Sonntag, 7. März 2010

Jack Ketchum - „Beutegier“

(Heyne, 286 S., Tb.)
1981 schuf Jack Ketchum mit „Beutezeit“ einen kompromisslosen, deftigen Horrorklassiker, der damals nur in zensierter Form erschienen ist. Auf drastische Art und Weise ließ Ketchum eine Kannibalenbande in den Wäldern von Maine am Dead River auf eine Clique von drei Pärchen los, bis die Polizei von Dead River um den alternden Sheriff George Peters ein großes Reinemachen anrichtete, bei dem die Kannibalen ebenso niedergemetzelt wurden wie die von ihnen gefangenen zivilisierten Opfer.
Elf Jahre später trauert der pensionierte Sheriff meist angetrunken seiner toten Frau nach und erinnert sich mit Grauen an die verheerende Nacht von damals, als er und seine Leute auch Unschuldige getötet haben. Als eines Abends der neue Sheriff Vic Manetti vor seiner Tür steht und ihm um seine „Expertise“ bittet, schwant Peters nichts Gutes. Tatsächlich deuten die Spuren im Haus der 36-järhigen Bedienung Loreen Ellen Kaltsas und ihrer 16-jährigen Babysitterin Nancy darauf hin, dass die ausgerottet geglaubten Kannibalen wieder zugeschlagen haben. Beiden Leichen fehlen die Arme, Beine und Herzen – vom Baby fehlt jede Spur. Doch in der Höhle, in der damals die Kannibalen hausten, fehlt jede Spur von den einstigen Bewohnern, also steht eine lange Suche bevor. Währenddessen erwarten die beiden Spieleentwickler Amy und David in ihrem Haus auf Besuch von der gemeinsamen Freundin Claire, die auf einem Haufen Schulden sitzt, den ihr betrügerischer Mann Steven ihr und ihrem gemeinsamen Sohn Luke hinterlassen hat, bevor er sich spurlos aus dem Staub gemacht hat. Doch kaum hat er die Scheidungspapiere zugestellt bekommen, macht er sich wütend auf den Weg nach Maine …
Während „Beutezeit“ sich noch auf den bestialischen Kampf zwischen einer Kannibalen-Bande und einer Gruppe von Zivilisten beschränkte, wobei am Ende beide Parteien unterschiedslos dem Aufräumkommando der Polizei zum Opfer fielen, bringt Ketchum im Sequel einen weiteren Schurken ins Spiel, der die blutige Handlung entsprechend zusätzlich würzt. Äußerst eindrucksvoll hat Jack Ketchum wieder sein Lieblingsthema – den Kampf seiner Protagonisten um ihr nacktes Überleben in offensichtlich ausweglos erscheinenden Situationen – umgesetzt: spannend von der ersten Seite bis zum fulminanten Finale, schockierend, beängstigend realistisch und einfach höllisch gut!

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen