Dienstag, 18. Mai 2010

Clive Barker - “Galileo”

(Heyne, 911 S., Tb.)
Angefangen hatte und berühmt wurde der in Liverpool aufgewachsene Clive Barker mit seiner sechs Bände umfassenden Kurzgeschichten-Sammlung “Die Bücher des Blutes”, die ihn gleich auf den Horror-Olymp katapultierten. In den letzten Jahren sind Barkers Geschichten zum einen immer umfangreicher geworden, zum anderen haben sie mit dem blutigen Splatter-Horror seiner literarischen Frühzeit nicht mehr viel gemein. So ist sein neues, über 900 Seiten umfassendes Werk “Galileo” nur noch am Rande gerade mal der Fantasy zuzuordnen, weist ansonsten aber alle Merkmale einer opulenten Familienchronik auf, die der Erzähler Maddox Barbarossa niederzuschreiben gedenkt.
Wertvolle Unterstützung erhält er dabei von seiner Stiefmutter Cesaria, die ihm durch die Übermittlung von Visionen an den Schicksalen nicht nur der beinahe unsterblichen Familie Barbarossa teilhaben lässt, sondern auch an denen des mächtigen Clans der Gearys, mit denen die Barbarossas durch Liebe und Hass fast unzertrennlich verbunden sind. Besondere Aufmerksamkeit richtet Maddox auf das Leben der jungen Rachel, die den reichen und herrschsüchtigen Mitch Geary heiratet, sich aber bald von ihm trennt und die Arme des geheimnisvollen Seefahrers Galileo Barbarossa flieht, der eine magische Anziehungskraft auf alle Frauen der Gearys auszuüben scheint. Clive Barker erzählt diese faszinierende Verbindung zwischen den beiden auf unterschiedliche Weise mächtigen Familien mit jenem phantastischen Einfallsreichtum und ausgereiften Stil, den man von ihm seit jeher gewohnt ist, aber gerade mit seinen letzten Romanen “Stadt des Bösen” und “Das Sakrament” an fesselnder Eindringlichkeit noch gewonnen haben.

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