Walter Moers – (Zamonien: 1) „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“

Freitag, 8. Mai 2026

(Eichborn, 704 S., HC)
Vor allem Kinder kennen Walter Moers‘ Figur des Käpt’n Blaubär aus der Puppentrickserie „Käpt’n Blaubärs Seemannsgarn“, die von 1991 bis 2012 Teil der ARD-Serie „Sendung mit der Maus“ gewesen ist. Während der Blaubär dort aber vor allem seinen Enkeln Seemannsgarn über seine zahlreichen Schiffsreisen zu erzählen hatte, nahm Moers seine populäre Figur als Aufhänger für seinen ersten Roman über den fantastischen Kontinent Zamonien und seine mannigfaltigen Wesen. „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ erschien 1999 und bildet den ebenso epischen wie episodenhaften Auftakt einer einzigartigen, bis heute erfolgreichen Fantasy-Romanreihe, die mit der Figur aus der Puppentrickserie so gut wie nichts gemein hat und eher an Jugendliche und Erwachsene gerichtet ist.
Die Titelfigur beginnt seine Lebensgeschichte mit der Erinnerung, als Findelkind auf einem Ozean ausgesetzt worden zu sein, um dann von Zwergpiraten, den Herrschern des Zamonischen Ozeans, aufgegriffen zu werden, die sich vor allem durch ihre raubeinige Art und Aufschneidereien hervorgetan haben. Von ihnen lernte der Blaubär aber auch eine Vielzahl von Knoten und die verschiedenen Arten von Wellen. Da der Blaubär aber rasch größer wurde, setzten ihn die Zwergpiraten eines Tages auf einer Insel aus, die von Klabautergeistern bevölkert wurde. Nach seiner Flucht von der Insel lernte Blaubär von den Tratschwellen das Sprechen. Nach weiteren Abenteuern mit dem Tyrannowalfisch Rex und dem fliegenden Rettungssaurier namens „Deus X. Machina“ besucht Blaubär die Nachtschule von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, wo er die beiden Freunde Qwert Zuiopü, einen Gallertprinzen aus der 2364. Dimension, und die Berghutze Fredda kennenlernt, die sich unsterblich in Blaubär verliebt. Kurz bevor Blaubär die Schule durch die Finsterberge verlassen muss, wird er von Nachtigaller mit Intelligenzbakterien infiziert, von nun an weiß er die unglaublichsten Dinge und hat eine Art Lexikon im Kopf, was ihm für seine weitere Reise durch Zamonien bis in die Stadt Atlantis und dem Leben auf dem riesigen Sklavenschiff von unschätzbarer Hilfe ist. Zu den besonderen Höhepunkten im Verlauf der ersten 13½ Leben des Blaubären zählen die Wettkämpfe der Lügengladiatoren und die Arbeit mit der Traumorgel:

„Im Gehirn des Bolloggs waren unglaubliche Eindrücke aus vorsintflutlicher Zeit abgespeichert. Bewegte Bilder von riesigen Echsen, die sich bekämpften, von Zyklopen, die mit Bergen Fußball spielten, von Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Überschwemmungen, Meteoritenschauern, Urzeitgewittern, Sturmfluten, ausgestorbenen Ungeheuern und Kriegen mit anderen Riesenclans. Der Bollogg muss so groß gewesen sein, dass sein Kopf fast bis ins Weltall ragte, er konnte jeden einzelnen Krater auf dem Mond unterscheiden, den Mars und den Saturn sehen, ja unser ganzes Sonnensystem überblicken.“ (S. 424)

Kannte man als Erwachsener Walter Moers zuvor nur als Comic-Künstler („Schweinewelt“, „Kleines Arschloch“), präsentiert er sich in seinem Debüt als Romancier als überaus fantasiebegabter und vor allem auch sprachgewaltiger Autor, dessen Ideen rund um die fiktive Welt von Zamonien kaum zu zügeln sind. Was Moers in den 13½ Kapiteln abfackelt, würde Stoff für eine epische Fantasy-Filmreihe bieten. Als Leser bekommt man eine wilde Achterbahnfahrt durch Inseln, Wüsten, Dimensionslöcher und Städte präsentiert, dass einem schwindlig werden kann. Dass Moers Blaubärs Abenteuer in Kapiteln strukturiert und mit großartigen Illustrationen versehen hat, erhöht den Unterhaltungsfaktor des liebevoll gestalteten Buches umso mehr. 

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