Donnerstag, 3. März 2011

Cody McFadyen – „Der Menschenmacher“

(Lübbe, 605 S., HC)
Ein halbes Jahr nachdem David Rhodes seine alleinerziehende Mutter durch einen Autounfall verloren hatte, wurde er der sechsjährige Junge von einem Mann namens Robert Gray adoptiert, ebenso wie die fast gleichaltrigen Charlie Carter und Allison. Nahezu zehn Jahre lang wurden die drei Kinder von ihrem Ziehvater auf jede erdenkliche Art misshandelt, gequält, im dunklen Keller weggesperrt. Jede nicht erfüllte Anforderung, die dazu dienen sollte, die Kinder in ein höheres Dasein zu „evolvieren“, wurde bitter bestraft.
Doch eines Tages konnten die Kinder ihrem Gefängnis entkommen und ihren Peiniger töten. Seither hat jeder auf seine eigene Weise alles daran gesetzt, sein Leben dem Kampf gegen Kinderpornographie und Kinderprostitution zu widmen. David wurde Schriftsteller und erreichte bereits mit seinem ersten Thriller einen internationalen Bestseller. Seine Fähigkeit, die Menschen mit seinen Worten zu fesseln, kam seiner Stiftung Innocence Foundation zugute, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern in Not zu helfen, Kinderpornographieringe auszuheben und Menschenhändlerbanden auffliegen zu lassen. Charlie hat sich zu einem Elitesoldaten ausbilden lassen und übernimmt den schmutzigen Teil der Aufgabe. Mit dem Wissen, wie ihre Brüder gegen die Grausamkeit Kindern gegenüber vorgingen, konnte Allison jedoch nicht mehr ihren Dienst beim FBI ausüben. Doch nach zwanzig Jahren werden die drei Adoptivgeschwister mit ihrer grausamen Vergangenheit konfrontiert. Eine Videobotschaft an jeden von ihnen und Geiselnahmen machen deutlich, dass das Böse aus ihrer Vergangenheit offensichtlich noch nicht vollständig ausgemerzt worden ist. Wenn sie nicht binnen 36 Stunden eine bestimmte Ärztin, die Abtreibungen vornimmt, töten, müssen auch die ihnen nahestehenden Geiseln dran glauben. David, Charlie und Allison machen sich auf eine erschreckende Odyssee in ihre alte Heimat und stoßen auf entsetzliche Hintergründe:
„Wir wissen, dass Bob, als Kind selbst misshandelt wurde. Er wurde von seiner Mutter gequält. Sein Vater war Prediger und starb wahrscheinlich schon, als Bob noch ein kleiner Junge war. Nach allem, was wir wissen, war der Vater ein ultra-fanatischer religiöser Eiferer. Ein christlicher Fundamentalist sozusagen. Wir wissen außerdem, dass Bob noch kein Killer war, bevor er nach Vietnam ging, aber er war mit Sicherheit einer, als er zurückkam. Er kannte kaum noch Grenzen. Er war ein abgebrühter, brutaler Psychopath, lange bevor er uns drei adoptiert hat.“ (S. 426)
Nach vier Bestsellern um die psychisch wie physisch mit Narben übersäte Polizistin Smoky Barrett hat Cody McFadyen mit seinem neuen Roman „The Innocent Bone“, der etwas arg reißerisch als „Der Menschenmacher“ ins Deutsche übertragen wurde, einen kleinen Exkurs unternommen und sich eines brisanten wie schrecklichen Themas angenommen. Zwar bemüht er die üblichen Erklärungen von religiösem Fanatismus, Brutalität in der Erziehung und philosophische Verwirrungen, um das kaum vorstellbare Grauen zu erklären, dass nicht nur die drei Adoptivgeschwister, sondern auch ihre Angehörigen erleiden müssen, aber McFadyen schildert ihre schreckliche Geschichte sehr überzeugend, psychologisch nachvollziehbar und letztlich auch spannend, um „Der Menschenmacher“ in einem furiosen Finale münden zu lassen, das es wirklich in sich hat.
Lesen Sie im Buch: Mcfadyen, Cody - Der Menschenmacher

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