Freitag, 5. März 2010

Jack Ketchum - „Beutezeit“

(Heyne, 285 S., Pb.)
Im September 1981 hat die Lektorin Carla an der Küste von Maine ein kleines Häuschen im Wald gemietet, wo sie nicht nur ihren wohlverdienten Urlaub verbringen, sondern auch ein Buch über den Rock’n’Roll der 50er redigieren will. Bevor ihre Schwester Marjorie mit Dan, ihr Ex Nick mit seiner neuen Freundin Laura und ihr eigener Freund, der Schauspieler Jim, zu Besuch kommen, bringt sie die Hütte noch in Schuss. Währenddessen fischt die Polizei von Dead River eine völlig zerschlagene Frau aus dem Meer. Dass ganz in der Nähe in einer Höhle unter einem Felsvorsprung eine ganze Horde Wilder haust, wird erst klar, als Carla in dem Moment, als sie und Jim ihr Wiedersehen mit einem Orgasmus feiern, plötzlich das Fenster von außen zerschlagen wird. Jim stirbt an Ort und Stelle, Carlas nackter Körper wird jedoch nach draußen gezerrt, kopfüber aufgeknüpft und ausgeweidet. Fassungslos müssen Carlas Schwester und ihre Freunde mit ansehen, wie die Wilden sich an Carla sattessen. Doch damit nicht genug. Wenig später sollen auch die anderen Bewohner der Hütte dran glauben.
 Mit nur einer Kanone, einer Sense und einem Schürhaken bewaffnet, sehen die Chancen allerdings schlecht aus, den Überfall zu überleben. Als die Polizei um den dienstmüden Sheriff George Peters endlich begreift, was in den Wäldern dort vor sich geht, ist das Massaker schon in vollem Gange …
Mit seinem ersten Roman schuf Jack Ketchum 1981 gleich einen modernen Klassiker des Horror-Genres, der zunächst nur stark zensiert veröffentlicht werden konnte. 1989 konnte Ketchum sein Romandebüt endlich so herausbringen, wie es ihm eigentlich vorschwebte. Tatsächlich ist „Beutezeit“ nichts für schwache Gemüter. Mit der Konfrontation zwischen der Zivilisation und den Wilden lässt der Autor zwei in sich abgeschlossene, gänzlich verschiedene Gesellschaftsformen aufeinandertreffen und spielt auf unorthodoxe Weise mit den Konventionen des Genres. Sex, der Hunger nach Menschenfleisch und schließlich der pure Überlebenswille sind die treibenden Kräfte in „Beutezeit“, doch das klassische Happy End darf der Leser nicht erwarten. Was den packenden, mit allerlei furchterregenden Details geschmückten Roman noch abrundet, sind das Vorwort von Horror-Experte Douglas E. Winter und das Nachwort des Autors zur Entstehung und Metamorphose des Romans.

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