Sonntag, 23. Oktober 2016

James Lee Burke – (Dave Robicheaux: 2) „Blut in den Bayous“

(Pendragon, 456 S., Pb./Edel:eBooks, 309 S., eBook)
Nachdem Dave Robicheaux seine Polizistenkarriere in New Orleans an den Nagel gehängt hat, verkauft er im Bayou südlich von New Iberia Fischköder und verleiht Boote, doch die Lust auf die Jagd nach Verbrechern ist ihm noch nicht vergangen. Als er und seine Frau Annie zum Krabbenfischen mit ihrem Boot zwischen den Pecan und Marsh Islands unterwegs sind, stürzt ein zweimotoriges Flugzeug in den Fluss. Robicheaux kann nur ein kleines Mädchen retten, alle anderen Insassen sind bei dem Unfall ums Leben gekommen.
Wie sich später herausstellt, war einer der Passagiere Johnny Dartez, der als Drogenkurier für Bubba Rocque tätig gewesen ist. Allerdings ist seine Leiche wenig später verschwunden und taucht in den offiziellen Berichten nicht auf. Robicheaux vermutet, dass die Einwanderungsbehörde ihre Finger in der Sache hat. Kaum nimmt der Ex-Cop eigene Ermittlungen auf, bekommt er Besuch von einem weiteren Typen, der mit Bubba Rocque Geschäfte macht, Eddie Keats, und einem Haitianer namens Toot, der Robicheaux ordentlich zusetzt. Doch eines Tages gehen Bubbas Schurken zu weit, und Robicheaux kehrt in den Polizeidienst zurück.
„Ich hatte von der Polizei in New Orleans meinen Abschied genommen, ich, der von Bourbonduft umhauchte edle Ritter, der von sich behauptet hatte, er könne die Heuchelei der Politiker und die enthemmte, brutale Hässlichkeit des Polizeidienstes in einer Großstadt nicht länger ertragen. Doch die schlichte Wahrheit war, dass ich Spaß daran hatte, dass mich mein Wissen um die Unzulänglichkeit der Menschen in einen gehobenen Zustand versetzte, dass ich die Langeweile und Berechenbarkeit der normalen Welt genauso verachtete, wie mein unheimlicher alkoholischer Stoffwechsel den Adrenalinstoß der Gefahr liebte … (S. 224f.) 
Zwar ist Robicheaux bei seinen weiteren Ermittlungen nun an die offiziellen Vorschriften gebunden, doch seine Gefühle gegenüber den mutmaßlichen Mördern lassen sich davon kaum beeinflussen. Immer wieder muss er sein wildes Temperament zügeln, um sich nicht zu dummen Provokationen hinreißen zu lassen …
Mit seinem zweiten Band um Dave Robicheaux, den ehemaligen Kripobeamtem und Ex-Alkoholiker aus New Orleans, hat James Lee Burke bereits seine Meisterschaft als Autor stimmungsvoller Kriminalliteratur untermauert. Sein Protagonist Dave Robicheaux ist ein charismatischer Antiheld, der in seinem Alltag immer wieder mit seinen eigenen tief in ihm sitzenden Dämonen zu kämpfen hat und bei seinem Bemühen, für Gerechtigkeit zu sorgen, gern die Grenzen des Gesetzes zu seinen Gunsten auslotet. Das sorgt ebenso für regelmäßige Gewissensbisse, Komplikationen mit den Frauen, mit denen er zu tun hat, und Zurechtweisungen durch Vorgesetzte und Gauner, die dem eigensinnigen Cop auch mal die Stirn bieten.
„Mississippi Delta“ wurde 1996 von Phil Joanou mit Alec Baldwin, Eric Roberts, Mary Stuart Masterson und Kelly Lynch in den Hauptrollen verfilmt und machte Hollywood auf einen bemerkenswerten Autor aufmerksam, der bis heute immer wieder mal Vorlagen für starke Südstaaten-Thriller bietet (zuletzt „In The Electric Mist“ mit Tommy Lee Jones).
Die Romanvorlage fasziniert mit ambivalent angelegten Figuren, einem emotional aufgeladenen Plot und einem furiosen Finale, das Lust auf die nächsten Robicheaux-Fälle macht.
Nachdem der zweite Robicheaux-Band lange Zeit vergriffen und in letzter Zeit nur als eBook unter dem Titel „Mississippi Delta – Blut in den Bayous“ erhältlich gewesen war, hat der Pendragon-Verlag in seinem ehrenwerten Engagement, die Reihe wieder in gedruckter Form wiederzuveröffentlichen, auch „Blut in den Bayous“ leicht überarbeitet und mit einem Nachwort zur Verfilmung ergänzt.
Leseprobe James Lee Burke - "Mississippi Delta - Blut in den Bayous"

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