Sonntag, 8. Februar 2015

Joe Hill – „Blind“

(Heyne, 432 S., HC)
Als Sammler von okkulten Kuriositäten ist der 54-jährige Rockstar Jude Coyne Feuer und Flamme, als er von seinem Assistenten Danny erfährt, dass eine Frau den Geist ihres kürzlich verstorbenen Stiefvaters verkauft. Tatsächlich erhält Jude bei der Auktion den Zuschlag und hält wenige Tage später eine herzförmige Schachtel in den Händen, die den Sonntagsanzug des Verstorbenen enthält. Als sich Judes Freundin Marybeth, die er nur Georgia nennt, den Finger an einer Stecknadel im Anzug verletzt, beginnt sich dieser schmerzhaft zu entzünden, dann ertönen aus dem Radio beängstigende Sprüche. Offensichtlich ist der Geist des Toten auf Rache aus.
Jude nimmt Kontakt mit der Verkäuferin auf und erfährt, dass Jessica Price die Schwester von Anna May McDermott ist. Jude war mit ihr vor Georgia zusammen und hat sie irgendwann genervt von ihrer Art rausgeschmissen. Wie Jessica ihm erzählt, hat sich Anna zuhause irgendwann in die Badewanne gelegt und sich die Pulsadern aufgeschnitten, nachdem er nicht auf ihre Briefe reagiert hatte. Und nun scheint Craddock McDermott sowohl seine Wut über Judes nachlässige Art als auch seine Profession als Hypnotiseur in die Waagschale zu werfen, um Jude das Leben zur Hölle zu machen. Jude und Georgio sehen nur einen Ausweg: Sie machen sich auf den Weg zu McDermotts verwitweter Stieftochter und wollen dem Spuk ein Ende bereiten …
„Craddock hatte den Großteil der Woche darauf verwendet, Jude dazu zu bringen, sich selbst umzubringen. Jude war so davon in Anspruch genommen gewesen, sich zu wehren, dass er sich nicht gefragt hatte, ob der Preis des Überlebens nicht vielleicht höher war, als wenn er dem toten Mann gab, was er wollte. Er würde sicher den Kürzeren ziehen, hatte er gedacht, und je länger er sich gegen Craddock wehrte, desto wahrscheinlicher war es, dass er Marybeth mit sich reißen würde. Denn die Toten ziehen die Lebenden nach unten.“ (S. 297). 
Hinter dem Namen Joe Hill verbirgt sich niemand Geringeres als Stephen Kings ältester Sohn. Allerdings wurde sein Debütroman „Blind“ im Jahre 2007 nicht mit der prominenten Beziehung beworben, was auch gar nicht nötig gewesen ist. Joe Hill erweist sich nämlich als durchaus eigenständige Stimme in der Horror-Literatur. Sein Debüt fasziniert mit einem originellen Plot und interessant gezeichneten Figuren. Judas Coyne ist nicht zwingend ein Protagonist, den man von Beginn an ins Herz schließt. Tatsächlich erscheint er dem Leser zunächst als narzisstisches Arschloch. Doch wie er schließlich alle Hebel in Bewegung setzt, um seine Freundin Georgia nicht auch zu Craddocks Opfer werden zu lassen, ringt einem schließlich doch Respekt ab. Tatsächlich zählt die Wandlung, die Jude Coyne während der abenteuerlichen Fahrt nach Jacksontown durchmacht, zu den großen Stärken eines Romans, der einem wirklich Gänsehaut verursacht.
Leseprobe Joe Hill - "Blind"

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