(Ullstein, 272 S., HC)
Sein 2025 veröffentlichter Roman „Klapper“ wurde gleich
mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE ausgezeichnet, was dem in Köln lebenden und
wirkenden Kurt Prödel eine Aufmerksamkeit beschert hat, die sich positiv
auf den Absatz seines neuen, ebenfalls knapp betitelten Romans auswirken
dürfte. „Salto“ präsentiert sich dabei als melancholischer
Coming-of-Age-Roman, der vor allem durch seine elegant leichte Sprache überzeugt.
Mit dem besten Abi seiner Stufe stehen Marko eigentlich alle
Wege für die Zukunft offen. Doch seine Träume erfüllen sich in vielerlei Hinsicht
nicht. Für das angestrebte Medizinstudium reicht der Notenschnitt nicht aus,
und Claire, seine aus wohlhabendem Hause stammende Freundin seit der siebten
Klasse, zieht aus der unbenannten Kleinstadt in NRW in die große Welt,
zumindest erst mal zum Studium nach München. Das Geld aus der
Lebensversicherung seiner verstorbenen Mutter ermöglicht Marko immerhin ein
Medizinstudium in Budapest. Das bedeutet zunächst einmal das Ende der Beziehung
mit Claire, die plötzlich mit einer Psychose konfrontiert wird. Marko quält
sich in Budapest durch das erste Semester, droht kläglich zu scheitern und
jobbt bei McDonalds. Als wären das nicht schon Herausforderungen genug, scheint
auch Markos Vater aus der Bahn geworfen zu werden, bis auch Markos Körper beunruhigende
Signale aussendet…
„Ich war gestern wie ein aufgedrehtes Kind, das alles um sich herum vergessen hat. Während ich das denke, bleiben meine Augen am Vorhang hängen, wo kühles Februarlicht durchscheint. Ich döse weg. Im Halbschlaf spüre ich, wie meine Glieder sich entspannen. Und erinnere mich wieder an die laufenden Hähne auf den Fliesen und frage mich, ob die mir was in den Sekt gemacht haben. Oder ob dieses warme Gefühl, irgendwo dazuzugehören, im Gehirn etwas auslöst, das sogar handgemalte Hähne auf Fliesen zum Leben bringt.“
So kurz und knapp Prödels (unkonventionelle) Romantitel
sind, so knackig präsentiert sich auch der überschaubare Plot seines zweiten
Romans „Salto“. Mit Marko präsentiert er einen Ich-Erzähler, der die zunächst
typischen Erfahrungen auf der Schwelle zum Erwachsenwerden macht. Eine gute
Beziehung zu seinem alleinerziehenden Vater und die langjährige Freundin
verleihen dem jungen Mann eine Stabilität, die durch einige Rückschläge signifikante
Risse bekommt. Als Leser bekommen wir dabei nur Markos Sichtweise geboten, was
zwar der Kohärenz von Ton und Stimmung zugutekommt, der psychologischen Tiefe und
der dramaturgischen Entfaltung des Plots eher abträglich ist. Wir werden nicht
nur Zeuge der verschiedenen Herausforderungen, denen sich Marko in kurzer Folge
stellen muss, sondern auch der emotionalen Verarbeitung. Die Reflexionen der teilweise
niederschmetternden Nachrichten gehören dabei zu den Höhepunkten eines kurzen
Romans, der einen Einblick in die Nöte junger Menschen gewährt, ohne aber allzu
tief in die Problematik einzutauchen.
