(Knaur, 284 S., Pb.)
Ray Bradbury (1920-2012) zählte zu den einflussreichsten und
begnadetsten Schriftstellern seiner Zeit und lieferte beispielsweise mit seinem
Roman „Fahrenheit 451“ einen Klassiker der Science-Fiction, der noch
immer zur Standard-Schullektüre zählt. Vor allem mit unzähligen, bei Diogenes
erschienenen Story-Sammlungen wie „Medizin für Melancholie“, „Die goldenen
Äpfel der Sonne“, „Die Mechanismen der Freude“, „Der illustrierte Mann“ und
„Familientreffen“ ist Bradbury auch einem deutschsprachigen Publikum ans
Herz gewachsen. 1966 veröffentlichte Bradbury mit „S Is For Space“ einen
Nachfolger für seine Story-Sammlung „R Is For Rocket“ und versammelte
darin einige seiner besten bis dato erschienene Geschichten. 2017 legte Knaur
diese mit einem schönen Vorwort des Autors versehene Sammlung erstmals in
deutscher Sprache vor. Einen Nachweis über die ursprünglichen Veröffentlichungen
der einzelnen Geschichten bleibt die Zusammenstellung allerdings schuldig.
„Stunde Null“ erzählt von kleinen Kindern unter zehn Jahren,
die Invasion „spielen“ wollen, aber still und heimlich und von den Erwachsenen
kaum wahrgenommen tatsächlich die Dinge nach ihren Vorstellungen in die Hand
nehmen…
In „Der Mann“ landet Captain Hart mit seiner Crew auf einem
fernen Planeten und wundert sich, dass kein Empfangskomitee mit Blaskapelle
bereitsteht. Dabei sind die Straßen voller Menschen, nur interessieren sie sich
nicht die Bohne für die Neuankömmlinge aus dem Weltall. Der Bürgermeister
versucht Hart zu erklären, dass die Ankunft eines weit berühmteren Mannes die
Aufmerksamkeit der Bürger ganz für sich beansprucht…
„Auf den Schwingen der Zeit“ handelt von einer Exkursion,
die Mr. Fields mit seinen Schülern in einer Zeitmaschine ins Jahr 1928
unternimmt, um das Verhalten der historischen Menschen zu studieren. Allerdings
hat der Besuch eines Zirkus unerwartete Folgen…
In „Der Spaziergänger“ macht sich Leonard Mead im Jahr 2053
allein auf einen Spaziergang durch die leeren Straßen, bis er von einer
Polizeistreife angehalten wird, denen Mead Rechenschaft darüber ablegen muss,
dass er als Schriftsteller keinem Beruf nachgeht, sondern nur spazieren ist,
worauf die Polizisten ihn ins Psychiatrische Zentrum bringen wollen…
In „Feuersäule“ ersteht William Lantry (Geboren 1898 – Gestorben
1933) im Jahr 2349 aus seinem Grab auf. Auf dem letzten Friedhof der Welt
werden gerade die letzten Gräber geleert. Mit Schrecken stellt er fest, dass er
der letzte Tote auf der Welt ist. Natürlich sterben die Menschen noch immer,
aber sie werden am Ende ihrer Tage einfach in einer Verbrennungsanlage entsorgt.
Als er den Totengräbern bei der Arbeit zusieht und zuhört, reift in ihm ein
Plan…
„Ihr habt die Grabsteine wie Zähne aus dem Boden gezogen, dachte er. Jetzt werde ich einen Weg suchen, eure Säulen zu Staub zu zerstoßen. Ich werde Tote erschaffen und somit mir Freunde machen. Ich will nicht mehr allein und einsam sein. Ich muss sogleich damit beginnen, Freunde anzufertigen. Noch heute Nacht.“ (S. 79)
Wer mit Ray Bradbury und seinem wunderbaren Werk
vertraut ist, wird nicht unbedingt auf diese Sammlung einiger seiner
bekanntesten Geschichten nicht unbedingt zurückgreifen müssen, doch als Einstieg
in die einzigartige Poesie, die der bis heute so einflussreiche Autor sein Eigen
nennt, ist „S Is For Space“ wunderbar geeignet, auch wenn hier nicht unbedingt
seine besten und erinnerungswürdigsten Geschichten versammelt sind. Bradburys
Geschichten leben von Menschen, die in ungewöhnlichen Situationen – oft in der
Zukunft und auf dem Mars angesiedelt – mit ungewöhnlichen Ereignissen
konfrontiert werden, sei es mit der Einsamkeit oder unbekannten Spezies. Auch
wenn Bradbury dabei sogar gelegentlich in gruselige Sphären abdriftet und dunkle
Triebe gelegentlich für krasse Pointen sorgen, überwiegen doch die warmherzigen,
poetischen Töne, für die Bradbury zurecht so berühmt geworden ist.

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