Ray Bradbury – „S Is For Space“

Samstag, 3. Januar 2026

(Knaur, 284 S., Pb.)
Ray Bradbury (1920-2012) zählte zu den einflussreichsten und begnadetsten Schriftstellern seiner Zeit und lieferte beispielsweise mit seinem Roman „Fahrenheit 451“ einen Klassiker der Science-Fiction, der noch immer zur Standard-Schullektüre zählt. Vor allem mit unzähligen, bei Diogenes erschienenen Story-Sammlungen wie „Medizin für Melancholie“, „Die goldenen Äpfel der Sonne“, „Die Mechanismen der Freude“, „Der illustrierte Mann“ und „Familientreffen“ ist Bradbury auch einem deutschsprachigen Publikum ans Herz gewachsen. 1966 veröffentlichte Bradbury mit „S Is For Space“ einen Nachfolger für seine Story-Sammlung „R Is For Rocket“ und versammelte darin einige seiner besten bis dato erschienene Geschichten. 2017 legte Knaur diese mit einem schönen Vorwort des Autors versehene Sammlung erstmals in deutscher Sprache vor. Einen Nachweis über die ursprünglichen Veröffentlichungen der einzelnen Geschichten bleibt die Zusammenstellung allerdings schuldig. 
„Stunde Null“ erzählt von kleinen Kindern unter zehn Jahren, die Invasion „spielen“ wollen, aber still und heimlich und von den Erwachsenen kaum wahrgenommen tatsächlich die Dinge nach ihren Vorstellungen in die Hand nehmen…
In „Der Mann“ landet Captain Hart mit seiner Crew auf einem fernen Planeten und wundert sich, dass kein Empfangskomitee mit Blaskapelle bereitsteht. Dabei sind die Straßen voller Menschen, nur interessieren sie sich nicht die Bohne für die Neuankömmlinge aus dem Weltall. Der Bürgermeister versucht Hart zu erklären, dass die Ankunft eines weit berühmteren Mannes die Aufmerksamkeit der Bürger ganz für sich beansprucht…
„Auf den Schwingen der Zeit“ handelt von einer Exkursion, die Mr. Fields mit seinen Schülern in einer Zeitmaschine ins Jahr 1928 unternimmt, um das Verhalten der historischen Menschen zu studieren. Allerdings hat der Besuch eines Zirkus unerwartete Folgen…
In „Der Spaziergänger“ macht sich Leonard Mead im Jahr 2053 allein auf einen Spaziergang durch die leeren Straßen, bis er von einer Polizeistreife angehalten wird, denen Mead Rechenschaft darüber ablegen muss, dass er als Schriftsteller keinem Beruf nachgeht, sondern nur spazieren ist, worauf die Polizisten ihn ins Psychiatrische Zentrum bringen wollen…
In „Feuersäule“ ersteht William Lantry (Geboren 1898 – Gestorben 1933) im Jahr 2349 aus seinem Grab auf. Auf dem letzten Friedhof der Welt werden gerade die letzten Gräber geleert. Mit Schrecken stellt er fest, dass er der letzte Tote auf der Welt ist. Natürlich sterben die Menschen noch immer, aber sie werden am Ende ihrer Tage einfach in einer Verbrennungsanlage entsorgt. Als er den Totengräbern bei der Arbeit zusieht und zuhört, reift in ihm ein Plan…

„Ihr habt die Grabsteine wie Zähne aus dem Boden gezogen, dachte er. Jetzt werde ich einen Weg suchen, eure Säulen zu Staub zu zerstoßen. Ich werde Tote erschaffen und somit mir Freunde machen. Ich will nicht mehr allein und einsam sein. Ich muss sogleich damit beginnen, Freunde anzufertigen. Noch heute Nacht.“ (S. 79)

Wer mit Ray Bradbury und seinem wunderbaren Werk vertraut ist, wird nicht unbedingt auf diese Sammlung einiger seiner bekanntesten Geschichten nicht unbedingt zurückgreifen müssen, doch als Einstieg in die einzigartige Poesie, die der bis heute so einflussreiche Autor sein Eigen nennt, ist „S Is For Space“ wunderbar geeignet, auch wenn hier nicht unbedingt seine besten und erinnerungswürdigsten Geschichten versammelt sind. Bradburys Geschichten leben von Menschen, die in ungewöhnlichen Situationen – oft in der Zukunft und auf dem Mars angesiedelt – mit ungewöhnlichen Ereignissen konfrontiert werden, sei es mit der Einsamkeit oder unbekannten Spezies. Auch wenn Bradbury dabei sogar gelegentlich in gruselige Sphären abdriftet und dunkle Triebe gelegentlich für krasse Pointen sorgen, überwiegen doch die warmherzigen, poetischen Töne, für die Bradbury zurecht so berühmt geworden ist.

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen