Richard Bachman – „Regulator“

Donnerstag, 26. Februar 2026

(Heyne, 520 S., HC)
Kaum hatte Stephen King seit Mitte der 1970er Jahre seinen Durchbruch als Schriftsteller mit den Romanen „Carrie“ (1974), „Brennen muss Salem“ (1975) und „The Shining“ (1977), da überarbeitete er seine vorangegangenen, von den Verlagen abgelehnten Bücher und veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Richard Bachman – nicht nur, um den Markt nicht mit den Büchern des „King of Horror“ zu überschwemmen, sondern auch um zu sehen, ob sich die Bücher auch verkaufen, wenn nicht Stephen King drauf steht. Zwar waren auch die Bachman-Romane „Amok (1977), „Todesmarsch“ (1979), „Sprengstoff“ (1981), „Menschenjagd“ (1982) und „Der Fluch“ (1984) an sich erfolgreich, doch vervielfachten sich natürlich die Verkaufszahlen, als bekannt wurde, dass Stephen King hinter dem Pseudonym stand. 1986 ließen King und sein Verleger Bachman einen „Pseudonymkrebs“ sterben, doch wie durch ein Wunder fand man in seinen Hinterlassenschaften 1994 einen Karton mit mehr oder weniger fortgeschrittenen Manuskripten. Bei „Regulator“ handelt es sich um eine Art Zwillingsroman zu „Desperation“ von Stephen King, doch erreicht der sechste Bachman längst nicht die Qualität weder von „Desperation“ noch der unzählig anderen Romane von Stephen King.
Niemand ahnt etwas Böses an diesem ruhigen Sommertag in der Poplar Street der Kleinstadt Wenthworth in Ohio, als der vierzehnjährige Cary Ripton wie jeden Montag den Wentworth Shopper zustellt. Mrs. Carver versagt kläglich, die ihr zugeworfene Zeitung zu fangen, während ihr bei der Post arbeitende Mann David den Wagen in der Einfahrt wäscht. Außerdem leben noch der Schriftsteller John Merinville, die Witwe Audrey Wyler und ihr autistischer Neffe Seth Garin, die beiden allseits beliebten Schwarzen Brad und Belinda Josephson, die Bohemians Gary und Marielle Soderson und der an der Ohio State lehrende Peter Jackson mit seiner Frau Mary, Cammy Reed mit den Zwillingen Jim und Dave sowie der Ex-Cop Collie Entragian. Cary hat seine Runde in der Poplar Street noch nicht beendet, da taucht ein grellroter Lieferwagen in der Straße auf. Eine doppelläufige Flinte, die aus dem Seitenfenster des Wagens hinausgestreckt wird, erledigt den Jungen. Doch das ist erst der Anfang eines Massakers, das seinen Ursprung in dem übernatürlichen Wesen Tak hat, das sich Seth während des Besuchs einer Silbermine in Desperation bemächtigte. Fortan spielen sich in der Poplar Street unheimliche Ereignisse statt, die auf einer anderen Realitätsebene Momente des Western „Die Regulatoren“ von 1958 und der Science-Fiction-Serie „MotoKops 2200“ miteinander verbindet…

„Einen Augenblick glaubte es tatsächlich, Seth könnte fort sein … aber das war unmöglich. Sie waren inzwischen vollständig miteinander verschmolzen, Partner in einer Beziehung, die so symbiotisch war wie von an der Wirbelsäule zusammengewachsenen siamesischen Zwillingen. Wenn Seth diesen Körper verließ, würden alle gemeinschaftlichen Systeme – Herz, Lungen, Ausscheidung, Zellbildung, Hirnwellenfunktionen – zusammenbrechen. Tak könnte sie ebenso wenig aufrechterhalten wie ein Astronaut die Tausende komplizierter Systeme, die ihn zunächst ins All katapultierten und ihn dann dort in einer stabilen Umgebung hielten. Seth war der Computer, und ohne ihn würde der Anwender sterben.“ (S. 361)

Stephen Kings Romane leben vor allem davon, dass der Autor normalerweise viel Zeit dafür aufbringt, seine Figuren ausgiebig in ihrem Alltag einzuführen, so dass das Grauen, mit dem sie recht bald konfrontiert werden, tatsächlich glaubwürdig ist. Diese Prämisse hat King alias Bachman in „Regulator“ außen vorgelassen. Wenn der Zeitungsjunge seine Runde durch die Poplar Street fährt, werden zwar die Bewohner der Straße kurz vorgestellt, doch dann wird durch den roten Lieferwagen und die Schüsse, die erst Cary, dann auch andere in der Straße niederstrecken, ein heilloses, blutiges und schreckliches Chaos angerichtet. Leider versäumt es der Autor, im weiteren Verlauf die überlebenden Figuren ausführlicher vorzustellen, weshalb das Geschehen mit der surrealen Vermischung von Science-Fiction, Western-Motiven und der fiktiven Kinderserie nur noch lächerlich wirkt. Seine stärksten und eindringlichsten Momente hat „Regulator“ in den ausführlichen Tagebuchaufzeichnungen von Audrey Wyler und dem langen Brief, den der Bergbauingenieur Allen Symes über die Begegnung mit Seth‘ Familie und den Ereignissen beim Besuch der China-Grube in Desperation hinterließ. Doch das ist zu wenig, um das Interesse an dem wenig strukturierten, sehr wirren Plot wachzuhalten. 

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