Samstag, 25. September 2010

David Benioff - „Alles auf Anfang“

(Blessing, 269 S., HC)
Eigentlich ist der 1970 geborene Autor David Benioff im Kino zuhause, adaptierte Khaled Hosseinis „Drachenläufer“ für die große Leinwand und schrieb die Drehbücher zu „Troja“, „Stay“, „Brothers“ und „X-Men: Wolverine“. Bereits sein Debütroman „25 Stunden“ aus dem Jahre 2000 wurde verfilmt, mit dem Nachfolger „Stadt der Diebe“ etablierte sich Benioff als literarische Größe. Seine besondere Affinität zu bewegten Bildern kann kaum überraschen, denn auch die in seinem aktuellen Buch „Alles auf Anfang“ zusammengestellten Geschichten gefallen durch ihre sehr bildhafte Sprache und lebendige, interessante Figuren in außergewöhnlichen Situationen.
In der eröffnenden Titelgeschichte wird die Sängerin Molly Minx aus SadJoes Punk-Band von dem A&R-Manager Tabachnik umworben, in Los Angeles Karriere zu machen. Tatsächlich unterschreibt sie einen Vertrag, zieht mit ihrem Manager von New York nach L.A., rechnet aber nicht damit, dass SadJoe plötzlich bei ihr auftaucht.
In „Zersetzung“ beschreibt der Ich-Erzähler, wie er zur Erheiterung seiner Nachbarn einen unterirdischen Betonbunker einrichtete, in dem er nun auf einem 1468er Computer seine Erinnerungen und Gedanken niederschreibt, während alle anderen bereits zu Staub zerfallen sind. Doch eines Tages wird dieser von einem Virus befallen …
Der jungen Schauspielerin June wird in „Zeit der Absagen“ stets zum Verhängnis, dass sie Cassie Whitelaw, dem Star der Krankenhausserie „St. James Infarmery“, so ähnlich sieht. Erst als die Serie überraschend abgesetzt wird, erhält June ihre Chance. In der vielleicht traurigsten Story "Merde bringt Glück" erzählt der Maler Alexander, wie er zu einer Party eingeladen wurde, auf der er den nackten Tänzer Hector kennen- und lieben lernte. Als beide an AIDS erkranken, scheint nur noch eine nicht erprobte Therapie zu helfen … Allen Geschichten ist gemeinsam, dass David Benioff seine Figuren zwar oft als Außenseiter beschreibt, ihren wendungsreichen Weg aber stets mit unverhohlener Sympathie begleitet. Selten siegt dabei die Vernunft. Benioffs Figuren wagen oft das Unerwartete, Riskante, Verrückte, versuchen mit entwaffnender Naivität ihre Träume zu leben. Benioffs (Anti-)Helden strahlen so viel warmherzige Lebensfreude und Zuversicht aus, dass es eine Freude ist, sie auf ihren verrückten Abenteuern zu begleiten.

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