(Festa, 248 S., Pb.)
Obwohl Richard Matheson (1926-2013) Zeit seines
Lebens neben unzähligen Geschichten mehr als dreißig Romane veröffentlicht hat,
sind hierzulande fast ausschließlich nur die wenigen Romane von ihm veröffentlicht
worden, die auch verfilmt worden sind, u.a. „Die unglaubliche Geschichte des
Mister C.“, „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ und „Das Ende ist
nur der Anfang – Hinter dem Horizont“. Am bekanntesten dürfte aber ein
Klassiker sein, der bereits dreimal verfilmt worden ist: „Ich bin Legende“
aus dem Jahr 1954. Nachdem Festa bereits eine wegweisende Schmuckausgabe in zwei
Bänden mit den besten Erzählungen des einflussreichen Horror-Schriftstellers
und Drehbuchautors veröffentlicht hat, folgt mit „Ich bin Legende“ nun
neben der Luxusausgabe im Schuber auch eine Wiederveröffentlichung als
Paperback in der „Festa Classics“-Reihe – allerdings ohne jegliches
Bonusmaterial.
Im Juni 1976 ist der 36-jährige Robert Neville weit und
breit der einzige noch normale Mensch in Los Angeles. Eine Seuche hat offenbar
alle Menschen dahingerafft und ließ sie als Vampire auferstehen, die nachts
versuchen, auch Robert zu einem der ihren zu machen, u.a. auch sein früherer
Arbeitskollege Ben Cortman. Doch Robert hat sich gut genug verbarrikadiert und
überall Knoblauchgirlanden aufgehängt. Er selbst ist gegen die Seuche immun und
macht sich tagsüber mit Holzpflöcken auf den Weg, die in der Stadt versprengten,
schlafenden Vampire aufzusuchen und zu töten. Mit Benzin für sein Auto und
seinen Generator und mit Kerzen und Nahrung kehrt er vor der Dämmerung zurück
und fristet ein einsames Dasein mit dem Hören von Klassik-Schallplatten und dem
Trinken von Whisky. Da er die Natur der Vampire verstehen will und schnell
festgestellt hat, dass Kreuze, Kugeln und Spiegel nicht zuverlässig etwas gegen
Vampire ausrichten können, unternimmt er Experimente mit den Vampiren und
untersucht ihr Blut unter einem Mikroskop…
„Vorher hatte er verbissen darauf beharrt, alle vampirischen Phänomene auf den Erreger zurückzuführen. Wenn sich einige dieser Phänomene nicht durch den Bazillus erklären ließen, versuchte er, sie als Aberglauben abzutun. Er hatte zwar auch flüchtig psychologische Erklärungen in Betracht gezogen, eine solche Möglichkeit aber nicht für sonderlich plausibel gehalten. Jetzt, losgelöst von starren Vorurteilen, sah das schon anders aus.“ (S. 162)
Bram Stokers Roman „Dracula“, der den
literarischen und filmischen Vampir erst populär machte, in Richard
Mathesons modernem Vampir-Roman zitiert wird, hebt sich „Ich bin Legende“
doch deutlich von Stokers Klassiker ab. Wo der Ire in seinem 1897
veröffentlichten Roman vor allem mythische Vorstellungen über den Vampir
verarbeitete, geht Mathesons pragmatisch veranlagter Protagonist nicht
nur sehr methodisch, sondern auch wissenschaftlich vor, was den Roman eher in
der Science-Fiction verortet als im Horror-Genre. Robert Neville wird als
intelligenter, vorsichtiger und skeptischer Militärveteran gezeichnet, der
nicht nur mit den Vampiren zu kämpfen hat, sondern vor allem mit der
Einsamkeit, weshalb die Begegnungen mit einem hinkenden Hund, zu dem er allmählich
Zutrauen zu gewinnen hofft, und einer Frau, die ebenfalls ihre Familie verloren
hat und bei Robert Unterschlupf findet, zu den eindringlichsten Momenten des sehr
kurzen, flüssig in leicht verständlicher Sprache geschriebenen Romans zählen,
der Stephen King zu seinem Roman „Brennen muss Salem“ und George
A. Romero zu seinem Zombie-Klassiker „Die Nacht der lebenden Toten“
inspiriert hat.
Im Vergleich zur letzten, längst vergriffenen Ausgabe, die Heyne
zum Filmstart von „I Am Legend“ (2007) mit Will Smith in der
Hauptrolle (zuvor waren Vincent Price und Charlton Heston in der einsamen
Hauptrolle zu sehen) fehlen die zehn Geschichten, die als Bonus-Material dem
Roman hinzugefügt wurden. Dafür überzeugt das schlichte Gesamt- und das
schmucke Seitenlayout der Festa-Ausgabe. Bleibt zu hoffen, dass Festa in
Zukunft neben den Wiederveröffentlichungen weiterer längst vergriffener Romane von
Richard Matheson auch viele der bislang hierzulande unveröffentlichten Werke
in seine „Festa Classics“-Reihe aufnimmt.

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