Posts mit dem Label Richard Matheson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Richard Matheson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Richard Matheson – „Ich bin Legende“

Montag, 12. Januar 2026

(Festa, 248 S., Pb.)
Obwohl Richard Matheson (1926-2013) Zeit seines Lebens neben unzähligen Geschichten mehr als dreißig Romane veröffentlicht hat, sind hierzulande fast ausschließlich nur die wenigen Romane von ihm veröffentlicht worden, die auch verfilmt worden sind, u.a. „Die unglaubliche Geschichte des Mister C.“, „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ und „Das Ende ist nur der Anfang – Hinter dem Horizont“. Am bekanntesten dürfte aber ein Klassiker sein, der bereits dreimal verfilmt worden ist: „Ich bin Legende“ aus dem Jahr 1954. Nachdem Festa bereits eine wegweisende Schmuckausgabe in zwei Bänden mit den besten Erzählungen des einflussreichen Horror-Schriftstellers und Drehbuchautors veröffentlicht hat, folgt mit „Ich bin Legende“ nun neben der Luxusausgabe im Schuber auch eine Wiederveröffentlichung als Paperback in der „Festa Classics“-Reihe – allerdings ohne jegliches Bonusmaterial.
Im Juni 1976 ist der 36-jährige Robert Neville weit und breit der einzige noch normale Mensch in Los Angeles. Eine Seuche hat offenbar alle Menschen dahingerafft und ließ sie als Vampire auferstehen, die nachts versuchen, auch Robert zu einem der ihren zu machen, u.a. auch sein früherer Arbeitskollege Ben Cortman. Doch Robert hat sich gut genug verbarrikadiert und überall Knoblauchgirlanden aufgehängt. Er selbst ist gegen die Seuche immun und macht sich tagsüber mit Holzpflöcken auf den Weg, die in der Stadt versprengten, schlafenden Vampire aufzusuchen und zu töten. Mit Benzin für sein Auto und seinen Generator und mit Kerzen und Nahrung kehrt er vor der Dämmerung zurück und fristet ein einsames Dasein mit dem Hören von Klassik-Schallplatten und dem Trinken von Whisky. Da er die Natur der Vampire verstehen will und schnell festgestellt hat, dass Kreuze, Kugeln und Spiegel nicht zuverlässig etwas gegen Vampire ausrichten können, unternimmt er Experimente mit den Vampiren und untersucht ihr Blut unter einem Mikroskop…

„Vorher hatte er verbissen darauf beharrt, alle vampirischen Phänomene auf den Erreger zurückzuführen. Wenn sich einige dieser Phänomene nicht durch den Bazillus erklären ließen, versuchte er, sie als Aberglauben abzutun. Er hatte zwar auch flüchtig psychologische Erklärungen in Betracht gezogen, eine solche Möglichkeit aber nicht für sonderlich plausibel gehalten. Jetzt, losgelöst von starren Vorurteilen, sah das schon anders aus.“ (S. 162)

Bram Stokers Roman „Dracula“, der den literarischen und filmischen Vampir erst populär machte, in Richard Mathesons modernem Vampir-Roman zitiert wird, hebt sich „Ich bin Legende“ doch deutlich von Stokers Klassiker ab. Wo der Ire in seinem 1897 veröffentlichten Roman vor allem mythische Vorstellungen über den Vampir verarbeitete, geht Mathesons pragmatisch veranlagter Protagonist nicht nur sehr methodisch, sondern auch wissenschaftlich vor, was den Roman eher in der Science-Fiction verortet als im Horror-Genre. Robert Neville wird als intelligenter, vorsichtiger und skeptischer Militärveteran gezeichnet, der nicht nur mit den Vampiren zu kämpfen hat, sondern vor allem mit der Einsamkeit, weshalb die Begegnungen mit einem hinkenden Hund, zu dem er allmählich Zutrauen zu gewinnen hofft, und einer Frau, die ebenfalls ihre Familie verloren hat und bei Robert Unterschlupf findet, zu den eindringlichsten Momenten des sehr kurzen, flüssig in leicht verständlicher Sprache geschriebenen Romans zählen, der Stephen King zu seinem Roman „Brennen muss Salem“ und George A. Romero zu seinem Zombie-Klassiker „Die Nacht der lebenden Toten“ inspiriert hat.
Im Vergleich zur letzten, längst vergriffenen Ausgabe, die Heyne zum Filmstart von „I Am Legend“ (2007) mit Will Smith in der Hauptrolle (zuvor waren Vincent Price und Charlton Heston in der einsamen Hauptrolle zu sehen) fehlen die zehn Geschichten, die als Bonus-Material dem Roman hinzugefügt wurden. Dafür überzeugt das schlichte Gesamt- und das schmucke Seitenlayout der Festa-Ausgabe. Bleibt zu hoffen, dass Festa in Zukunft neben den Wiederveröffentlichungen weiterer längst vergriffener Romane von Richard Matheson auch viele der bislang hierzulande unveröffentlichten Werke in seine „Festa Classics“-Reihe aufnimmt.

Richard Matheson – „Die besten Erzählungen“

Sonntag, 10. August 2025

(Festa, 2 Bd., 874 S., HC im Schuber)
Heutzutage gerade im deutschsprachigen Raum nahezu unbekannt, zählte der US-amerikanische Schriftsteller Richard Matheson in den 1950er Jahren zu den populärsten Science-Fiction-Autoren seiner Zeit, wurden doch schon seine ersten Romane „I Am Legend“ (1954) und „The Shrinking Man“ (1956) später verfilmt. Neben diesen beiden international bekannten Romanen ist hierzulande aber wenig von Matheson erschienen, der von seinem Zeitgenossen Ray Bradbury als einer „der größten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet wurde. Dieses Manko versucht nun der Festa-Verlag zu beheben, indem er zu Beginn eine luxuriöse, auf 1250 limitierte Ausgabe von Mathesons besten Erzählungen veröffentlicht, darunter die Vorlage zu Steven Spielbergs Frühwerk „Duell“.
Nach einem Vorwort von Horror-Autor F. Paul Wilson beginnt der erste, „Albtraum über den Wolken“ betitelte Band mit Richard Mathesons berühmter Geschichte „Von Mann und Frau geboren“, die der Autor im zarten Alter von 23 Jahren geschrieben hatte und 1950 im „Magazine of Fantasy & Science Fiction“ veröffentlichen konnte und die von seinen Eltern im Keller eingesperrten Kind handelt, das sie als „Monstrum“ betrachten. Die ebenfalls berühmte Geschichte „Der Dritte von der Sonne“ erzählt von einem Astronauten, der einen vermeintlichen Testflug dazu nutzen will, um mit seiner Familie zu einem neuen Planeten zu fliehen, „Sohn des Blutes“ von einem Jungen, der sich nichts sehnlicher wünscht, als ein Vampir zu sein.
In „Hexenkrieg“ werden sieben junge Mädchen dazu eingesetzt, mit ihren paranormalen Kräften in Kriegshandlungen einzugreifen, in „Die Rückkehr“ reist Professor Robert Wade weiter in die Zeit voraus als jemals zuvor, ins 25. Jahrhundert – mit ungeahnten Folgen.
„Im Slaughter-Haus“ versuchen zwei Brüder, ein seit ihrer Kindheit zum Verkauf stehendes Haus für ihre künstlerischen Ambitionen zu nutzen, und obwohl sie nicht abergläubisch sind, werden sie kurz nach ihrem Einzug mit Hinweisen auf weitere Hausbewohner konfrontiert…
In „Das Ferngespräch“ wird die alte Miss Keene von einem Anrufer belästigt, der sich erst gar nicht meldet und dann auf das „Hallo“ der alten Dame mit einem „H-a-l-l-o“ antwortet. Ihre Beschwerden bei der Telefonistin fruchten nicht, aber deren Nachforschungen ergeben, dass die Anrufe vom Friedhof kommen würden, was eigentlich nicht möglich sei…
„Steel“ erzählt die Geschichte der beiden abgebrannten Freunde Kelly und Pole, die mit ihrem in die Jahre gekommenen B-Zwei-Boxer namens Battling Maxo einen Wettkampf gegen einen viel moderneren B-Sieben bestreiten wollen. Allerdings fehlen noch einige Ersatzteile, was Kelly zu einer drastischen Maßnahme greifen lässt.
Für Mr. Ketchum endet in „Noahs Kinder“ die Heimfahrt nach einem miesen Urlaub in Neuengland mit einer Polizeikontrolle in dem 67-Seelen-Kaff Zachry. Sein erzwungener Aufenthalt dort entwickelt sich zu einem drastischen Albtraum.
In „Die Grillen“ machen Hal und Jean Galloway am Ende ihres Urlaubs in ihrem Hotel die Bekanntschaft von Mr. Morgan, der in dem Zirpen der Grillen dort draußen einen Code zu entdecken glaubte, der die Namen von Toten chiffriert, die der Mann in seinem Codebuch festgehalten hat. In der Nacht macht das Ehepaar eine schreckliche Entdeckung…
Zu den bekanntesten Erzählungen im zweiten Band zählen die von Steven Spielberg verfilmte Geschichte „Duell“ um einen Mann, der von einem mysteriösen Fahrer in einem mörderischen Lastwagen verfolgt wird, und die für Rod Serlings Fernsehserie „Twilight Zone“ adaptierte Geschichte „Albtraum über den Wolken“, in der ein Passagier auf dem Flügel des Flugzeugs ein unheimliches Wesen entdeckt, das allerdings niemand außer ihm selbst zu bemerken scheint.

„Wie konnten die Augen so etwas wahrnehmen, wenn es nicht existierte? Wie konnte das, was in seinem Kopf passierte, den physischen Akt des Sehens so vollständig für seine Zwecke einspannen? Er war nicht erschöpft gewesen, nicht benommen – un es war auch keine formlose, flüchtige Vision gewesen. Sie war scharf und dreidimensional gewesen, voll und ganz der Dinge, die er sah und von denen er wusste, dass sie real waren. Das war das Beängstigende daran. Es war nicht im Geringsten wie in einem Traum gewesen.“ (Bd. 2, S. 81)

Der zweite Band wird zudem mit fast 250 Seiten reich illustriertem Bonus-Material abgerundet, das dem Lesepublikum den Autor und Menschen Richard Matheson näherbringt. Interessant sind vor allem Mathesons eigene Anmerkungen zu den einzelnen Geschichten, aber auch die Einblicke, die beispielsweise sein langjähriger Freund und Verleger Barry Hoffman und Dirk Berger, Herausgeber und Illustrator der vorliegenden Anthologie, in seinem Essay „Er ist Legende“ über den Schriftsteller gewährt, der zusammen mit Ray Bradbury, Charles Beaumont, William F. Nolan und anderen der informellen The Southern California Group of Writers angehörte und weit über das Science-Fiction- und Terror-Genre hinaus gewirkt hatte.
Die hier versammelten Geschichten fesseln nicht nur durch den Einfallsreichtum der minimalistisch inszenierten Plots, sondern vor allem durch die wunderbare Sprache, mit der Matheson sein Publikum aus ganz gewöhnlichen Alltagssituationen in die „Twilight Zone“ entführt. Dass der zurückgezogen lebende Schriftsteller nie die Popularität von modernen Meistern wie Stephen King, Dean Koontz oder Clive Barker erreichte, ist vor allem für die deutschsprachigen Fans ein großes Manko, ist hier doch nur ein Bruchteil seines Werkes übersetzt worden. 
Der Festa Verlag wird hier hoffentlich etwas Abhilfe schaffen, hat er doch bereits eine Neuausgabe des Klassikers „Ich bin Legende“ für dieses Jahr angekündigt. Weitere Werke sollen folgen. Die Ausstattung der limitierten Luxus-Ausgabe ist übrigens vorbildlich und qualitativ hochwertig. Dafür sorgen neben der Auswahl der Geschichten und des umfangreichen Bonus-Materials auch die atmosphärisch stimmigen Illustrationen von Dirk Berger zu fast jeder Geschichte sowie all die Filmposter sowie Cover-Abbildungen der deutschen und amerikanischen Ausgaben von Geschichtensammlungen und Romanen des 2013 verstorbenen Schriftstellers und Drehbuchautors.