Sonntag, 19. Juni 2016

Jason Starr – „Brooklyn Brothers“

(Diogenes, 454 S., Tb.)
Der aus Carnasie in Brooklyn stammende Baseball-Star Jake Thomas ist bereits seit sechs Jahren mit seiner Highschool-Liebe Christina verlobt, hat sie seit dem steilen Auftrieb seiner Karriere in Pittsburgh aber kaum noch gesehen. Nachdem er mittlerweile auch die Vorzüge anderer Frauen kennenlernen durfte, die sich dem Sunnyboy bei jeder Gelegenheit an den Hals schmissen, war er eigentlich schon mit dem Gedanken dabei, die Verlobung mit der noch bei ihren Eltern lebende Zahnarzthelferin zu lösen.
Doch nun scheint ihm die vierzehnjährige Mexikanerin Marianna Fernandez einen Strich durch die Rechnung zu machen, die er in San Diego kennengelernt hatte und deren Eltern Jake nun der Unzucht mit einer Minderjährigen beschuldigen.
Um für gute Presse zu sorgen, kehrt Jake zu einem angekündigten Besuch nach Brooklyn zurück, um den Hochzeitstermin mit Christina bekanntzumachen.
„Er hatte die richtige Entscheidung getroffen. Bei allen anderen würde er nie wissen, ob sie nicht nur wegen seines Geldes und seines Ruhms mit ihm zusammen waren, weil er Jake Thomas war. Christina hatte ihn bereits geliebt, bevor er Jake Thomas war, zumindest bevor der Name irgendetwas bedeutete. Selbstverständlich würde er sie einen Ehevertrag unterschreiben lassen, sicher ist sicher, aber es tat gut zu wissen, dass sie ihn wirklich liebte.“ (S. 77) 
Darüber ist sein alter Baseball-Kumpel Ryan Rossetti alles andere als erfreut. Wegen einer Verletzung musste er seine Karriere aufgeben und schlägt sich nun als Maler durchs Leben, träumt aber davon, mit Christina ein neues Leben anzufangen. Christina befindet sich nach Jakes Rückkehr zwischen den Fronten und wird auch von ihrem nichtsnutzigen Vater bekniet, Jake zu heiraten, damit sie beide ein besseres Leben führen können.
Aus der einstigen Freundschaft zwischen Jake und Ryan ist eine erbitterte Rivalität geworden, die sich im Ringen um Christinas Gunst zuspitzt. Als direkt vor Jakes Haustür ein Mann erschossen wird, geraten die Dinge zunehmend außer Kontrolle …
Der aus Brooklyn stammende Erfolgsautor Jason Starr („Hard Feelings“, „Twisted City“) weiß, wovon er in „Brooklyn Brothers“ schreibt. Zumindest die Milieuschilderungen der Unterschicht, die in schlecht bezahlten Jobs malochen, um die Miete und den Unterhalt für das klapprige Auto bezahlen zu können, die Drogen konsumieren, um dem Elend für eine Weile zu entfliehen, und vor Gewalt nicht zurückschrecken, um ihre Sucht finanzieren zu können, sind Starr in seinem 2006 erschienenen Roman „Lights Out“ – so der Originaltitel – durchaus gut gelungen.
Weniger überzeugend ist dagegen die Dreiecks-Love-Story zwischen den besten Highschool-Freunden und Christina ausgearbeitet. Das liegt vor allem an der überzogen stereotyp gezeichneten Figur des Baseball-Stars, der mit seinem Geld und Status glaubt, sich alles erlauben zu können, der seinen Agenten, seinen Anwalt und seine Mitmenschen wie Dreck behandelt und einzig daran interessiert ist, bei möglichst vielen Frauen zu landen und alle möglichen Privilegien in Anspruch nehmen zu können.
Auch Christina ist mit ihren wechselhaften Gefühlen nicht sehr differenziert charakterisiert, während Ryan in jeder Hinsicht der große Verlierer ist. Um ein wenig Pep in die arg konstruierte Story zu bringen, streut Starr noch Familientragödien, Auftragsmorde, vorzeitige Samenergüsse, im Alkoholrausch begangene Sünden und Schlägereien ins Spiel, was den Unterhaltungswert des Romans zwar steigert, ihn aber nicht besser macht. Da sind die Leser des New Yorker Schriftstellers Besseres gewohnt.
Leseprobe Jason Starr - "Brooklyn Brothers"

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