Robert McCammon – (Matthew Corbett: 3) – „Die Jagd nach Mister Slaughter“

Samstag, 13. Juni 2026

(Luzifer Verlag, 542 S., HC)
Nachdem sich Robert R. McCammon in den 1980er Jahren noch als Horror-Schriftsteller eine erfolgreiche Nische zwischen den Genre-Größen Stephen King, Peter Straub, Dean Koontz und Clive Barker besetzt hatte, sich aber auch in anderen Genres beweisen wollte, zog er sich zunächst für einige Jahre aus dem Schriftsteller-Betrieb zurück, um sich dann mit einem Paukenschlag im Jahr 2002 mit der historischen Krimi-Reihe um den ehemaligen Gerichtsdiener Matthew Corbett zurückzumelden. Nachdem der Luzifer Verlag die ersten beiden opulenten Bände „Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal“ und „Matthew Corbett und die Königin der Verdammten“ noch gesplittet hatte, erschien das dritte Abenteuer „Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter“ des mittlerweile berühmten New Yorker Ermittlers in einem Band.
New York im Jahr 1702. Nachdem Matthew Corbett die Machenschaften auf dem Chapel-Landsitz enthüllt hatte, ist er in zu einer lokalen Berühmtheit avanciert – nicht zuletzt durch eine Reihe von reißerischen Artikeln im „Ohrenkneifer“. Um die New Yorker Vertretung der in London gegründeten Herrald-Vertretung noch schlagkräftiger zu machen, plant Matthews Partners Hudson Greathouse den Kauf des schlagkräftigen Sklaven Zed. Dafür brauchen sie allerdings die Erlaubnis von Lord Cornbury, aus Zed einen freien Mann machen zu dürfen, und zweiunddreißig Pfund, um Zed seinem Besitzer McCaggers abzukaufen. Matthew verrät seinem Freund nicht, dass er bei der Erforschung von Chapels Landsitz neben einigen wertvollen Büchern auch eine Schatulle mit achtzig Pfund gefunden hatte. Doch bevor sich die beiden Ermittler weiter darüber den Kopf zerbrechen können, wie sie Zed aus der Sklaverei befreien können, erhalten sie den offiziellen Auftrag, den berüchtigten Massenmörder Tyranthus Slaughter vom Hospital für geistig Unzulängliche in der Nähe von Westerwicke in der New-Jersey-Kolonie zum New Yorker Gefängnis zu überführen, wo er von einem Wachtmeister der Krone in Empfang genommen wird. Von dort soll er dann mit dem nächstbesten Schiff zurück nach England gebracht werden, wo sich Slaughter für die ihm zur Last gelegten Morde, Raubüberfälle und andere Verbrechen verantworten soll. Doch nachdem Hudson und Matthew den Gefangenen in ihre Obhut genommen haben, dauert es nicht lange, bis Slaughter ihnen ein überaus reizvolles Angebot macht: Am Ende einer Abzweigung, die sie bald erreichen würden, warte eine Schatulle mit mehr als fünfzig Pfund auf sie, wenn sie ihn dort freisetzen würden. Die beiden Ermittler sind gierig genug, um sich auf den Handel einzulassen, der tragische Konsequenzen nach sich zieht: Die Schatulle explodiert beim Versuch, sie zu öffnen, Hudson wird schwer verletzt, Slaughter kann fliehen. Während Matthew alle Hebel in Bewegung setzt, Slaughter wieder einzufangen, richtet dieser weiteres Unheil auf seiner Flucht an…

„Er verfluchte seine Dummheit und seine Geldgier; er verfluchte seine Kleinlichkeit und seine Eitelkeit. Er verfluchte den schwarzen Lederbeutel mit dem roten Krakensiegel, und er verfluchte das Gold, das ihm an jenem Tag auf Chapels Landsitz so hell in die Augen geleuchtet hatte. Er hatte das Gefühl, in eine Falle getreten zu sein, die ihm mit solcher Sicherheit gestellt worden war, als hätte Professor Fell persönlich sie geplant. In solche Fallen, dachte er, tappte man leicht hinein. Aber man bezahlte die Hölle, um sich daraus zu befreien.“ (S. 236)

Bereits mit den vorangegangenen Bänden hat Robert R. McCammon bewiesen, dass er ein gutes Gespür dafür besitzt, die Zeit, in der New York noch eine junge, aber florierende Stadt war, auf atmosphärisch dichte und stimmige Weise zu beschreiben, sie mit charismatischen Figuren zu füllen und schreckliche Verbrechen von einem ambitionierten Ermittler aufklären zu lassen. Professor Fell, dem Matthew in „Matthew Corbett und die Königin der Verdammten“ mit der Zerschlagung von Chapels Landsitz eine empfindliche Schlappe beigefügt, aber eben nicht vernichtet hatte, schwebt wie ein dunkler Schatten über den Ereignissen des neuen Abenteuers, das etwas geradliniger und straffer inszeniert worden ist. Der Großteil der Handlung fokussiert sich auf Slaughters gar nicht so spektakuläre Flucht und Matthews verzweifelte Versuche, die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Natürlich grämt sich der 23-Jährige umso mehr, je mehr Menschen Slaughter auf seiner Flucht Schaden zufügt, sie verprügelt, vergewaltigt, tötet. Nach dem vorhersehbaren Finale schlägt McCammon aber einige Kapriolen zu viel und zieht die Geschichte so unnötig in die Länge, um eine raffinierte Auflösung bieten zu können. Dennoch zählt „Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter“ fraglos zu den besten Romanen der Reihe und macht neugierig auf die Fortsetzungen.