Sonntag, 3. Januar 2016

Shane Kuhn – „Töte deinen Chef“

(DuMont, 319 S., Tb.)
Nachdem Vollwaise John Lago bereits im zarten Alter von acht Jahren seine mit Drogen handelnden Pflegeeltern Mickey und Mallory mit Plastiktüten über dem Kopf erstickt hatte und in den Jugendknast gewandert war, wurde Bob, Geschäftsführer von Human Ressources Inc., auf den Jungen aufmerksam und bildete ihn zum Auftragskiller aus. Mittlerweile ist John 25 und damit für seine Branche im besten Rentenalter. Bevor er seine siebenstellige Rentenprämie kassiert und all das seit der Pubertät angesparte Geld ausgeben kann, hat Bob noch einen letzten, allerdings ungewöhnlich kniffligen Auftrag für ihn: Während die Dossiers zu seinen Aufträgen normalerweise das Profil der Zielperson, ihre Feinde und Schwäche sowie Lagepläne beinhalten, muss John die Zielperson erst einmal selbst ausfindig machen, nämlich einen der drei Geschäftsführer der berühmten New Yorker Anwaltskanzlei Bendini, Lambert & Locke.
Um denjenigen zu identifizieren, der die Liste der im Zeugenschutzprogramm des FBI befindlichen Personen meistbietend verkauft hat, wird John wie üblich als Praktikant in die Kanzlei eingeschleust. Da Praktikanten bei guter Eignung Zugang zu wichtigen Bereichen und Informationen bekommen, sich aber niemand an sie erinnert, stellt es die perfekte Tarnung für Johns Profession dar.
Tatsächlich gelingt es John, mit Fleiß und perfekter Kaffeezubereitung, in den inneren Zirkel der Kanzlei vorzustoßen und erhält dabei Unterstützung von der routinierten Praktikantin Alice, die kurz davor steht, eine der begehrten Festanstellungen zu erhalten.
Doch als John erfährt, dass Alice eine FBI-Agentin ist, in die er sich auch noch zu verlieben beginnt, gestaltet sich die Ausübung seines Auftrags zunehmend schwieriger …
„Wenn ihr diesen Beruf ergreift, dann versucht erst gar nicht, euch zu rechtfertigen. Ihr seid die Bösen, das ist eure Rolle. Ohne euch gäbe es keine Bezugsgröße für die Beurteilung der Guten. Wir sind das Yin. Die Zivilisten das Yang. Wenn ihr euch auf eure Rolle konzentriert und nicht von der Lebenswirklichkeit anderer beeinflussen lasst, werdet ihr bis ins Rentenalter von fünfundzwanzig Jahren überleben. Vielleicht bleibt euch eine Kugel im Kopf erspart, aber eure Seele werdet ihr nicht retten können.“ (S. 78) 
Mit „Töte deinen Chef“ legt der ehemalige Werbetexter und Creative Director Shane Kuhn seinen ersten Roman vor, der als „Leitfaden für Praktikanten“ aus der Perspektive des Hitmans John Lago aufgezogen ist. Der Plot ist zwar an konventionelle Auftragskiller-Geschichten angelehnt (bevor der Killer aus dem Geschäft aussteigen kann, muss er noch einen letzten Job erledigen, der natürlich viel komplizierter ist als alle anderen davor), stellt sich mit seiner durchgängigen humorvollen Sprache aber weniger als Thriller denn als Thriller-Komödie dar.
Die Ich-Erzählung wird dabei immer wieder von Abhörprotokollen des FBI aufgelockert, das offensichtlich auch ein Auge auf John Lagos Aktivitäten geworfen hat.
Shane Kuhn, der mittlerweile aus Drehbuchautor („The Scorpion King 3 - Kampf um den Thron“, „Dead In Tombstone“) und Regisseur tätig ist, gelingt es, seine wendungsreiche Story mit makabren Humor, rasanten Tempo und einer Portion unorthodoxer Romantik zu würzen und somit für ein kurzweiliges, durchaus filmreifes Lesevergnügen zu sorgen.
Leseprobe Shane Kuhn - "Töte deinen Chef"

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