Samstag, 4. Juni 2016

Fabio Volo – „Der Weg nach Hause“

(Diogenes, 410 S., Pb.)
Im Gegensatz zu seinem drei Jahre älteren, so viel vernünftigeren Bruder Andrea ist Marco schon zu Jugendzeiten immer wieder in Schwierigkeiten geraten und wurde sogar einmal in Handschellen von einem Polizisten abgeführt, nachdem er das Auto eines Nachbarn demolierte, als sich dieser geweigert hatte, die Alarmanlage des Wagens abzustellen.
Die enge Beziehungen zwischen den Brüdern, die in ihrer Kindheit noch Bestand hatte, löste sich auf, Marco eröffnete in London ein Restaurant und schleppt nach wie vor am liebsten ausgewählte Kundinnen ab, während Andrea nach seinem Studium in einem Ingenieursbüro arbeitet und seit zwölf Jahren mit Daniela verheiratet ist. Als ihr Vater ins Krankenhaus kommt und nach seiner Entlassung wegen seiner fortschreitenden Demenz auf Pflege angewiesen ist, kehrt Marco nach einem Jahr wieder nach Hause zurück und betreut mit Andrea den Vater in dessen Wohnung.
Andrea und Marco kommen sich zwangsläufig wieder näher, geraten aber auch immer wieder aneinander. Während Andreas Ehe unvermittelt vor dem Aus steht, trifft Marco seine erste Liebe Isabella wieder. In ihrem Elternhaus erinnern sie sich an ihre Kindheit, an die Frauen in ihrem Leben, an die viel zu früh verstorbene Mutter und philosophieren über die Liebe, das Leben, den Tod.
„Ein Mensch ist, was er ist, was bleibt und was verschwindet. Und eine Menge andere Dinge, die seine Welt ausmachen, ihn auf Trab halten und eines Tages mit einem Klick nicht mehr da sind. Und wenn er gut war, hat er irgendetwas, ein winziges Stück von sich selbst an die weitergegeben, die bleiben.“ (S. 339) 
Fabio Volo hat bereits mit seinen früheren Romanen „Lust auf dich“, „Einfach losfahren“, „Noch ein Tag und eine Nacht“ und „Zeit für mich und Zeit für dich“ wunderbare Bücher über Freundschaften, die Liebe und vor allem das Leben geschrieben. Im Gegensatz zu Paulo Coelho, der ähnlich elementare Themen stets spirituell überhöht moralisiert, erzählt der italienische Autor eher leichtfüßig und lässt seine sympathischen Protagonisten unverhofft schon mal in mittelschwere Krisen stürzen, doch bei allen Rückschlägen, die sie bei der Bewältigung ihrer Probleme verarbeiten müssen, finden sie auch neue Wege, mit ihrem Leben und ihren Gefühlen umzugehen.
In Volos neuen Roman „Der Weg nach Hause“ werden die beiden unterschiedlichen Brüder Andrea und Marco durch die Krankheit ihres Vaters wieder zusammengeführt und erhalten durch die Spiegelung in den Gesprächen miteinander neue Sichtweisen auf ihr eigenes Leben und finden so allen unterschiedlichen Ansichten zum Trotz wieder zu einer einander wertschätzenden Beziehung. Dabei bedient sich Volo wie gewohnt einer leichten Sprache, die wunderbar die Waage hält zwischen humorvollen Tönen und tiefgründigem Ernst.
Leseprobe Fabio Volo - "Der Weg nach Hause"

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