Freitag, 15. Oktober 2010

Giacomo Cacciatore – Der Sohn“

(Rowohlt, 222 S., HC)
Der neunjährige Giovanni Vetro erlebt in Palermo eine außergewöhnliche Kindheit. Sein Vater Vincenzo arbeitet nicht nur bei der Polizei, sondern dient auch dem lokalen Mafiaboss Matteo Scavone, was Giovannis Familie einige Türen öffnet. Als Giovanni beispielsweise den sehnlichen Wunsch äußert, einen Farbfernseher zu besitzen, damit die vor der Tür stehende Fußball-WM 1978 auch in schillernden Farben verfolgt werden kann, dauert es nicht lange, bis dieses Zaubergerät auch im heimischen Wohnzimmer steht, ohne dass der Papa dafür etwas bezahlen musste. Giovanni verfolgt mit Begeisterung die Fernsehserie „George und Mildred“, vor allem aber „Starsky & Hutch“.
Der Junge bekommt allerdings auch mit, dass das Telefon zu den unmöglichsten Zeiten klingelt. Die nach einem Autounfall psychisch labile Mutter kann mit den Anrufen nichts anfangen, doch als Giovanni seinen Vater belauscht, ahnt er, dass dieser in Schwierigkeit steckt. Wie das enden kann, erfährt er aus den Nachrichten, die von dem Attentat auf aufstrebenden Ganoven Nunzio Cardaci berichten, der Giovanni vor kurzem noch einen japanischen Roboter geschenkt hatte und nun vielleicht „zwischen die Fronten zweier Familien“ geraten ist. Dann fällt auch sein eigener Vater in Ungnade …
Der italienische Journalist, Autor und Schriftsteller Giacomo Cacciatore hat mit „Der Sohn“ eine wunderbare Geschichte über eine komplexe Vater-Sohn-Beziehung geschrieben, die aus der staunenden Perspektive eines kleinen Jungen erzählt wird, der immer mehr in das Geflecht der sizilianischen Mafia eindringt und schließlich alles dafür tut, seinen Vater vor dem drohenden Unheil zu retten. Das ist manchmal rührend, melancholisch oder auch tragisch, oft aber auch warmherzig und voller Humor.

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