Mittwoch, 23. März 2016

Joe R. Lansdale – (Hap & Leonard: 1) „Wilder Winter“

(Shayol, 190 S., Pb.)
An einem Nachmittag, als Hap Collins und sein bester Kumpel Leonard Pine mit einer zwölfkalibrigen Flinte auf Tontauben schießen, taucht unvermittelt Haps Ex-Frau Trudy auf. Nachdem die beiden ihr Wiedersehen im Schlafzimmer ausgiebig zelebriert haben, rückt Trudy mit ihrem eigentlichen Anliegen heraus: Ihr Ex-Mann Howard, der sich in der Antiatombewegung engagierte, wurde zu zwei Jahren in Leavenworth verurteilt, wo er den Gangster Softboy McCall kennenlernte. Softboy hatte an dem Tag seiner Festnahme eine osttexanische Bank ausgeraubt, doch auf der Flucht wurde das Auto in den Bottoms versenkt.
Das Geld konnte in ein Boot umgeladen werden, doch wurde dieses von einem Baumstamm gerammt, Softboy rettete sich ans Ufer und halluzinierte drei Tage lang bei hohem Fieber vor sich hin. Nun soll Hap als Bottoms-Kenner mit dabei helfen, das Geld zu bergen, als Belohnung winken zweihunderttausend Dollar.
Hap lässt sich auf den Deal ein, aber nur mit Leonards Beteiligung. Doch kaum bringt Trudy die beiden Freunde mit Howard und seiner Truppe zusammen, braut sich echter Ärger zusammen, wie es Leonard seinem Freund im Vorfeld prophezeit hatte und nun auch Howards Kumpel Paco feststellen muss.
„Ich vermute mal, sie ist nicht der Typ für längere Geschichten. Sie sammelt gern Zweige und Zunder fürs Feuer, sie entfacht es auch gern, aber sie will nicht dabei sein, wenn es richtig heiß wird und kräftig raucht. Bis dahin ist sie längst über alle Berge und sammelt neue Zweige, entzündet neue Feuer und läuft schon wieder fort, bevor es richtig losgeht.“ (S. 69) 
Mit „Wilder Winter“ hat der texanische Autor Joe R. Lansdale 1990 den Auftakt für seine bis heute sehr populäre Buddy-Reihe um den weißen, heterosexuellen Kriegsdienstverweigerer Hap Collins und den schwarzen, schwulen Vietnamveteranen Leonard Pine abgeliefert. Dabei gelingt ihm eine Mischung aus atmosphärisch stimmigen Südstaaten-Roman und packender Gauner-Story, wobei der besondere Dialogwitz zum Markenzeichen der Hap-&-Leonard-Reihe geworden ist.
Wie sich die beiden Gelegenheitsarbeiter, die sich auf den texanischen Rosenfeldern durchschlagen, über ihre sexuellen Beziehungen, Rassismus und mehr oder weniger sinnvolle Entscheidungen in ihrem Leben streiten, ist einfach wunderbar zu lesen und macht Lust auf die Fortsetzungen, die zunächst bei Rowohlt und nun teilweise im Dumont- und im Golkonda-Verlag erschienen sind.

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