Sonntag, 2. Januar 2011

Daniel Silva – „Der Zeuge“

(Piper, 416 S., HC)
In einem unscheinbaren Gebäude in Wien residiert der ehemalige israelische Geheimdienstler Eli Lavon, wo er nun – unter der Obhut seines Mentors Ari Schamron - die Organisation für Ansprüche und Ermittlungen wegen Kriegsschäden leitet. Auf dem Weg nach draußen nimmt er gerade noch eine verdächtige Person vor dem Gebäude wahr, dann legt eine Detonation alles in Trümmern. Als der israelische Agent Gabriel Adlon davon in Venedig erfährt, wo er in einer Kirche ein Altarbild von Giovanni Bellini restauriert, reist er sofort nach Wien, um den im Koma liegenden Eli im Krankenhaus zu besuchen. Dort wird Gabriel von Max Klein angesprochen, der behauptet, schuld an dem Attentat zu sein. Er erzählt ihm seine Geschichte, wie die Juden aus Österreich vertrieben wurden, wie er selbst Auschwitz überlebt hat und nach Wien zurückkehren konnte.
In einem Café trifft er auf einen Mann namens Vogel, dessen Stimme Klein sofort als diejenige identifiziert, die ihm in Auschwitz befohlen hat, Geige zu spielen. Als Klein Lavon von dem Vorfall berichtet, verabreden sich die beiden Männer für den nächsten Tag, doch die Bombenexplosion verhindert das Treffen. Adlon erfährt von Klein noch einen weiteren Namen, dann wird auch Klein ermordet. Offensichtlich handelt es sich bei Ludwig Vogel um einen erfolgreichen österreichischen Geschäftsmann, der zudem einer der größten Geldgeber der Österreichischen Nationalpartei ist. Offensichtlich verbirgt sich hinter Vogel der Sturmbannführer Erich Radek, der für eine ungeheure Vertuschungsaktion verantwortlich gewesen ist. Bei seinen Recherchen, die Adlon immer tiefer in die Schrecken des Holocaust hineinziehen, stößt er auch auf einen Bericht seiner verstorbenen Mutter. Nun wird die Jagd auf Radek zu Adlons persönlicher Vendetta, die ihn nach Jerusalem, Rom und Argentinien führt …
Mit „Der Zeuge“ hat der ehemalige CNN-Auslandskorrespondent und erfolgreiche Thrillerautor Daniel Silva eine Trilogie beendet, die sich mit unbeantworteten Fragen des Holocaust auseinandersetzt. Der Kunstraub der Nazis bildete den Hintergrund für „Der Engländer“, die Rolle der Kirche im Holocaust für „Die Loge“. Auch „Der Zeuge“ basiert auf belegten Tatsachen und verknüpft die erschreckend effektive Judenvernichtung mit einer spannenden Spionage-Story. Zwar wechseln häufig die Orte und Personen des Geschehens, doch hat Silva das Thema so spannend aufbereitet, dass man die Jagd nach dem Kriegsverbrecher mit neugieriger Faszination bis zum Schluss atemlos verfolgt.

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