Dienstag, 1. September 2009

Paul Auster - „Das Buch der Illusionen“

(Rowohlt, 384 S., HC)
Den Literaturprofessor David Zimmer kennen wir bereits aus Austers vorzüglichem Roman „Mond über Manhattan“. Mittlerweile ist er ein sehr einsamer, fast gebrochener Mann, der den Schmerz durch den Tod seiner Frau und seiner beiden Söhne nach einem Flugzeugabsturz mit Whiskey zu betäuben versucht. Vor ein paar Jahren schrieb er ein Buch über den Stummfilmkomiker und –regisseur Hector Mann, der im Januar 1929 spurlos verschwand. „Die stumme Welt des Hector Mann“ erschien 1988 – wenig später erhält Zimmer einen geheimnisvollen Brief, in dem ihm die Möglichkeit eröffnet wird, Hector Mann kennenzulernen.
 Es tauchen überall in der Welt längst für verschollen gehaltene Filme auf, und Zimmer setzt seine Lehrtätigkeit aus, um die Filme in Paris, London und in den USA zu betrachten. Mit neuem Lebenswillen macht er sich an die Übersetzung von Chateaubriands umfangreichen Memoiren, bis eines Abends eine Frau vor dem Haus des Professors auftaucht und ihn mit gezückter Pistole auffordert, sie nach New Mexico zu begleiten, um den im Sterben liegenden Hector Mann zu treffen. Zimmer tritt in eine mysteriöse Welt aus Liebe und Leidenschaft, Kunst und Täuschung. Paul Auster erweist sich mit seinem neuen Roman wieder mal als brillanter Geschichtenerzähler, der trotz aller liebevoll geschilderter melancholischer Stimmungen stets auch Hoffnungsschimmer zu transportieren versteht, die sich hinter all den rätselhaften Ereignissen verbergen, deren Zeuge nicht nur der Protagonist des Romans, sondern auch der Leser wird.

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