Montag, 30. März 2015

Richard Laymon – „Der Killer“

(Heyne, 288 S., Tb.)
Seit dem Tod ihres Mannes vor drei Jahren führt Elsie Hoffman den kleinen Supermarkt in Oasis allein. Als sie in der Bar Golden Oasis die Journalistin Lacey Allen von der Oasis Tribune trifft und sie danach fragt, ob sie an Geister glaubt, wird sie von einem Kunden angesprochen, dass er merkwürdige Geräusche aus ihrem geschlossenen Laden vernommen habe. Wie sich herausstellt, hat sich jemand an der Fleischtheke gütlich getan. Wenig später wird die Ladenbesitzerin von Lacey bestialisch ermordet in ihrem Geschäft aufgefunden, sie selbst von einem unsichtbar erscheinenden Mann vergewaltigt.
Völlig verstört flüchtet Lacey nach Tucson, wo sie im Desert Wind Hotel auf den charismatischen Schriftsteller Scott Bradley trifft, dem sie die unglaubliche Geschichte erzählt, dass sie sich von einem Unsichtbaren verfolgt glaubt. Gemeinsam bringen sie den unsichtbaren Mann in ihre Gewalt und erfahren von ihm, dass er Elsies Sohn Sammy ist, der durch den Kontakt zu einer obskuren Gesellschaft für spirituelle Erleuchtung unsichtbar gemacht und zu einem Killer abgerichtet worden ist. Nun setzt die GSE unter der charismatischen Führung von Laveda alles daran, ihren abtrünnigen Killer wieder in ihre Gewalt zu bringen. Für Lacey bedeutet das, sich von ihrem alten Leben zu verabschieden.
„Die Stelle bei der Tribune war bequem und sicher, doch sie verspürte oft eine innere Unruhe und hatte schon darüber nachgedacht, in L.A. oder San Francisco eine größere Herausforderung anzunehmen. Nur die Trägheit hielt sie zurück. Warum sollte sie das sichere, gewohnte Leben in Oasis verlassen und sich ins Ungewisse stürzen? Irgendwann vielleicht. Irgendwann würde sie sich einfach auf und davon machen. Allein, wenn es sein musste. Aber sie hatte sich immer vorgestellt, eines Tages würde ein Mann kommen, ihre Hand nehmen und sie in ein neues Leben führen. Dieser Mann war anscheinend Sammy Hoffman. Aber er führte sie nicht in ein neues Leben, er schleifte sie schreiend hinter sich her.“ (S. 169f.) 
Mit „Der Killer“ veröffentlicht Heyne Hardcore ein Frühwerk des 2001 verstorbenen Horror-Schriftstellers Richard Laymon als deutsche Erstveröffentlichung. Lassen sich die gut dreißig Romane des „Stephen King ohne Gewissen“ zur Hälfte in die Kategorie „übernatürlicher Horror“ einordnen, gehört das ursprünglich 1985 unter dem Titel „Beware“ veröffentlichte Buch „Der Killer“ eindeutig dazu.
Dabei beziehen Laymons Werke gerade ihren Reiz aus der Konstellation, dass in zunächst idyllisch erscheinende amerikanische Kleinstädte das Böse in Form realer Menschen hereinbricht, die ohne Rücksicht auf Verluste töten und vergewaltigen, dass sich niemand mehr in Sicherheit wiegen kann.
Diese archaische Wucht geht „Der Killer“ zwar dadurch verloren, dass er eine obskure Sekte ins Spiel bringt, die ihre Anhänger auf rituelle Weise gefügig macht und durch ein besonders abstoßendes Ritual Menschen sogar unsichtbar machen kann, dass Auftragsmorde leichter auszuführen sind, aber Laymon hat es schon immer verstanden, seine Leser durch eine unnachahmliche Mischung aus brutaler Gewalt und hemmungslosem Sex zu fesseln. Dabei helfen ihm sein dialoglastiger Plot, ein handlungsorientierter Spannungsaufbau und eine schlichte, aber visuell anregende Sprache, so dass die absurde Ausgangssituation bald in den Hintergrund rückt und der Leser im Hier und Jetzt mit den Figuren um ihr Leben bangt. Dieses Erfolgskonzept funktioniert auch bei „Der Killer“ vom Anfang bis zum blutfülligen Finale.
Leseprobe Richard Laymon - "Der Killer"

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