Sonntag, 14. Juni 2009

Richard David Precht - „Die Kosmonauten“

(Kiepenheuer & Witsch, 384 S., HC)
1990 ist ein denkwürdiges Jahr. Im Weltraum dreht der letzte sowjetische Kosmonaut, Sergej Krikaljow, einsam seine Runden. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in ihre Kleinstteile und der Inflation ist kein Geld mehr vorhanden, die Mir auf die Erde zurückkehren zu lassen. Dreiundfünfzig Kilometer unter ihm sieht es auf seinem Heimatplaneten auch nicht viel besser aus. In Deutschland herrscht nach Mauerfall und Wiedervereinigung eine ganz eigene Stimmung, in der sich eines Tages Georg und Rosalie über den Weg laufen.

Georg hatte seinen unbefriedigenden Bürojob gekündigt und wartet in Köln an der Haltestelle auf die S-Bahn. Rosalie erblickt den Fremden und lächelt ihn an, was sie selbst am meisten erstaunt. Sie nehmen die gleiche Bahn, kommen ins Gespräch, steigen am Kölner Dom aus, gehen ins Museum und stellen schnell fest, wie viele Gemeinsamkeiten sie doch haben. Georg will nach Berlin gehen, ein anderes Leben leben. Rosalie kommt einfach mit, nachdem sie sich von ihrem Freund getrennt hat. Das glückliche Paar nimmt sich eine sanierungsbedürftige Wohnung im Osten Berlins, lernt nette Leute wie das Künstlerpärchen Franziska und Edgar kennen, den Hotelbesitzer Leonhard, aber mit dem Alltag kehrt bald Tristesse in die anfangs so aufregende Beziehung ein. Rosalie lernt bald einen anderen kennen... Precht schildert im poetischen, bilderreichen wie rasanten Stil das Auf und Ab einer ganz besonderen, irgendwie aber alltäglichen Beziehung mit all ihren Schmetterlingsträumen und trüben Alltagsproblemen. Das macht den Roman so sympathisch.

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