Sonntag, 18. Februar 2018

John Grisham – „Die Firma“

(Heyne, 558 S., Tb.)
Kurz vor seinem Anwaltsexamen verfügt der ehrgeizige Harvard-Student Mitchell McDeere bereits über äußerst lukrative Angebote von der Wall Street und aus Chicago, doch so richtig begeistert ist er nach einem Bewerbungsgespräch bei der kleinen, aber in jeder Hinsicht äußerst großzügigen Anwaltskanzlei Bendini, Lambert & Locke, die ihm nicht nur ein besseres Gehalt zahlen würde als die bisherigen Interessenten, sondern auch eine zinsgünstige Hypothek auf ein schickes Eigenheim und einen BMW bereitstellen. Zwar würde er sich in den ersten Jahren fast totschuften müssen, aber die Partnerschaft wäre ihm in ein paar Jahren sicher.
Auch seine wunderschöne Frau Abby, die als Lehrerin arbeitet, ist von dem Angebot begeistert und zieht mit ihrem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Mann bereitwillig nach Tennessee, wo sie mit einer Innenarchitektin das neue Heim einrichtet und mit den Frauen der anderen Anwälte shoppen geht. Mitch gibt derweil sein Bestes und trumpft in der Firma mit einer für einen Frischling erstaunlichen Summe an anrechenbaren Stunden auf. Doch schon bald zeigen sich Risse in der luxuriösen Fassade, denn Mitch stellt fest, dass abgesehen von den Ruheständlern kein Anwalt die Firma lebendig verlassen hat.
Gleich zu Beginn wohnt Mitch der Beerdigung zweier vielversprechender Kollegen bei, die unter mysteriösen Umständen bei den Cayman-Inseln ums Leben gekommen sind – offensichtlich nicht der erste merkwürdige Todesfall in der Firma. Wenig später tritt auch noch FBI-Agent Wayne Tarrance an Mitch heran, um ihn als Informanten zu ködern, denn die Firma soll ein gut funktionierender Geldwäschebetrieb der berüchtigten Morolto-Familie aus Chicago sein.
Mitch lässt sich auf einen Deal mit dem FBI ein, bei dem auch Mitchs Bruder Ray aus dem Gefängnis entlassen werden soll, doch dann entdeckt das FBI ein Leck in den eigenen Reihen, so dass Mitch, Abby und Ray gezwungen sind, einen eigenen Fluchtplan zu entwickeln.
„Er musterte sie, einen nach dem anderen, rings um die Tische herum. Ihre Gesichter waren gerötet. Ihre Augen funkelten. Sie waren seine Freunde – Familienväter mit Frauen und Kindern -, und alle steckten in dieser furchtbaren Verschwörung. (…)
Vor einem Jahr war er ein toller Harvard-Mann mit Stellenangeboten in jeder Tasche gewesen.
Jetzt war er Millionär, und bald würde auf seinen Kopf ein Preis ausgesetzt sein.“ (S. 415) 
Nach seinem erfolgreichen Jura-Studium an der University of Mississippi praktizierte John Grisham zehn Jahre lang in seiner eigenen Anwaltskanzlei und wurde dort zu dem Thema inspiriert, das 1990 die Grundlage für seinen ersten Thriller bilden sollte. Der später mit Tom Cruise in der Hauptrolle verfilmte internationale Bestseller ließ Grisham seinen Anwaltsjob aufgeben und zu einem der weltweit erfolgreichsten Schriftsteller werden.
Mit „Die Firma“ hat er einen packenden Plot konstruiert, der von den sympathischen Aufsteigern Mitch und Abby McDeere getragen wird, deren Ehe nicht nur durch Mitchs enorme Arbeitsleistung in der Firma belastet wird. Grisham ist sicher kein Autor, der sich durch besonders komplexe Charakterisierungen seiner Figuren auszeichnet. Sowohl die McDeeres als auch die Anwälte bei Bendini, Lambert & Locke sowie die FBI-Leute wirken recht eindimensional, aber der Autor ist definitiv ein Meister in der Beschreibung juristischer Arbeitsprozesse und spannender Verwicklungen, die sich zu einem actionreichen Finale verdichten.
Vor allem die Einführung der McDeeres in die neue, luxuriöse Welt gelingt Grisham großartig, die Beschreibung der ersten komplizierten Fälle, an denen der Junganwalt arbeitet, und auch die ersten Begegnungen mit dem FBI. Und auch Grishams eigener ehemaliger Berufszweig bekommt auf der Jagd nach möglichst vielen anrechenbaren Stunden ordentlich sein Fett weg.
Die Flucht der McDeeres sowohl vor dem Mob als auch dem FBI ist dann so temporeich und komprimiert dargestellt, dass der etwas arg konstruierte Plot kaum negativ ins Gewicht fällt, so sehr fiebert der Leser mit den cleveren McDeeres mit. 
Leseprobe John Grisham - "Die Firma"

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen