebeteten Mona nähert, ist schon amüsant geschildert, lässt aber viel Raum zur Entwicklung. Und auch Assads mysteriöser Hintergrund wird nur unzureichend erhellt. Doch die rasante und intelligent verquickte Geschichte packt den Leser mit einer Wucht, dass dieses kleine Manko schnell entschuldigt wird. Schließlich bleibt die Hoffnung auf noch viele weitere Bände aus dieser Reihe …
Leseprobe Jussi Adler Olsen - "Verachtung"

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