Dienstag, 6. März 2018

John Katzenbach – „Der Reporter“

(Knaur, 427 S., Tb.)
Ein Jahr nach Richard Nixons Abdankung erschüttert der brutale Mord an der allseits beliebten 16-jährigen Cheerleaderin Amy ausgerechnet am Unabhängigkeitstag Miami. Malcolm Anderson, der als Polizeireporter beim „Journal“ gute Beziehungen zum Morddezernat unterhält, ist mit dem Fotografen Andrew Porter als erster Pressevertreter am Tatort und sorgt mit seiner exklusiven Titelstory für Angst und Unbehagen in der Bevölkerung. Denn als sich der Killer telefonisch bei Anderson meldet, gibt er zu, ein völlig unschuldiges Opfer ausgewählt zu haben, dem weitere ebenso beliebige folgen werden. Wenig später wird ein altes Ehepaar ebenfalls tot in seiner Wohnung aufgefunden, wie das Mädchen an den Händen gefesselt und mit einer großkalibrigen Waffe erschossen.
Die Angst, die die Stadt großflächig erfasst, macht auch vor dem Reporter und seiner Freundin, der Krankenschwester Christine, nicht halt, schließlich ruft der offensichtlich psychotische Killer Anderson auch zuhause an und erzählt ihm ausführlich von seinen traumatischen Kriegserlebnissen in Vietnam und der Beziehung zu seiner verführerischen Mutter und dem strengen Vater. Auf einmal machte sich der erschütternde Gedanke breit, dass der Täter nicht nur seinen perversen Sexualtrieb befriedigen will, sondern es auf jeden beliebigen Menschen absehen könnte.
Trotz der vielen Hinweise, die der redegewandte Mörder Anderson auf seine Identität gibt, gelingt es der Polizei nicht, eine Spur zu finden. Das mörderische Treiben sichert dem „Journal“ prächtige Auflagen, während die Detectives Wilson und Martinez weiterhin im Dunkeln tappen.
„Je mehr ich mir die Stimme und den Tonfall des Killers vergegenwärtigte, seine Erinnerungen, seine Ichbezogenheit, seine Arroganz, desto mehr verlagerte sich meine Loyalität vom Mörder zur Polizei. Doch statt darüber erleichtert zu sein, hatte ich ein mulmiges Gefühl, ohne dass ich sagen konnte, warum.“ (S. 219) 
Bereits mit seinem Roman-Debüt „In the Heat of the Summer“ aus dem Jahre 1982 avancierte der ehemalige Gerichtsreporter John Katzenbach zum Thriller-Star. Schließlich wurde sein Debüt 1985 mit Kurt Russell in der Hauptrolle als „Das mörderische Paradies“ erfolgreich verfilmt, drei Jahre später erschien bei Bastei Lübbe die gleichnamige deutsche Erstausgabe, die nun als „Der Reporter“ in völlig neu bearbeiteter Ausgabe bei Knaur wiederveröffentlicht worden ist.
Dabei beweist der Sohn einer Psychoanalytikerin und des früheren US-Justizministers Nicholas Katzenbach viel Gespür für die Materie. Sowohl die Abläufe der polizeilichen Ermittlungsarbeit als auch die psychologischen Profilanalysen des Killers wirken absolut plausibel, zumindest die Haupt-Charaktere sind dazu gut gezeichnet.  
Katzenbach beschreibt nicht nur, was die erschreckend beliebigen Tötungsdelikte im Mikrokosmos der Beziehung von Ich-Erzähler Malcolm Anderson und seiner attraktiven und empathischen Freundin Christine anrichten, sondern wie verunsichert sowohl die Medien als auch die Bevölkerung mit dem Umstand umgehen, dass da draußen ein anonymer Killer herumläuft, der seine Geschichte in den Medien präsent haben will. Dabei thematisiert der Autor sowohl das Recht des Amerikaners auf den Besitz einer Waffe als auch die Verantwortung der Medien, die offenbar keine andere Möglichkeit sehen, als an der Story dranzubleiben. All dies verwebt Katzenbach zu einem gnadenlos packenden Thriller, der den Leser bis zum wendungsreichen Finale in Atem hält.
Leseprobe John Katzenbach - "Der Reporter"

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