Sonntag, 6. September 2009

Philippe Djian - „Sirenen“

(Diogenes, 448 S., HC)
Nathan hat es wirklich nicht leicht im Leben. Der unorthodox arbeitende Kriminal-Polizist folgt stets seinem in die Irre führenden Instinkt und gerät dabei immer wieder in Teufels Küche. Als er den Tod von Jennifer Brennen, der Tochter des mächtigen Sportbekleidungsherstellers Paul Brennen, untersuchen muss, ist es mal wieder soweit, da er fest davon überzeugt ist, dass der Big Boss seine prostituierende Tochter umbringen ließ. Seine neunzig Kilo auf die Waage bringende Partnerin Marie-Jo geht dagegen ihren eigenen Spuren nach, die ihr Mann Franck ihr besorgt hat.
Natürlich kommt Marie-Jo der Auflösung des Falls näher als Nathan, doch mehr als der zu lösende Kriminalfall interessieren bei Djian natürlich die komplizierten persönlichen Verflechtungen. Marie-Jo, noch immer geschockt von der Erkenntnis, dass ihr Mann, der übrigens ein gefeierter Schriftsteller ist, jungen Männern einen bläst, lässt es sich täglich an den unmöglichsten Orten von Nathan und gelegentlich auch von Ramon, dem jungen Nachbarn mit dem krummen Pimmel, besorgen, während Nathan gleich drei Frauen unter einen Hut zu bringen hat: seine aktivistische Ex-Frau Chris, die jetzt mit dem gut gebauten Dozenten Wolf eine Affäre begonnen hat und mit ihm eine neue Demo organisiert und für die er immer noch leidenschaftliche Gefühle empfindet, seine Polizei-Partnerin Marie-Jo, die extrem eifersüchtig auf alle Frauen in Nathans Umfeld reagiert, und das Super-Model Paula, das Nathan zu Füßen liegt, mit ihm sogar in einem Bett schläft, die Nathan aber absolut nicht zu vögeln gedenkt. Vor dem nicht immer ganz leicht zu durchschauenden Konstrukt eines Kriminalfalls entwickelt Djian wie gewohnt verfängliche und amüsante Episoden um das prickelnde Thema von Lust, Liebe und Leidenschaft, doch waren seine Dialoge schon mal spritziger und seine Geschichten witziger.

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