Freitag, 4. September 2009

Stewart O’Nan - „Abschied von Chautauqua“

(Rowohlt, 700 S., HC)
Jahr für Jahr macht die Großfamilie Maxwell in ihrem Sommerhaus am Lake Chautauqua im Staat New York für eine Woche Urlaub. Nachdem nun Emilys Mann Henry gestorben ist, soll das Haus verkauft werden, und so finden sich zum letzten Mal die Hausherrin Emily, ihre Schwester Arlene, Emilys Tochter Meg mit ihren beiden Kindern Justin und Sarah, Emilys Sohn Ken mit seiner Frau Lise und den Kindern Sam und Ella zusammen, um sich von dem Haus zu verabschieden und Sachen, an denen man hängt, mitzunehmen. Doch schnell wird deutlich, wie schwierig die Beziehungen untereinander geraten sind. Die Alkoholikerin Meg wurde von ihrem Mann Jeff wegen einer Jüngeren verlassen. Ken, leidenschaftlicher, wenn auch untalentierter Fotograf und stets auf der Suche nach dem passenden Motiv, hat seinen Job verloren und weiß nicht, wie er mit seiner Frau und den Kindern über die Runden kommen soll.
Anstatt sich seinem Problem zu stellen, verfolgt er wie besessen das Verschwinden einer jungen Angestellten von der Tankstelle, an der Ken auf dem Weg zum Sommerhaus getankt hatte. Und die wenig selbstbewusste Ella verliebt sich in ihre hübsche Cousine Sarah, die gerade von ihrem Freund Mark abserviert worden ist, aber schon wieder Ausschau nach einem Jungen in der Nachbarschaft hält … Stewart O’Nan hat die kleinen und großen Probleme der Maxwell-Familie mit großem psychologischen Feingefühl und voller Sympathie für seine Figuren beschrieben, so dass man niemandem wegen seiner Schwächen wirklich böse sein kann. Selten schreibt jemand mit so viel Verständnis über die einfachen Menschen wie O’Nan.

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