Donnerstag, 1. September 2016

Linwood Barclay – (Promise Falls: 1) "Lügennest“

(Knaur, 503 S., Pb.)
Nach dem Tod seiner Frau Jan vor fünf Jahren kündigte der Reporter David Harwood seinen Job bei dem Promise Falls Standard und zog mit seinem Sohn Ethan nach Boston, wo er allerdings wegen seiner Arbeitszeiten beim Boston Globe kaum Zeit für seinen Sohn aufbringen konnte. Deshalb ist David mit dem nun neunjährigen Ethan in sein Elternhaus zurückgekehrt und hat wieder bei seiner alten Zeitung zu arbeiten begonnen. Allerdings bekommt er schon am ersten Arbeitstag von der Herausgeberin zu hören, dass der Standard eingestellt wird. Doch das ist nur der Anfang einer Reihe von merkwürdigen bis erschreckenden Ereignissen, die die Kleinstadt heimsuchen. Zunächst muss David beim Besuch seiner Cousine Marla Pickens feststellen, dass sie plötzlich zu einem Kind gekommen ist, das ihr – so ihre Aussage – ein Engel in die Arme gelegt hat.
Vor neun Monaten verlor Marla ihr eigenes Kind bei der Geburt, dann ist sie auffällig geworden, als sie aus dem Krankenhaus, das ihre Tante Agnes leitet, ein fremdes Kind mitnehmen wollte. Als David den Jungen zur eigentlichen Familie zurückbringen will, findet er Mrs. Gaynor tot in ihrem Haus vor. Da ihr Mann in Boston bei einer Konferenz gewesen ist und über ein Alibi verfügt, wird Marla verdächtigt, Rosemary Gaynor getötet und Matthew entführt zu haben.
Doch Detective Barry Duckworth stößt bei seinen Ermittlungen bald auf Ungereimtheiten. Zudem hat er mit Überfällen auf Frauen auf dem Campus des Thackaray Campus zu tun, mit 23 auf einer Schnur aufgehängten toten Eichhörnchen und einem Riesenrad auf dem stillgelegten Ferienpark, das von unbekannter Hand in Gang gesetzt worden ist und in dessen Kabine mit der Nummer 23 drei Puppen platziert wurden. David setzt alles daran, Marlas Unschuld zu beweisen, und macht sich auf die Suche nach dem Kindermädchen der Gaynors, das plötzlich spurlos verschwunden ist.
„Der Mörder hätte einfach verschwinden können. Das Baby wäre zu guter Letzt gefunden worden. Aber nein. Der Mörder – oder sonst jemand – will das Baby in die Obhut von jemandem geben. Warum in die von Marla?
In Promise Falls gab es genügend Menschen, bei denen Matthew hätte abgegeben werden können, warum ausgerechnet bei Marla? Die genau am anderen Ende der Stadt wohnt. Und die bereits – wenn auch nur einmal – als Kindesentführerin auffällig geworden war.“ (S. 231) 
Tatsächlich kommen David und der Detective allmählich einem vertrackten Komplott auf die Spur, in die ganz prominente Persönlichkeiten der Stadt verwickelt sind.
Linwood Barclay, der 2007 mit seinem Debütroman „Ohne ein Wort“ gleich einen internationalen Bestseller veröffentlicht hat, gibt mit „Lügennest“ den Startschuss einer vielversprechend startenden Trilogie. Im Mittelpunkt des dramaturgisch geschickt konstruierten Thrillers steht der sympathische Ich-Erzähler David Harwood, der seiner Familie zuliebe in seine Heimatstadt zurückkehrt und sofort mit einer Reihe von Problemen konfrontiert wird, von denen das Fehlen eines Jobs und einer eigenen Wohnung noch die geringsten sind. Nachdem er ausführlich seine eigene Geschichte geschildert hat, werden auch die weiteren Protagonisten eingeführt, ohne allerdings allzu viel von ihnen preiszugeben. Einzig Marlas bedauerliches Schicksal erhält etwas mehr Raum, schließlich ist sie auch die Hauptverdächtige.
Auch wenn der Mord an Rosemary Gaynor und die Frage, wie Marla an deren Sohn gekommen ist, im Zentrum von „Lügennest“ steht, werden auch die Nebenhandlungen immer wieder aufgegriffen, ohne am Ende aufgelöst zu werden. Schließlich stehen mit „Lügennacht“ (Dezember 2016) und „Lügenfalle“ (April 2017) noch zwei Folgebände an.  
Barclay gelingt es sehr überzeugend, einzelne Facetten der geheimnisvollen Vorgänge in Promise Falls zu enthüllen, aber noch sehr viele offene Fragen, gerade um Figuren wie Bürgermeisterkandidat Randall Finley, ungeklärt zu lassen, so dass man mit Spannung die Fortsetzungen erwartet.
Leseprobe Linwood Barclay - "Promise Falls I: Lügennest"

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