Montag, 23. November 2015

Graham Masterton – „Grauer Teufel“

(Festa, 414 S., Pb.)
Jerry Maitland ist gerade zum Teilhaber bei Shockoe Immobilien befördert worden und hat mit seiner schwangeren Frau Alison ein großes, schmales Haus im historischen Church-Hill-Viertel von Richmond bezogen, als das zunächst Jerry auf unerklärliche Weise schwer verletzt wird und Alison gerade, als sie den Notruf alarmiert, mit einer Art Schwert zerstückelt wird.
Als Lieutenant Decker Martin und sein junger Kollege Hicks die Ermittlungen aufnehmen, will niemand einen Täter gesehen haben. Auch lassen sich in dem Blutbad überhaupt keine Beweise finden, weder die Tatwaffe noch Fußspuren oder Fingerabdrücke.
Allein das unter dem Downsyndrom leidende Mädchen Sandra konnte mit ihrer besonderen Gabe einen ganz in Grau gekleideten Mann in einem schweren Mantel mit Flügeln und einem Schwert sehen, von dem sie einen Tag später eine erstaunlich akkurate Zeichnung abliefert.
Wenig später häufen sich die Todesfälle, die auf scheinbar unsichtbare Täter hinweisen. Davon abgesehen gibt es keine offensichtlichen Verbindungen zwischen den Morden.
Allerdings scheint die legendäre Teufelsbrigade, die im Bürgerkrieg eine Schlacht entschieden hat, im Stammbaum der Toten eine Rolle gespielt zu haben. Und als Decker seine vor zwei Jahren verstorbene Freundin Cathy immer wieder zu sehen beginnt und dabei der Name der heiligen Barbara auftaucht, beginnt der zunächst skeptische Lieutenant auch an den Einfluss der Santería-Religion zu glauben.
„Vor seinem geistigen Auge sah Decker Cathys Kopf wieder und wieder explodieren. Die Vorstellung, dass sie diese Szene in einer Endlosschleife ertragen musste, war mehr, als er ertragen konnte. Er hatte inzwischen genug gesehen und gehört, um daran zu glauben, dass es so etwas wie ein Leben nach dem Tod tatsächlich gab. Die Geister der Verstorbenen wandelten weiterhin über die Erde, auch wenn sie sich nur in bestimmten Momenten zu erkennen gaben.“ (S. 215) 
Decker bekommt von mehreren Seiten die Warnung zu hören, dass sich die heilige Barbara an ihm rächen will, und setzt den Santero Moses Adebolu darauf an, einen Gegenzauber zu erwirken. Mittlerweile häufen sich die Anzeichen, dass Decker selbst in höchster Lebensgefahr schwebt… Nachdem die Autoren-Karriere des Briten Graham Masterton bei „Penthouse“ und mit dem Verfassen von Sex-Ratgebern begonnen hatte, ist er mittlerweile neben Clive Barker, Ramsey Campbell und James Herbert einer der bekanntesten Horror-Schriftsteller von der Insel, dessen Werke früher bei Bastei Lübbe, Goldmann und Heyne erschienen sind und der seine deutsche Verlagsheimat nun bei Festa gefunden hat.
Mit „Grauer Teufel“ ist Masterton ein thematisch vielschichtiger, atmosphärisch stimmiger und spannender Horror-Thriller klassischer Ausprägung gelungen, der Besonderheiten des amerikanischen Bürgerkriegs, der katholischen Heiligen und der aus Afrika eingeführten Santería-Religion miteinander verbindet. Dabei hat er vor allem mit Decker Martin einen starken und empathischen Protagonisten kreiert, den der Leser gleich sympathisch findet, aber auch die Nebenfiguren sind Masterton glaubwürdig gelungen. Wer Freude an einem atmosphärisch dichten Voodoo-Thriller hat, ist mit „Grauer Teufel“ bestens bedient.
Leseprobe Graham Masterton - "Grauer Teufel"

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen