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David Baldacci – (Will Robie: 4) „Falsche Wahrheit“

Samstag, 18. Juli 2026

(Lübbe, 478 S., HC)
In „Ein Brief des Autors“, den Bestseller-Autor David Baldacci („Der Präsident“, „Im Bruchteil einer Sekunde“) seinem vierten Buch über den staatlichen Auftragskiller Will Robie voranstellt, bemerkt er, dass Will Robie „sich als einer meiner beliebtesten Charaktere erwiesen“ habe, weshalb er eine etwas persönlichere Geschichte über den Mann erzählen möchte, der im Ausland für seine Heimat Bedrohungen ausschaltet, bevor sie unmittelbar zur Bedrohung für die freie Welt und vor allem die USA werden können. Mit „Falsche Wahrheit“, dem bereits vierten Band der Reihe, entführt uns Baldacci in den tiefen Süden der USA und damit in die Heimat von Will Robie, die er in jungen Jahren überstürzt verlassen hatte.
Will Robie ist einmal mehr in einem anderen Land unterwegs, dessen Ziele und Interessen nicht mit denen der USA übereinstimmen, und diesmal haben barbarische Verbündete der USA verlangt, dass eine bestimmte Person eliminiert werden müsste. Robie gibt den tödlichen Schuss in dem verabredeten Moment ab, trifft aber nicht nur die Zielperson, sondern auch die vierjährige Tochter, die hinter dem Mann stand, als dieser von der Patrone niedergestreckt wurde. Um dieses Erlebnis so schnell wie möglich hinter sich zu lassen, drängt Robie auf einen nächsten Einsatz, den er allerdings vermasselt. Als das Zielobjekt im Visier auftaucht, halluziniert Robie plötzlich einen Jungen und gibt den tödlichen Schuss nicht ab. Robie wird daraufhin in den Urlaub geschickt und nutzt die Zeit, in seine Heimatstadt Cantrell, Mississippi, zu reisen, die er vor zwanzig Jahren überstürzt verlassen hatte. In diesem 2000-Seelen-Kaff wartet sein Vater, der ehrenwerte Richter Dan Robie, auf seinen Prozess wegen Mordes. Der ehemalige Marineinfanterist soll einen Mann namens Sherman Clancy getötet haben. Als Robie seinen Vater im Gefängnis besuchen will, macht er die Bekanntschaft von Deputy Sheila Taggert, die Robie noch von der Highschool kennt, doch sein Vater lehnt es ab, seinen Sohn, zu dem er seit zwanzig Jahren keinen Kontakt mehr hatte, zu sehen. Wie Robie später erfährt, lebt sein Vater mit seiner neuen Frau Victoria, ihrem gemeinsamen Sohn Ty und der Haushälterin Priscilla in der Südstaatenvilla Willows, die einst der wohlhabenden Barksdale-Familie gehörte, in deren Tochter Laura Robie damals verliebt gewesen war. Eigentlich wollten sie gemeinsam die Stadt verlassen, doch aus unerfindlichen Gründen begleitete Laura ihn nicht und antwortete auch später nicht auf Robies Briefe. Robies weitere Nachforschungen ergeben, dass Clancy ebenfalls wegen Mordes verhaftet worden war. Er soll das hübsche Mädchen Janet Chisum erschossen haben, wurde aber von den Geschworenen freigesprochen. Offenbar war Clancy, der aus einer armen Farmerfamilie stammt, durch Gas- oder Öl-Vorkommen auf seinem Land reich geworden und hat sich mit ein paar Kasino-Leuten zusammengetan. Doch je tiefer Robie in die Vergangenheit seines Vaters und damit auch in seine eigene reist, desto mehr Probleme und Leichen tauchen auf, bis Blue Man, Robies einflussreicher Kontaktmann bei der CIA, sogar Robies Partnerin Jessica Reel zur Unterstützung schickt…
Mit „Falsche Wahrheit“ begibt sich David Baldacci ein wenig auf die Spuren von John Grisham oder großartigen Südstaaten-Schriftstellern wie James Lee Burke und Joe Lansdale. Es ist Baldacci an sich hoch anzurechnen, dass er hier den Versuch unternimmt, seinen Serien-Helden mit einer persönlichen Hintergrundgeschichte zu versorgen, und es ist erfrischend zu lesen, dass Robie sich nach zwei unglücklichen Einsätzen mal als Ermittler präsentieren kann, der damit aber in ein gefährliches Wespennest sticht, das weniger auf den alltäglichen Rassismus zurückzuführen ist, sondern auf ebenso verwerfliche Verbrechen, die weitere Kreise ziehen, als selbst das vor Ort ermittelnde FBI ahnt. Während Baldacci zunächst mit atmosphärischen Südstaaten-Schilderungen und komplexem Krimi-Plot überzeugt, will er am Ende aber zu viel des Guten, wenn er die Handlung mit einer höchst unglaubwürdigen Wendung abzuschließen versucht. Da nützen auch die detailliertesten Erklärungen nichts. Sie machen die Katastrophe nur schlimmer…

 

David Baldacci – (Will Robie: 3) „Im Auge des Todes“

(Lübbe, 528 S., HC)
Seit seinem gleich erfolgreich von und mit Clint Eastwood verfilmten Debütroman „Absolute Power“ (1996) zählt David Baldacci nicht grundlos zu den profiliertesten US-amerikanischen Thriller-Autoren, veröffentlicht er doch (vornehmlich) Thriller-Bestseller in Serie, so dass hierzulande der Heyne Verlag und Lübbe die langsam kaum noch überschaubaren Reihen um Atlee Pine, Amos Decker, John Puller, Sean King & Michelle Maxwell, den Camel Club und wie sie alle heißen schon untereinander aufteilen müssen. Zu den weniger gelungenen Figuren zählt der für eine zur CIA gehörenden Behörde arbeitende Auftragskiller Will Robie, der für den Anführer der freien Welt unliebsame Personen aus dem Verkehr zieht. In seinem dritten Fall, bei dem ihm wieder seine Partnerin Jessica Reel zur Seite steht, ist es der nordkoreanische Präsident, der dran glauben muss, doch natürlich steckt hinter dieser Mission weit mehr, als es zunächst den Anschein hat.
Zusammen mit dem Nationalen Sicherheitsberater Josh Potter und CIA-Chef Evan Tucker plant der US-amerikanische Präsident in einer Videoschaltung mit dem nordkoreanischen General Pak ein Attentat auf den nordkoreanischen Führer. Für die Ausführung werden die zurzeit besten Agenten, die nach ihrem Einsatz in Syrien mit dem Orden für Heldenmut im Einsatz ausgezeichneten Will Robie und Jessica Reel, vorgesehen, doch müssen sie sich Amanda Marks, der Stellvertretenden Direktorin der CIA, einer „Rekalibrierung“ in der sogenannten Burner Box unterziehen, da sie sich bei ihrem Einsatz in Syrien eindeutigen Befehlen widersetzt haben. Nach dem Bestehen des herausfordernden Tests werden Robie und Reel auf ihren Auftrag vorbereitet, doch dann kommt es zu unvorhergesehenen Komplikationen: Die nordkoreanische Agentin Chung-Cha hat in Paris den englischen Diplomaten Lloyd Carson eliminiert, der nach Nordkorea versetzt worden und als Mittelsmann zu General Pak der Dreh- und Angelpunkt der geplanten Aktion war. Als auch General Pak nach dem Verlassen des Landes tot aufgefunden wird, droht Nordkorea mit Vergeltung und schickt mit Chung-Cha seine beste Agentin, um die USA an einer sehr persönlichen Stelle zu treffen…

„Als Leiterin dieser Mission wusste Chung-Cha, dass sie die Pläne für das Attentat vorantreiben mussten. So eine Gelegenheit würden sie nicht noch einmal bekommen. Wenn die Amerikaner tot waren, würden sie eine Nachricht zurücklassen, auf Englisch verfasst, die im Detail die Verbrechen aufführen würde, die Amerika begangen hatte…“

David Baldacci macht es mit „Im Auge des Todes“ seiner Leserschaft nicht gerade leicht. Statt sich auf den Plot mit Robies und Reels Auftrag zu beschränken, den nordkoreanischen Führer zu eliminieren, führt der Bestseller-Autor gleich zu Beginn den Nebenplot des wegen mehrfachen Mordes zum Tode verurteilten, einer Neonazi-Gruppe zugehörigen Earl Fontaine ein, der wegen seines Krebsleidens allerdings nicht hingerichtet werden kann. Er will vor seinem Tod noch Kontakt zu seiner Tochter aufnehmen, verfolgt mit diesem Wunsch allerdings einen sehr perfiden Plan. Und schließlich wird auch das Leben der nordkoreanischen Agentin Chung-Cha ausführlich beschrieben, von der Tortur, in einem der vielen Arbeitslager aufgewachsen zu sein, bis zur Ausbildung als Attentäterin. Durch den Wechsel der Erzählperspektiven leidet nicht nur der Lesefluss und die Spannungs-Dramaturgie, verheerend wirkt sich vor allem die Unglaubwürdigkeit der Handlung aus. Vor allem die Leichtigkeit, mit der Robie und Reel in Nordkorea ihren Auftrag erledigen, fällt hier negativ auf, aber auch der Zufall, dass die beiden Top-Killer gerade dann den Babysitter für die beiden Kinder des US-Präsidenten spielen, als Chung-Cha ihr Ziel ins Visier genommen hat. Zu allem Überfluss gibt es auch noch eine Entführung im engsten Kreis der beiden Agenten und eine unliebsame Konfrontation mit Reels Vater. Das wäre Stoff für mindestens drei Romane, doch dann müssten die Plots glaubwürdiger ausgeführt und die Figuren komplexer gezeichnet werden.