Sonntag, 16. November 2014

Kim Zupan – „Die rechte Hand des Teufels“

(Knaur, 331 S., Tb.)
Im Alter von über siebzig Jahren lässt sich der Auftragskiller John Gload eines Tages widerstandslos auf seinem Grund und Boden von den drei Deputys Weldon Wexler, Voyle Dobek und Valentine Millimaki festnehmen und in eine der Krankenzellen des County-Gefängnisses wegsperren, wo er auf seinen Prozess wartet. Da Wexler der dienstältere Deputy ist und dazu ein lädiertes Knie beklagt, fällt dem jungen Deputy Millimaki die Nachtschicht zu, in der er mit dem schlaflosen Gefangenen immer vertrauter ins Gespräch kommt.
Millimakis Vorgesetzter erhofft sich von den Unterredungen Hinweise auf all die verborgenen Leichen, die Gload im Laufe seiner jahrzehntelangen Karriere irgendwo hinter sich gelassen hat. Tagsüber macht sich Millimaki mit seinem Spürhund Tom auf die Suche nach Vermissten. In letzter Zeit hat er allerdings wenig Glück, die Gesuchten auch lebend vorzufinden.
„Millimaki saß im Dreck und starrte ausdruckslos auf das Grab, wie betäubt von Schlafmangel. Gload schien durchaus fähig zu sein, Güte zu zeigen, aber das war vielleicht nur eine rudimentäre Eigenschaft, wie die Schwimmhäute und die unvollständigen Gliedmaßen von Contergan-Kindern – etwas halb entwickeltes Groteskes, das ihn wegen der Erinnerung daran, wie es gewesen wäre, intakt zu sein, noch bemitleidenswerter machte. Für uns Übrige, dachte Millimaki, ist die Entfernung zwischen Vernunft und Raserei kurz, die Grenze, die das Ungeheuer bändigt, so dünn wie Pergament und genauso brüchig. Es war in jedem vorhanden, dachte er. In ihm selbst. Eine halbe Sekunde blinder Wut, und das Beil fährt herab. Er starrte den aufgewühlten Flecken Erde an, wo noch vor so kurzer Zeit ein Leichnam gelegen hatte. Ab einem bestimmten Punkt, dachte er müde, war es nur noch Fleisch.“ (S. 149f.) 
In seinem Debütroman „Die rechte Hand des Teufels“ schildert der aus Montana stammende amerikanische Autor Kim Zupan die fast freundschaftliche Beziehung zwischen einem des Lebens und des Tötens müden Auftragsmörder und einem jungen Deputy. So verschieden sie zunächst sein mögen, werden sie doch durch die Leichen verbunden, die Gload zu verantworten hat und die Millimaki zu finden hofft, aber auch durch die Frauen in ihrem Leben, die ihre eigenen Wege gehen. Gload erzählt zwar von einigen Morden aus seiner Anfangszeit als Killer, doch verwertbares Material kann Millimaki seinem Boss nicht liefern.
Zupan erweist sich in seinem Debüt als sprachgewandter Stilist, der gekonnt die Atmosphäre und die psychischen Befindlichkeiten gerade des jungen Deputys einzufangen versteht, während den alternden Gefangenen immer eine geheimnisvolle Aura umgibt, die selbst während der vertrautesten Gespräche nie aufgebrochen wird. Das einzige Manko von „Die rechte Hand des Teufels“ liegt in dem Spannungsaufbau begründet. Zupan wechselt immer wieder abrupt die Zeiten und Orte des Geschehens, ohne dass Sinn und Zweck von ganzen Abschnitten erkennbar wären.
Aber Zupan ist fraglos ein Autor, dessen Namen sich Krimidrama-Fans merken sollten, denn sein stark assoziativer Schreibstil hat auf jeden Fall ebenso hypnotische Qualitäten wie seine Fähigkeit der interessanten Figurenzeichnung.

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