Mittwoch, 29. Dezember 2010

Richard Laymon – „Finster“

(Heyne, 543 S., Pb.)
Der 20-jährige Student Ed Logan ist am Boden zerstört, als seine Freundin Holly Johnson ihn wegen eines anderen Typen namens Jay verlässt, der „so außergewöhnlich und einfühlsam“ sein soll, wie Holly in ihrem Abschiedsbrief meinte. Er entschließt sich zu einem nächtlichen Spaziergang durch Willmington, der ihn zunächst zu Hollys Studentenwohnheim führt, wo er auf Eileen Danforth trifft, eine von Hollys besten Freundinnen. Da sie von Hollys Brief weiß, versucht sie, Ed Gesellschaft zu leisten und ihn etwas aufzumuntern, doch ihren Vorschlag, ihn zum zehn Kilometer entfernten Donut-Shop zu begleiten, lehnt er freundlich ab. Als er von der Division in die Franklin Street abbiegt, entdeckt er ein Mädchen, das vor ihm die gleiche Route einzuschlagen scheint. Ist Ed zunächst ohne Ziel losgelaufen, hat er nun zwei Aufgaben vor sich: Eileen Donuts mitzubringen und seine neue Gefährtin zu beschützen. Als sie in einem Haus verschwindet, beobachtet er sie noch kurz, bis das Licht gelöscht ist, dann setzt er seinen Weg fort und trifft Eileen bei Dandi Donuts, wo sie auf Ed gewartet hat und ihn zurück nach Hause fährt, wo Eileen den liebeskranken Ed verführt.
Doch Eds Gedanken hängen an dem geheimnisvollen Mädchen mit dem Pferdeschwanz. Als er sich in der nächsten Nacht den Wecker stellt, um zum Haus des blonden Mädchens zurückzukehren, entdeckt er eine weitere hübsche Frau in dem geheimnisvollen Haus und beobachtet sie gespannt.
„Nur ein Verrückter würde sich den Wecker stellen, um mitten in der Nacht aufzustehen und die Stadt nach einer völlig Fremden zu durchsuchen, der er in der Nacht zuvor eine Weile nachgeschlichen war. Und sich bei der Gelegenheit an ein Fenster pirschen und eine halbnackte Frau belauern. Unvermittelt war ich zu einem Spanner geworden.
Was würde als Nächstes geschehen?
Was als Nächstes geschehen sollte, dachte ich, dass ich nach Hause gehe. Ich sollte das Ganze abblasen. In meine Wohnung gehen und mich ins Bett legen. Morgen aufstehen und zur Uni gehen. Fleißig sein. Eine ernsthafte Beziehung mit Eileen eingehen. Mach dir nichts vor, sie ist wahrscheinlich in jeder Hinsicht besser, als Holly je war. Ich sah die vergangene Nacht mit Eileen vor mir. Die Überraschung, als ich feststellte, dass sie heimlich ihren BH ausgezogen hatte. Die Lust, als ich meine Hand in ihre Jeans schob und durch ihre feuchte Hitze glitt. Und wie es sich dann anfühlte, als sie sich nass und eng auf mich setzte, sich langsam aufspießte. Was bedeutet es im Vergleich dazu, einem unbekannten Mädchen hinterherzuschleichen? Wie kann eine Frau im Nachthemd, die man durch ein Fenster anglotzt, selbst wenn man eine ihrer Brüste sehen kann, eine größere Versuchung sein als Eileen und die Dinge, die ich mit ihr schon getan hatte?“ (S. 91)
Für Ed beginnt eine Nacht, die er so schnell nicht vergessen wird. Er lernt Menschenfresser und einen perversen Entführer kennen, macht die Bekanntschaft gleich von mehreren hübschen Frauen, muss sich den Annäherungsversuchen seines schwulen Kumpels Kirkus erwehren und schließlich Eileen aus den Fängen eines Entführers befreien …
„Night In Lonesome October“ ist im selben Jahr – 2001 - erschienen, in dem Richard Laymon gestorben ist, doch zählt dieses Spätwerk nicht zu seinen besten Romanen. Zwar hat der Autor mit dem Icherzähler Ed Logan wieder einen überzeugenden jugendlichen Protagonisten geschaffen, doch wirken die Ereignisse, in die der Junge reihenweise stolpert, auf Dauer doch etwas stark bei den Haaren herbeigezogen und die ständigen erotischen Intermezzi wie spätpubertierende Sexphantasien. Natürlich ist „Finster“ wieder in Laymons einfacher, doch plastischer Sprache geschrieben, unterhaltsam und auch spannend, aber eben nicht der große Horrorroman wie viele seiner anderen Veröffentlichungen.

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