Donnerstag, 1. Februar 2018

Jason Starr – „Die letzte Wette“

(Diogenes, 293 S., Tb.)
Eigentlich träumt Bauarbeiter Joey DePino seit Jahren davon, sich mit seiner Frau Maureen ein kleines Häuschen in einer besseren Gegend leisten zu können, doch bislang war dem wettsüchtigen in dieser Hinsicht kein Glück beschieden. Das Schicksal scheint sich auf der Pferderennbahn Meadowlands zu wenden, als Joey bei einer 65:1-Wette ein Gewinn von 17.600 $ winkt – bis sein Gewinnerpferd nach dem Zieleinlauf disqualifiziert wird.
Statt des saftigen Gewinns, mit dem er den Großteil seiner Wettschulden bezahlen und eine Anzahlung auf ein nettes Häuschen hätte leisten können, kehrt Joey noch deprimierter als ohnehin schon zu seiner Frau zurück, die sich in der schmal geschnittenen Zwei-Zimmer-Wohnung zunehmend beengt fühlt und außerdem noch Kinder haben möchte.
Wie sehr beneidet sie doch ihre alte Schulfreundin Leslie, die mit ihrem bei einer Werbeagentur gutverdienenden Mann David Sussman und der zehnjährige Tochter Jessica das große Los gezogen hat. Was Leslie und Maureen allerdings nicht wissen, ist, dass David im Büro eine Affäre nach der nächsten hat und seine aktuelle Geliebte Amy keine Lust hat, einfach so abserviert zu werden.
Als Joey von der Affäre erfährt, reift in ihm ein teuflischer Plan, nachdem er auch noch seinen Job verloren hat …
„Joey hockte den ganzen Vormittag in Unterwäsche vorm Fernseher. Er war nicht in Stimmung, sich einen Job zu suchen, und wusste auch nicht, wo er hingehen sollte. Außerdem war Freitag, und die Stellenanzeigen erschienen frühestens in den Sonntagszeitungen. Wahrscheinlich war er am Tiefpunkt seines Lebens angelangt, aber ihn deprimierte vor allem, dass er nicht mehr wetten konnte.“ (S. 89f.)
In seinem zweiten Roman nach seinem erfolgreichen Debüt „Top Job“ (1997) beschreibt Jason Starr die sehr unausgewogene Figurenkonstellation eines halbwegs befreundeten Pärchens, wobei die Beziehung des Quartetts schon allein dadurch im Ungleichgewicht ist, weil Joey und David beruflich in ganz anderen Welten unterwegs sind und sich gesellschaftlich in unterschiedlichen Kreisen bewegen. So herrscht auf der Seite von Joey und Maureen vor allem Neid auf die gut situierten Sussmans vor, während Leslie ihre Stärke daraus bezieht, dass es ihrer Freundin viel schlechter geht, sich selbst aber für zu fett hält und sich ständig erbrechen muss.
Ihr Mann leidet unter der fortschreitenden Glatzenbildung und einer zu anhänglichen Geliebten, die zunehmend zu einem Problem für die eigene Familie wird. Auf der anderen Seite ist Joey am absoluten Tiefpunkt angelangt, steckt er doch bei seinen Buchmachern und dem Kredithai tief in den Miesen, der natürlich auch vor Gewalt nicht zurückschreckt, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Die Geschichte wird vor allem aus der Perspektive der beiden männlichen Protagonisten erzählt, die durch ihre ganz unterschiedlich ausgeprägten Lebenskrisen auch an Profil gewinnen, während die Frauenfiguren seltsam konturenlos bleiben und die Motivation von Davids Geliebten Amy schwer nachvollziehbar bleibt. Wie sich David und Joey ihrer massiven Probleme annehmen, erzählt Starr auf sehr lebendige, kurzweilige Weise, auch wenn seine Figuren und ihre Probleme teilweise arg konstruiert wirken.

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