Dienstag, 10. Februar 2015

James Carlos Blake – „Das Böse im Blut“

(Heyne, 448 S., Tb.)
Die beiden Brüder Edward und John Little sind mit einem cholerischen Vater gestraft. Als Daddyjack bei einem Scheunenfest im Hochland von Georgia einen Mann tötet, der seiner Frau zu schöne Augen gemacht hat, muss die Familie im Herbst 1842 in die Sümpfe Floridas fliehen, wo sich drei Jahre später das nächste Unglück ereignet: Maggie, Edwards und Johns kleine Schwester, ist dermaßen angewidert von ihrem Vater, der immer wieder seine Frau verprügelt und schändet, dass sie Reißaus nimmt. Als die Brüder von ihrer Suche nach dem Mädchen zurückkehren, scheint ihr Vater sich einmal mehr an ihrer Mutter vergangen zu haben. Offensichtlich hat er auch Maggie getötet. Edward erschießt seinen Vater, die Mutter lässt ihre Jungen zurück, die sich wiederum nach Texas aufmachen.
In New Orleans trennen sich schließlich ihre Wege in einem Saloon, als Edward am Pokertisch ordentlich Gewinn macht und sich John mit einem Mädchen vergnügen will. Sowohl John als auch Edward geraten daraufhin mit Männern und dem Gesetz in Konflikt und stehen schließlich zu Beginn des Krieges zwischen den Yankees und den Mexikanern auf verschiedenen Seiten der Grenze. Ihr Leben ist weiterhin von gnadenloser Gewalt geprägt, die sie selbst mit nicht wenig Genuss ausüben, um ihren Traum von eigenem Land zu verwirklichen.
„Was er sich wünschte, war unaussprechlich. Wie sollte man denn etwas erklären, das man nicht einmal sich selbst gegenüber in Worte zu fassen vermochte, das man nur im Pochen seines Blutes spürte? Wie konnte er ihnen denn erzählen, dass er sich nichts sehnlicher wünschte, als dass ihm endlich Daddyjack und Maggie nicht mehr im Traum erschienen? Dass es ein Ende hätte mit dem nächtlichen Aufschrecken, wenn ihm das Herz wild in der Kehle schlug, wenn er an seiner eigenen Angst erstickte, sich gejagt fühlte von irgendeiner furchtbaren Nemesis, die mit jedem blutigen Sonnenuntergang näher rückte?“ (S. 245) 
Der 1947 in Mexiko geborene und in Texas aufgewachsene James Carlos Blake ist hierzulande noch ein unbeschriebenes Blatt. Das mag vor allem daran liegen, dass er in seinen Romanen eine extrem gewalttätige Geschichtsschreibung präsentiert, in der mordlüsterne und sexhungrige Kriminelle die Saat dessen verkörpern, wie die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Form angenommen haben. Was ihn wiederum für das Programm von Heyne Hardcore prädestiniert, das in den vergangenen Jahren Autoren wie Richard Laymon, John Niven, Jack Ketchum und James Lee Burke endlich ein Podium geboten hat, ihre rohe Prosa einer nervenstarken Leserschaft zu präsentieren.
„Das Böse im Blut“ ist Blakes dritter Roman und erzählt auf drastische Weise vom Schicksal zweier Brüder, die in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts von einem trunksüchtigen und gewalttätigen Vater und einer Hure aufgezogen worden sind. Wie sie nach einem familiären Blutbad ihrer eigenen Wege gehen, liest sich wie die nahtlose Aneinanderreihung von Prügeleien, Messerstechereien, Schießereien, Folter und Bordellbesuchen. Dabei macht Blake deutlich, dass seine Figuren allesamt Getriebene sind, ohne echte Träume und Hoffnungen, wie sie für das Western-Genre typisch sind. Ein wenig eigenes Land sollte es sein und eine Frau, aber wie man zu diesem Ziel gelangt, ist vom Zufall und vor allem Gewalt geprägt. Diese pessimistische Weltsicht begleitet den Leser durch den ganzen epischen Roman und lässt ihn ebenso staunen wie gefesselt weiterlesen. Denn Blake schreibt so packend, dass man das Blut, die Lust, den Schweiß und den Staub zu riechen und zu schmecken scheint.
Leseprobe James Carlos Blake - "Das Böse im Blut"

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen