Samstag, 30. Oktober 2010

Joe Hill – „Teufelszeug“

(Heyne, 543 S., HC)
Ignatius Martin Perrish wächst wohlbehütet in einer prominenten Familie auf. Sein Vater ist ein berühmter Trompeter, der mit Frank Sinatra und Dean Martin Platten aufgenommen hat. Und auch sein zwei Jahre älterer Bruder Terry hat es mit seiner eigenen TV-Show „Hothouse“ zu etwas gebracht. Mit seinem Asthma blieb Ig eine derartige Karriere verwehrt. Stattdessen wurde er angeklagt, vor einem Jahr seine Freundin Merrin Williams vergewaltigt und ermordet zu haben. Da es an Beweisen fehlte, wurde Ig freigesprochen, doch seitdem ist nichts mehr wie zuvor. Sein bester Freund Lee hat ihn im Stich gelassen, und nach dem Verlust seiner großen Liebe unterhält Ig mit Glenna eine leidenschaftslose Beziehung.
Doch dann wacht Ig nach einer durchzechten Nacht mit Teufelshörnern auf der Stirn auf. Glenna kümmert sich nicht weiter um die bizarren Auswüchse im Gesicht ihres Freundes, sondern steckt ihm frei von der Leber weg, dass sie letzte Nacht Lee in Gegenwart seiner Kumpels einen geblasen hat. Doch dieses Geständnis ist nur der Anfang. Auf einmal erfährt Ig auf unerklärliche Weise Dinge von Menschen, die sie lieber für sich behalten sollten. Vor allem wird Ig mit der Tatsache konfrontiert, dass seine ganze Familie Ig für Merrins Mörder hält. Doch Terry weiß, wer für die Tat verantwortlich gewesen ist. Mit diesem Wissen und seiner Fähigkeit, die dunkelsten Geheimnisse seiner Mitmenschen aufzudecken, macht sich Ig daran, seine Welt wieder ins Lot zu bringen …
Joseph Hillstrom King weiß als Sohn des berühmten Stephen King, wie man Horror schreibt. Mit „Teufelszeug“ legt der talentierte Horror-King-Sprössling ein faszinierendes Buch vor, das über lange Strecken gar nicht wie ein Gruselthriller wirkt, sondern erst wie eine Groteske, dann in der Rückblende wie die großartigen Szenarien jugendlichen Lebens, wie sie Stephen King in Werken wie „Atlantis“ oder „Stand By Me“ zur Perfektion gebracht hat. Die Horrormomente hat Joe Hill sehr subtil verarbeitet und kommen eher durch die Darstellung menschlicher Bösartigkeit zum Ausdruck, für die Ig mit seinen teuflischen Hörnern und seiner übersinnlichen Begabung sensibilisiert wird. Obwohl recht früh offenbart wird, wer für den Tod von Igs Freundin verantwortlich gewesen ist, bleibt die Geschichte bis zum Schluss äußerst spannend, weil es Joe Hill hervorragend versteht, die Fäden aus der Vergangenheit in der Gegenwart zusammenzuführen.

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