Samstag, 17. April 2010

Simon Beckett – „Obsession“

(Rowohlt, 414 S., Tb.)
Die Beerdigung seiner Frau Sarah war der schlimmste Tag im Leben des Fotografen Ben Murray. Ein Aneurysma beendete unerwartet ihr Leben, nun musste er sich allein um Jacob, seinen sechsjährigen autistischen Stiefsohn kümmern, den Sarah vor vier Jahren mit in die Beziehung gebracht hatte. Die innere Leere versucht Ben mit Aufräumen zu füllen, mit dem Aussortieren von Sarahs Sachen. Dabei fällt ihm eine verschlossene Kassette in die Hände, die voller Zeitungsausschnitte aus der „Daily Mail“ war. Die Überschrift des einen Artikels auf Seite 1 lautet: „Baby aus der Entbindungsklinik entführt“ und ist auf Jacobs Geburtstag datiert. Beunruhigt liest er die verschiedenen Zeitungsausschnitte durch und muss sich mit der schrecklichen Ahnung auseinandersetzen, dass Sarah ihr Kind nicht selbst geboren, sondern einem anderen Elternpaar gestohlen hat.
Sarahs Freundin Jessica, die damals kurz vor Beendigung ihrer Ausbildung zur Hebamme stand, bestätigt den dunklen Verdacht: Sarah erlitt eine Fehlgeburt und war mit den Nerven völlig am Ende. Also nahm sie Jeanette und John Cole ihren Sohn Steven weg und brachte ihn Sarah, für die die Welt wieder in Ordnung war, auch wenn Steven/Jacob im Alter von zwei Jahren Autismus diagnostiziert wurde. Ben liebt Jacob wie seinen eigenen Sohn, möchte aber mehr über Jacobs leibliche Eltern erfahren, weshalb er über seinen Freund Keith einen Privatdetektiv engagiert. Doch das erweist sich als schwerwiegender Fehler. Sobald sich der Detektiv an den Fall heftet, wittert er die Chance, ordentlich abkassieren zu können. Da sich Ben auf keinen Deal einlässt, landet die Story des entführten Babys in der Klatschpresse, wenig später wird Jacob seinem leiblichen Vater zugesprochen. Und John Cole zeigt sich besessen, was seinen Sohn angeht. Er verweigert Ben das Besuchsrecht und geht hinter dem Haus einer beängstigenden Obsession nach. Doch die Behörden, die Ben einschaltet, nehmen seine Sorgen nicht allzu ernst. Also setzt Ben alles daran, die nötigen Beweise zu erbringen, die die Behörden zum Handeln zwingen. Doch damit bringt sich nicht nur Ben selbst in höchste Gefahr …
„Obsession“ ist ein weiteres Frühwerk des britischen Autors Simon Beckett, das vor seiner berühmten Dr.-Hunter-Reihe erschienen ist. Da es um das Wohl eines autistischen Kindes geht, ist die Story per se emotional stark aufgeladen, und Beckett setzt diese Vorlage gewinnbringend um, macht die Ängste des Stiefvaters überzeugend transparent und mischt den Kampf um das Wohlergehen des autistischen Kindes mit erotischen und soziopathischen Komponenten, die der Story eine starke Dynamik verleihen. Bis zum erlösenden Showdown ein äußerst aufwühlendes und spannendes Thriller-Drama.

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