Mittwoch, 5. Januar 2011

James Patterson - Alex Cross 5: „Wer hat Angst vorm Schattenmann“

(Ehrenwirth, 332 S., HC)
Alex Cross ist glücklich! Nach dem immer noch ungeklärten Mord an seiner Frau Maria hat er mit Christine Johnson, der Rektorin an der Sojourner-Truth-Schule, auf die sein Sohn Damon geht, eine neue Liebe gefunden, und sie hat seinen Heiratsantrag angenommen. Doch das Glück währt nicht lang. Als Alex und Christine für einen Kurzurlaub auf die Bermuda-Insel fliegen, fährt Alex‘ Verlobte mit dem Moped nach Hamilton und kehrt nicht zurück. Wie Alex mit mulmigem Gefühl vermutet, ist sie entführt worden, wie ihm eine kurze E-Mail versichert: „Sie ist für den Augenblick sicher. Wir haben sie.“ Die Sorge um Christines Wohl lenkt den Detective von einer grausamen Mordserie ab, die das Southeast in Washington erschüttert. Ein Killer bringt ohne erkennbares Muster junge Frauen um und legt ihre nackten Leichen irgendwo ab, wo sie schnell gefunden werden. Weil es sich meist um Prostituierte handelt, um die sich niemand kümmert, laufen die Ermittlungen unter dem Begriff „Die Jane-Namenlos-Morde“.
Es dauert einige Zeit, bis Cross mit Hilfe der ehrgeizigen Polizistin Patsy Hampton auf Geoffrey Shafer stößt, einen britischen Agenten, der als Angehöriger der britischen Botschaft diplomatische Immunität besitzt. In seiner Freizeit spielt er mit drei Männern ein diabolisches Fantasy-Online-Rollenspiel namens „Die Vier Reiter“.
„Shafer nahm drei ungewöhnlich aussehende, zwanzigseitige Würfel aus der Hosentasche, wie man sie bei den meisten Fantasy- und Rollenspielen benutzt. Anstelle von Augen standen Zahlen darauf. Er hielt die Würfel in der linken Hand und rollte sie hin und her. Für die Vier Reiter gab es klare und feste Regeln. Alles hing vom Würfeln ab. Bei dem Spiel ging es darum, eine außergewöhnliche, wirre, grässliche Fantasievorstellung in die Tat umzusetzen – den totalen Wahnsinn, der jede Vorstellung sprengte. Die vier Spieler auf dem Erdball wetteiferten miteinander. Noch nie hatte es ein derartiges Spiel gegeben – nichts kam den Vier Reitern auch nur annähernd gleich. Shafer hatte bereits ein bestimmtes Abenteuer für sich im Sinn, doch zu allem gab es Alternativen. Viel hing vom Würfeln ab. Das war der Kernpunkt: Alles konnte passieren. Er stieg ins Taxi und ließ den Motor an. Herrgott, war er scharf darauf, endlich anzufangen!“ (S. 24)
Der stets tadellos gekleidete, mit seiner typisch britischen Familie in einem ansehnlichen Haus lebende Shafer versteht es hervorragend, seine Spuren zu verwischen, Bewacher auszuschalten und seine Immunität auszuspielen. Alex Cross muss sich trotz seiner Sorge um Christine, die wochenlang von ihren Entführern festgehalten wird, schließlich doch in den Fall reinhängen, um Shafer überführen zu können …
Wie gewohnt lässt Thriller-Bestseller-Autor James Patterson seinen unsterblichen Helden Alex Cross wieder gegen einen besonders bösartigen Killer antreten. Das Katz-und Maus-Spiel ist wie nicht anders zu erwarten ohne überflüssige Längen extrem spannend inszeniert, doch leidet der eigentlich überzeugende Gesamteindruck durch das extrem Hollywood-mäßige, selbst im allmöglichen Alex-Cross-Kontext unglaubwürdige Finale.

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