Dienstag, 1. Mai 2012

Richard Laymon – „Der Gast“

(Heyne, 767 S., Tb.) 
Mit leicht mulmigem Gefühl setzt sich der 28-jährige Neil Darden kurz vor Mitternacht ins Auto, um zwei Filme zurück in die Videothek zu bringen. Der stets etwas ängstliche junge Mann wählt dafür lieber Nebenstraßen, doch dann reißt ihn der Hilfeschrei einer Frau aus seiner wachsamen Zurückhaltung. Mit einer Pistole bewaffnet kann er die bedrängte Frau retten, indem er den Täter niederschießt. Als Dank schenkt Elise ihrem Retter ein magisches Armband, mit dem man sich in andere Menschen hineinversetzen kann.
Doch als die beiden später nach dem mutmaßlich getöteten Mann schauen wollen, ist er wie vom Erdboden verschluckt und holt sich doch noch sein gewünschtes Opfer. Offensichtlich hat der geheimnisvolle Täter auch Neals Visitenkarte an sich genommen, weshalb Neal lieber die Stadt verlassen möchte. Dabei trifft er auf in einem Restaurant die viel jüngere Sue und nimmt sie mit in einen Freizeitpark. Unterwegs erfahren sie von einer Belohnung, die der Schauspieler Vince Conrad auf die Festnahme des Mörders seiner Frau ausgesetzt hat. Sie fassen den tollkühnen Plan, sich die Belohnung einzusacken, und machen ausgiebig von dem Armband Gebrauch, um sich in andere Leute zu beamen. Diese Fähigkeit bringt aber nicht nur schöne Erlebnisse und hilfreiche Erfahrungen mit sich, sondern lebensgefährliche Gefahren …
Es ist dem Heyne Verlag nicht hoch genug anzurechnen, den hierzulande kaum bekannten Horror-Autor Richard Laymon in regelmäßigen, relativ kurzen Abständen zu veröffentlichen. Allerdings haben die mit Abstand besten Titel wie „Die Insel“, „Rache“, „Das Treffen“ oder „Der Ripper“ schon das Licht der Welt erblickt – in letzter Zeit sind die veröffentlichen Romane nicht mehr von der packenden Qualität, wie man sie von dem leider 2001 verstorbenen Autor gewohnt ist. Es liegt nicht nur an dem übernatürlichen Element in der Form des magischen Armbands, dass der Leser Schwierigkeiten hat, sich mit der Story anzufreunden. Auch die Figurenkonstellation – hier der zunächst so ängstliche Held, dort zwei attraktive Frauen, die den Mann vergöttern und auch zu teilen bereit sind – wirkt wenig überzeugend und nimmt zum Finale hin geradezu hanebüchene Züge an. Um die stark abfallende Spannungskurve auszugleichen, hat Laymon eine Menge Sexszenen eingebaut, die der Geschichte aber in ihrer Geballtheit wenig dienlich sind. Das ausführliche Werkverzeichnis am Ende des Buches gibt immerhin Gelegenheit, die weitaus besseren Werke des Autors für sich zu entdecken.
Lesen Sie im Buch: Richard Laymon – „Der Gast“
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