Donnerstag, 1. April 2010

Martin Gülich – „Septemberleuchten“

(Nagel & Kimche, 123 S., HC)
Nachdem er bereits am Samstagmorgen draußen am See gewesen ist, trifft ein unscheinbarer Mann namens Kron mittags Vanek, einen alten Bekannten, der offensichtlich bisweilen einen merkwürdigen Umgang zu pflegen scheint und sich auch diesmal in der Schusterstraße mit einem unbekannten, leicht sonderbaren Mann im Wintermantel unterhalten. Vanek schlägt überraschend vor, den Abend gemeinsam zu verbringen. Nach einem kurzen Abstecher in die örtliche Eisdiele trifft Kron erneut auf Vanek, diesmal in Begleitung von Gerland, und zusammen sucht man das Lokal „Krokodil“ auf.
In der Toilette begegnet Kron dem unbekannten Mann im Wintermantel, der dann Krons Platz am Tisch einnimmt, und wenig später bemerkt Kron, dass es dem namenlosen Mann nicht gutgeht. Ein Fluchtversuch auf dem Parkdeck scheitert durch einen üblen Sturz, und so begleitet der lädierte Mann die drei Bekannten hinaus zum See, wo gegrillt und Bier getrunken wird. Dort wird der Mann Opfer weiterer Demütigungen und Schläge, bis das gesellige Treffen außer Kontrolle gerät …
Martin Gülich legt mit seiner neuen Erzählung das erschreckende Protokoll einer Nacht vor, in der die Gewalt inmitten einer geselligen Männerrunde ohne erkennbare Motive ausbricht und fatale Folgen nach sich zieht. Kron versucht die Ereignisse der schrecklichen Nacht zu erinnern, doch ist auch er nicht als Erzähler zu vernehmen, sondern wird selbst durchweg in indirekter Rede wiedergegeben. Mit diesem Kunstgriff schafft der Autor eine zusätzliche Distanz zwischen dem Leser und dem Geschehen, und doch wird dieser durch die unheilvollen Ereignisse immer stärker in den Sog der Erzählung hineingezogen, wohl ahnend, wie das Treffen am See mit dem idyllischen Septemberleuchten ausgeht … Einmal in die Hand genommen, legt man das eindringlich geschriebene Buch nicht mehr aus der Hand!

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