Donnerstag, 20. Januar 2011

Dean Koontz – „Blindwütig“

(Heyne, 432 S., HC)
Der 34-jährige Cubby Greenwich hat wahrhaftig Glück in seinem Leben. Bereits mit seinem ersten Roman eroberte er die Bestsellerlisten, gewann die Liebe der bezaubernden Kinderbuchautorin und –Illustratorin Penny Boon und zeugte mit ihr den mittlerweile sechsjährigen geistigen Überflieger Milo, der bereits über ein Highschool-Diplom verfügt. Gerade ist Cubbys sechstes Buch „One O’Clock Jump“ erschienen, zu dem er am frühen Morgen dreißig Radiointerviews gibt, da erhält er einen Anruf von seiner Lektorin Olivia, die ihm drei Zeitungsrezensionen gemailt hat, zwei wohlwollende und eine vernichtende – ausgerechnet vom renommiertesten Literaturkritiker des Landes, Shearman Waxx. Cubby ist zwar entrüstet, dass Waxx den Roman offensichtlich gar nicht gelesen hat, weil er einen falschen Namen aus der Presseinfo übernommen hat, aber er will Pennys Rat folgen und die Sache auf sich beruhen lassen. Doch als der gekränkte Schriftsteller erfährt, dass Waxx nicht nur ganz in der Nähe wohnt, sondern auch im gleichen Restaurant zu speisen pflegt, legt es Cubby auf eine Begegnung mit dem offenbar zurückgezogen lebenden, etwas merkwürdigen Kritiker an.
Auf der Toilette des Restaurants kommt es zu einem überraschenden Zusammenstoß, und der Kritiker murmelt dabei nur ein Wort: „Verdammnis“. Wenig später glaubt Cubby, Waxx nachts in seinem Haus herumschleichen gesehen zu haben. Doch das ist der Anfang eines nicht enden wollenden Albtraums. In der nächsten Nacht malträtiert Waxx seine Opfer mit Elektroschockern, am nächsten Tag erhält Cubby einen beunruhigenden Anruf des untergetauchten Schriftstellerkollegen John Clitherow, der Waxx eine ähnlich ätzende Kritik und den Verlust seiner Familie zu verdanken hat.
„Die größte Strafe, dachte ich, war nicht er eigene Tod, sondern der Verlust jener, die man am meisten liebte. Wie viel schlimmer musste dieser Verlust sein, wenn man mit dem bitteren Wissen weiterleben musste, dass Menschen, die dir vertraut und sich auf dich verlassen hatten, stellvertretend für dich und deine Fehler ermordet worden waren.
Waxx war nicht nur ein mordlüsterner Psychopath, sondern auch – im eigentlichen Wortsinn – ein Terrorist.“ (S. 131)
Von nun an befindet sich Cubby mit seiner Familie auf der Flucht. Von einem Kollegen, der bereits seine Familie durch Waxx verloren hat, erfährt Cubby, mit welcher Effizienz und Grausamkeit der psychopathische Kritiker zu Werke geht. Um herauszufinden, mit wem sie es zu tun haben, machen sich die Greenwichs auf eine gefährliche Odyssee …
Stephen King hat in „Sie“ auf eindringliche wie beängstigende Weise geschildert, wie ein Schriftsteller von einem wahnsinnigen Fan malträtiert wurde. Dean Koontz setzt sich nun mit der anderen Klientel auseinander, mit denen Schriftsteller vornehmlich zu tun haben, mit ihren Kritikern. Leider lässt Koontz das Potenzial einer solchen Auseinandersetzung nicht nur ungenutzt, durch seinen vollkommen unglaubwürdigen Plot verschaukelt er auch noch bewusst seine Leser. Dass zwei von Beginn an erfolgreiche Schriftsteller auch noch einen hochbegabten Sohn haben, der über höchst komplexe naturwissenschaftliche Kenntnisse verfügt, ist zwar schon außergewöhnlich genug, aber noch zu schlucken. Schon schwieriger wird es, die Motivation des Killers auch nur im Ansatz nachzuvollziehen. Deshalb kommt diese auch erst im abstrusen Finale zur Sprache, wenn eh schon Hopfen und Malz verloren ist. Denn da hat auch ein teleportierender Hund (!) ins Geschehen eingegriffen, und Milo hat praktischerweise ein Gerät entwickelt, mit dem man die Zeit zurückdrehen kann. Man muss schon Durchhaltevermögen beweisen, um der absurden Story zu folgen, aber was Koontz am Schluss abfackelt, spottet jeglicher Beschreibung!
Lesen Sie im Buch: Koontz, Dean - Blindwütig

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