Montag, 12. April 2010

Richard Laymon – „Der Pfahl“

(Heyne, 589 S., Tb.)
Mit seiner Frau Jean und dem befreundeten Paar Pete und Barbara hat der Horrorautor Larry Dunbar Silver Junction besucht, eine Wild-West-Touristenstadt. Auf dem Heimweg macht Pete den Vorschlag, noch einen Abstecher in die Geisterstadt an der Straße nach Sagebrush Flat zu machen. In der völlig verlassenen Stadt verschaffen sich die Vier Zutritt zum heruntergekommenen Holman-Hotel und inspizieren das brüchige Innere. Barbara bricht dabei durch eine morsche Treppenstufe und kann nur mit Mühe befreit werden. Doch unter ihr entdeckt Pete eine mumifizierte Leiche im dunklen Keller. Als Pete die Decke wegzieht, die die Leiche bedeckt hatte, kommt eine nackte Frau zum Vorschein, aus deren Brust ein hölzerner Pfahl ragt. Die beiden Pärchen verlassen die Geisterstadt fluchtartig, doch Larry lässt das Bild der nackten Frauenleiche nicht los. Er steht kurz vor Beendigung seines neuen Romans „Fremder in der Nacht“ und ist schon besorgt, dass ihm noch keine Story für sein nächstes Buch eingefallen ist. Bei der Themensuche kommt er auf die entdeckte Leiche zurück, die sich in seiner Fantasie zu einer schönen, jungen Vampirin verwandelt, sobald er den Pfahl aus ihrer Brust entfernt hat.
Währenddessen plagen seine 17-jährige Tochter Lane ganz andere Probleme. Ihre Beziehung mit dem gutaussehenden Jim frustriert sie zunehmend, doch da sie nach einer Trennung kein Freiwild für andere Jungs ist, hält sie an der Beziehung fest. Dass da draußen nämlich viele böse Jungs herumlaufen, musste ihre Klassenkameradin Jessica erst am eigenen Leib erfahren. Als sie völlig verprügelt in der Schule auftaucht, ahnt niemand, dass ihr Lehrer Mr. Kramer für Jessicas Zustand verantwortlich ist. Als Mr. Kramer vier Schüler zu einer „Hamlet“-Aufführung einlädt, ist Lane Feuer und Flamme, dass sie zu den Ausgewählten zählt …
Peter und Larry kehren derweil heimlich nach Sagebrush Flat zurück, um die mumifizierte Leiche zu holen. Als Larry die Leiche später genauer untersucht, fällt ihm ein Ring in die Hände, der die Tote als Bonnie Saxon identifiziert, ein hübsches Mädchen, das 1968 seinen Abschluss an der Buford High gemacht hat. Bei seinen Recherchen findet Larry heraus, dass Bonnie offensichtlich nicht das einzige Opfer eines Vampirjägers gewesen ist …
Richard Laymon hat mit „Der Pfahl“ einen ganz ungewöhnlichen Vampirroman geschrieben, der wie bei ihm gewohnt voller erotischer Elemente gespickt ist, die für das Vampirgenre zwar typisch sind, hier aber im Kontext schwärmerischer Pubertäts- und erotischer Männerphantasien ausufernde Gestalt annehmen. Der Leser muss sich bis kurz vor Ende des langen, aber kurzweiligen und spannenden Romans gedulden, bis die Frage beantwortet wird, ob die Mädchenleiche wirklich ein Vampir ist oder Opfer eines verrückten Mannes wurde, der etliche Mädchen in der verwaisten Stadt für Vampire hielt. Neben den ausschweifenden erotischen Schilderungen sticht auch „Der Pfahl“ mit sehr lebendigen Dialogen hervor, die das Werk so kurzweilig machen.

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