Donnerstag, 10. Februar 2011

Stieg Larsson - (Millennium: 3) „Vergebung“

(Heyne, 862 S., Tb.)
Lisbeth Salander hat die Konfrontation mit ihrem Vater, dem ehemaligen russischen Agenten Alexander Zalatschenko, der als Überläufer in Schweden mit neuer Identität verbrecherische Geschäfte im großen Stil abwickelt, und ihrem Bruder, dem Zwei-Meter-Riesen Ronald Niedermann, schwer verletzt überlebt. Zwar konnte sie Zala eine Axt ins Gesicht und ins ohnehin schon lädierte Bein hauen, doch hat er Lisbeths Attacke ebenso überlebt wie sie die Kugel, die sie in den Kopf geschossen bekam. Nun liegen beide nur wenige Meter voneinander entfernt in der Intensivstation des Göteborger Sahlgrenska-Krankenhauses.
Vor allem Salander braucht eine längere Regenerationszeit, aber früher oder später muss sie sich der Polizei und der Anschuldigung stellen, einen weiteren Mordanschlag auf ihren Vater verübt und zwei weitere Menschen schwer verletzt zu haben. Eine geheime Sektion der schwedischen Sicherheitspolizei versucht derweil, Zalatschenko endgültig aus dem Verkehr zu ziehen, bevor dieser das ganze Unternehmen gefährden kann. Und Mikael Blomkvist arbeitet wie besessen daran, Lisbeths Unschuld zu beweisen und die Verschwörung aufzudecken, die über Jahre hinweg gegen sie inszeniert worden war.
„Er erklärte Schritt für Schritt, wie sie mit einer Bande Kalter Krieger der RPF/Sich aneinandergeraten und in die Kinderpsychiatrie gesperrt worden war, damit sie Zalatschenkos Geheimnis nicht verraten konnte. (…) Die Verschwörung gegen Lisbeth Salander – er bezeichnete die Verschwörer in Gedanken als Zalatschenko-Klub – kam aus den Reihen der Sicherheitspolizei. Er kannte einen Namen, Gunnar Björck, aber Gunnar Björck konnte unmöglich der einzige Verantwortliche sein. Es musste eine ganze Gruppe geben, eine Art Abteilung. Es musste Chefs, Verantwortliche und ein Budget geben. Doch er hatte keine Ahnung, wie er es anstellen sollte, diese Personen zu identifizieren. Wo sollte er beginnen?“ (S. 189f.)
Zusammen mit seiner Schwester Annika Giannini, die Lisbeth als Anwältin vertritt, versucht „Kalle“ Blomkvist herauszufinden, welche Gruppierung innerhalb der Sicherheitspolizei seit 1991 konsequent versucht hat, Zalatschenko zu decken und gleichzeitig dessen Tochter wegzusperren. Dabei scheint vor allem Dr. Peter Teleborian eine besondere Rolle zu spielen, der als Chefarzt der psychiatrischen St.-Stefans-Klinik in Uppsala mit seinem Gutachten dafür gesorgt hat, dass Lisbeth Salander für unmündig und geisteskrank erklärt worden ist …
Da der schwedische Autor Stieg Larsson leider im Jahre 2004 an den Folgen eines Herzinfarkts gerade mal 60-jährig verstorben ist, bedeutet „Vergebung“ leider schon den Abschluss seiner „Millennium“-Reihe, die eigentlich auf zehn Teile angelegt war, es aber nur bis zur Trilogie geschafft hat.
Dennoch stellt „Vergebung“ einen würdigen Abschluss der komplexen Thriller-Reihe um die beiden so verschiedenen Ermittler Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander. Nachdem im vorangegangenen „Verdammnis“ Lisbeth im Mittelpunkt des oft actionreichen Geschehens stand, muss sie sich nun erst im Krankenhaus auszukurieren und dann vor Gericht verantworten. Nun ist es allein an Mikaels und seinen vielen Helfershelfern, Lisbeths Unschuld zu beweisen, wofür Larsson tief in die politischen Strukturen und Geschichte Schwedens eintaucht. „Vergebung“ ist trotz aller Komplexität eine äußerst spannende Genre-Mixtur aus Justizdrama, Politikthriller und Gesellschaftsroman und fasziniert vor allem durch die detaillierte Zeichnung seiner so unterschiedlichen Figuren.

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