Samstag, 6. Februar 2010

Neil Gaiman - „Anansi Boys“

(Heyne, 448 S., Tb.)
Obwohl Fat Charlie Nancy eigentlich nie richtig dick gewesen ist, wurde er seinen Spitznamen nie los. Das hatte er seinem Vater zu verdanken, der – wie die meisten Kinder von ihren Eltern sagen würden – nur peinlich gewesen ist. Dennoch will ihn Fat Charlie zu seiner Hochzeit einladen, muss aber telefonisch erfahren, dass sein Vater bei einer Karaoke-Show einfach tot von der Bühne direkt vor die blondeste Urlauberin im Saal gefallen ist, bevor er „I Am What I Am“ ins Mikrofon schmettern konnte.
Bei der Beerdigung erklärt ihm die kauzige Nachbarin Mrs. Higgler, dass Fat Charlies Vater eigentlich der afrikanische Tiergott Anansi gewesen ist und dass Fat Charlie noch einen Bruder namens Spider hat. Dieser schleicht sich auf recht unverfrorene Weise in Charlies Leben, nistet sich in Charlies Wohnung ein, geht mit seiner Verlobten Rosie aus, schwärzt ihn bei seinem Chef an, dass Fat Charlie bald von der Polizei wegen Veruntreuung verhaftet wird. Nun ist es für Charlie gar nicht so leicht, Spider wieder aus seinem Leben verschwinden zu lassen, hat dieser doch scheinbar ganz allein die göttlichen Fähigkeiten seines Vaters geerbt …
Neil Gaiman hat sowohl in seiner gefeierten Comic-Serie „Sandman“ als auch in Romanen wie „Niemalsland“ und „American Gods“ alte Mythen und Legenden in moderne, packende und fantasievolle Geschichten eingewoben. Von dieser ausgeprägten Fähigkeit zeugt auch der als bester Fantasy-Roman bei den British Fantasy Awards 2006 ausgezeichnete Genie-Streich „Anansi Boys“, den Gaiman selbst als „Horror-Thriller-Geister-Romantik-Comedy-Familien-Epos“ beschreibt. Tiefgründige, geistreiche und humorvolle Unterhaltung ist dabei absolut garantiert.

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