Samstag, 14. September 2013

Lemony Snicket – „Meine rätselhaften Lehrjahre (1): Der Fluch der falschen Frage“

(Goldmann, 219 S., HC)
Unter dem Pseudonym Lemony Snicket hat der amerikanische Autor Daniel Handler in der 13-bändigen Roman-Serie „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ das bedauernswerte Schicksal der Baudelaire-Waisen beschrieben und dabei einen erstaunlich großen Fundus an originellen wie humorvollen Einfällen kreiert.
Sechs Jahre nach dem betrüblichen Finale der gefeierten Jugendbuch-Reihe gibt es mit „Meine rätselhaften Lehrjahre“ endlich ein neues Lebenszeichen von Lemony Snicket. Die Fans dürfen sich freuen: Mit dieser autorisierten Autobiographie gewährt uns der Autor einen ebenso unterhaltsamen Einblick in seine aufregenden Jugendjahre.
Der 13-jährige Lemony Snicket sitzt mit seinen Eltern in einem Café, als ihm eine Dame eine Botschaft zusteckt: „Ich warte in dem grünen Roadster. Du hast fünf Minuten!“ Und kaum, dass er sich versieht, findet sich der junge Lemony als Praktikant bei seiner Mentorin S. Theodora Markson an, einer Detektivin, die auf einer Liste von 52 Namen ihrer Zunft auf dem letzten Platz residiert. Sie werden von Mrs Murphy Sallis damit beauftragt, eine astronomisch kostbare Statue einer Bordunbestie ihrem rechtmäßigen Besitzer zurückzuführen.
Ihrer Auftraggeberin nach soll sich die Statue im Besitz der Mallahans befinden. Tatsächlich findet Lemony die staubbedeckte wie unscheinbare Statue im Leuchtturm der besagten Familie, doch als er sich mit der angehenden Journalisten Moxie unterhält, ist die Besitzfrage nicht so einfach zu klären. Was folgt, ist eine abenteuerliche Odyssee durch die einst so malerische, nun eher verwahrloste und vereinsamte Küstenstadt Schwarz-aus-dem-Meer.
Da Lemony Snicket aber eher seinen eigenen Instinkten folgt als den Anweisungen seiner Mentorin, geraten die beiden immer wieder aneinander.
„Standpauken halten muss etwas Herrliches sein, sonst wäre es Kindern auch manchmal erlaubt. Schließlich setzt es nichts voraus, was Kinder nicht auch können. Im Prinzip braucht man für eine Standpauke nur drei Dinge. Man braucht ein wenig Zeit, um sich anständige Vorwürfe auszudenken. Man braucht ein bisschen Geduld, um die Anschuldigungen in eine gute Reihenfolge zu bringen, damit die Standpauke die Person, die sie abkriegt, auch richtig trifft. Und man braucht Chuzpe, ein Wort, das hier die Kaltschnäuzigkeit bezeichnet, die dazu gehört, sich vor jemandem aufzubauen und ihn abzukanzeln, besonders wenn dieser Jemand erschöpft und kaputt ist und nichts als seine Ruhe möchte.“ (S. 129) 
Schließlich lernt Lemony Snicket noch Ellington Feint kennen, die dem Jungen das Versprechen abnimmt, ihr bei der Suche nach ihrem plötzlich verschwundenen Vater zu helfen. Offensichtlich hat ein Mann namens Brandhorst dabei seine Finger im Spiel …
„Der Fluch der falschen Frage“ enthält alle Ingredienzien, die der geneigte Leser bereits aus den wundervollen „Reihe betrüblicher Ereignisse“ kennt: sympathische und skurrile Charaktere, undurchsichtige Handlungsstränge, Lügen und Geheimnisse, alles in einer klaren Sprache mit viel einzigartigem Humor geschildert, dass es eine Freude ist, Lemony Snicket bei seinen Ermittlungen zu begleiten. Was es mit der Organisation, deren Namen nicht genannt werden darf und für die die Mentoren arbeiten, auf sich hat, bietet hoffentlich Stoff für viele weitere Abenteuer!
Leseprobe Lemony Snicket - Meine rätselhaften Lehrjahre (1): „Der Fluch der falschen Frage“

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