(Lübbe, 528 S., HC)
Seit seinem gleich erfolgreich von und mit Clint Eastwood
verfilmten Debütroman „Absolute Power“ (1996) zählt David Baldacci
nicht grundlos zu den profiliertesten US-amerikanischen Thriller-Autoren,
veröffentlicht er doch (vornehmlich) Thriller-Bestseller in Serie, so dass
hierzulande der Heyne Verlag und Lübbe die langsam kaum noch überschaubaren Reihen
um Atlee Pine, Amos Decker, John Puller, Sean King & Michelle Maxwell, den
Camel Club und wie sie alle heißen schon untereinander aufteilen müssen. Zu den
weniger gelungenen Figuren zählt der für eine zur CIA gehörenden Behörde
arbeitende Auftragskiller Will Robie, der für den Anführer der freien Welt
unliebsame Personen aus dem Verkehr zieht. In seinem dritten Fall, bei dem ihm
wieder seine Partnerin Jessica Reel zur Seite steht, ist es der nordkoreanische
Präsident, der dran glauben muss, doch natürlich steckt hinter dieser Mission weit
mehr, als es zunächst den Anschein hat.
Zusammen mit dem Nationalen Sicherheitsberater Josh Potter
und CIA-Chef Evan Tucker plant der US-amerikanische Präsident in einer
Videoschaltung mit dem nordkoreanischen General Pak ein Attentat auf den
nordkoreanischen Führer. Für die Ausführung werden die zurzeit besten Agenten,
die nach ihrem Einsatz in Syrien mit dem Orden für Heldenmut im Einsatz ausgezeichneten
Will Robie und Jessica Reel, vorgesehen, doch müssen sie sich Amanda Marks, der
Stellvertretenden Direktorin der CIA, einer „Rekalibrierung“ in der sogenannten
Burner Box unterziehen, da sie sich bei ihrem Einsatz in Syrien eindeutigen
Befehlen widersetzt haben. Nach dem Bestehen des herausfordernden Tests werden Robie
und Reel auf ihren Auftrag vorbereitet, doch dann kommt es zu unvorhergesehenen
Komplikationen: Die nordkoreanische Agentin Chung-Cha hat in Paris den
englischen Diplomaten Lloyd Carson eliminiert, der nach Nordkorea versetzt
worden und als Mittelsmann zu General Pak der Dreh- und Angelpunkt der
geplanten Aktion war. Als auch General Pak nach dem Verlassen des Landes tot
aufgefunden wird, droht Nordkorea mit Vergeltung und schickt mit Chung-Cha
seine beste Agentin, um die USA an einer sehr persönlichen Stelle zu treffen…
„Als Leiterin dieser Mission wusste Chung-Cha, dass sie die Pläne für das Attentat vorantreiben mussten. So eine Gelegenheit würden sie nicht noch einmal bekommen. Wenn die Amerikaner tot waren, würden sie eine Nachricht zurücklassen, auf Englisch verfasst, die im Detail die Verbrechen aufführen würde, die Amerika begangen hatte…“
David Baldacci macht es mit „Im Auge des Todes“
seiner Leserschaft nicht gerade leicht. Statt sich auf den Plot mit Robies und
Reels Auftrag zu beschränken, den nordkoreanischen Führer zu eliminieren, führt
der Bestseller-Autor gleich zu Beginn den Nebenplot des wegen mehrfachen Mordes
zum Tode verurteilten, einer Neonazi-Gruppe zugehörigen Earl Fontaine ein, der
wegen seines Krebsleidens allerdings nicht hingerichtet werden kann. Er will
vor seinem Tod noch Kontakt zu seiner Tochter aufnehmen, verfolgt mit diesem
Wunsch allerdings einen sehr perfiden Plan. Und schließlich wird auch das Leben
der nordkoreanischen Agentin Chung-Cha ausführlich beschrieben, von der Tortur,
in einem der vielen Arbeitslager aufgewachsen zu sein, bis zur Ausbildung als
Attentäterin. Durch den Wechsel der Erzählperspektiven leidet nicht nur der Lesefluss
und die Spannungs-Dramaturgie, verheerend wirkt sich vor allem die
Unglaubwürdigkeit der Handlung aus. Vor allem die Leichtigkeit, mit der Robie
und Reel in Nordkorea ihren Auftrag erledigen, fällt hier negativ auf, aber
auch der Zufall, dass die beiden Top-Killer gerade dann den Babysitter für die
beiden Kinder des US-Präsidenten spielen, als Chung-Cha ihr Ziel ins Visier
genommen hat. Zu allem Überfluss gibt es auch noch eine Entführung im engsten
Kreis der beiden Agenten und eine unliebsame Konfrontation mit Reels Vater. Das
wäre Stoff für mindestens drei Romane, doch dann müssten die Plots glaubwürdiger
ausgeführt und die Figuren komplexer gezeichnet werden.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen