Sonntag, 4. Oktober 2015

Jo Nesbø – (Blood On Snow: 1) "Der Auftrag“

(Ullstein, 187 S., Pb.)
Für vier Arten von Jobs ist der in Oslo lebende Olav nicht zu gebrauchen, wie er selbstkritisch einräumt. Demnach kann er weder Fluchtwagen fahren, noch Raubüberfälle ausüben, mit Drogen arbeiten oder mit Prostitution zu tun haben. Dafür hat er sich als Auftragsmörder einen Namen gemacht, der für den Gangster Daniel Hoffmann unliebsame Leute aus dem Weg räumt. Als Olav nach der erfolgreichen „Expedierung“ eines Mannes bei den verlassenen Lagerhäusern am Kai gleich den nächsten Auftrag von Hoffmann erhält, kommt es zu schwerwiegenden Komplikationen – denn das nächste Opfer soll ausgerechnet Hoffmanns Frau Corina sein.
Olav legt sich einige Tage gegenüber von Hoffmanns Wohnung auf die Lauer und beobachtet das schöne Objekt seines Auftrags dabei, wie es regelmäßig Besuch von einem jungen Mann bekommt, der Corina erst brutal schlägt und anschließend vergewaltigt. Olav nimmt daraufhin eine eigenständige Planänderung vor, die ihn teuer zu stehen kommt …
„Warum also war sie – die junge Ehefrau des größten Lieferanten von Ekstase – bereit, alles für eine billige Affäre mit jemandem zu riskieren, der sie noch dazu schlug?
Erst am vierten Nachmittag verstand ich es, und ich fragte mich, wieso ich so lange gebraucht hatte, um darauf zu kommen. Ihr Lover hatte etwas gegen sie in der Hand.
Etwas, womit er zu Daniel Hoffmann gehen konnte, wenn sie nicht tat, was er wollte.
Als ich am fünften Tag aufwachte, hatte ich einen Entschluss gefasst. Ich wollte auf Nebenstraßen ins Ungewisse fahren.“ (S. 36) 
Mit „Blood On Snow“ hat der norwegische Thriller-Bestseller-Autor Jo Nesbø eine neue Reihe ins Leben gerufen, die im Gegensatz zu den komplexen Fällen des Polizisten Harry Hole ebenso kurz wie prägnant und packend inszeniert sind. Im Auftakt der unzusammenhängenden Reihe um harte Männer, die folgenschwere Entscheidungen treffen müssen, erzählt Nesbø die Geschichte eines Auftragsmörders, dessen Gedanken immer wieder zu den Frauen in seinem Leben abschweifen, zu seiner Mutter, der taubstummen Maria und eben der geheimnisvollen Corina, der aber auch zusehen muss, wie er aus der kniffligen Lage, in die er sich durch seine Planänderung manövriert, heil herauskommt.
Nesbø hält sich in dem nicht mal 200 Seiten langen „Blood On Snow: Der Auftrag“ weder lang mit einer Einleitung noch mit ausführlichen Charakterisierungen auf. Das hat den Vorteil, die Handlung schnell vorantreiben und überraschende Wendungen einführen zu können, ohne auf die psychologische Stimmigkeit achtgeben zu müssen.
Leonardo DiCaprio hat sich bereits die Filmrechte an dem rasanten Stoff gesichert.
Leseprobe Jo Nesbø – „Blood On Snow: Der Auftrag“

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