Donnerstag, 1. April 2010

Mikkel Birkegaard – „Die Bibliothek der Schatten“

(Page & Turner, 510 S., HC)
Als Luca Campelli an einem späten Oktoberabend von einer Auslandsreise in sein Antiquariat „Libri di Luca“ in Vesterbro in Kopenhagen zurückkehrt, inspiziert er mit einem Glas Cognac in der Hand die Regale und begutachtet die Neuzugänge. Als er sich eine gut erhaltene Ausgabe von Giacomos Leopardis „Operette morali“ in Lucas Muttersprache greift, liest er zunächst mit Begeisterung darin, doch dann schlägt diese in Überraschung und schließlich Angst um. Wenig später stürzt er über das Geländer im ersten Stock auf den Boden des Erdgeschosses. Der aufstrebende Strafverteidiger Jon Campelli erfährt vom Tod seines Vaters, nachdem er in seiner Kanzlei den lukrativen Remer-Fall übernehmen durfte. Seit dem Tod seiner Mutter hatte Jon keinen Kontakt mehr zu seinem Vater. Umso überraschter ist er, dass Luca Campelli das Antiquariat seinem Sohn und nicht seinen bewährtem Mitarbeiter Iversen vererbt hat. Überraschenderweise bietet ihm sein Mandant Remer an, den Buchladen zu kaufen, doch als sich Jon weigert, wird das Geschäft wie zuvor andere auch mit einem Anschlag versehen.
Iversen wird zum Glück nur leicht verletzt, doch Jon erfährt nun, dass sich hinter dem Laden mehr als eine Sammlung alter Bücher verbirgt. Es ist auch die Heimat einer Vereinigung von Lettore, Vorlesern, die die besondere Gabe besitzen, mit ihrer Lesebegabung Einfluss auf Menschen zu nehmen. Doch auf der anderen Seite gibt es auch Empfänger, die mittlerweile eine eigene Organisation gegründet haben. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, für die Vorfälle in der Vergangenheit verantwortlich zu sein, und beauftragen Jon damit, Licht ins Dunkel zu bringen. Doch diese Aufgabe erweist sich als höchst gefährlich …
Ähnlich wie in Carlos Ruiz Zafóns Meisterwerk „Der Schatten des Windes“ entwirft der junge dänische Autor Mikkel Birkegaard zunächst das für Bücherliebhaber so wundervolle Szenario eines glänzend bestückten Antiquariats, das allerdings zu einem Schauplatz des Verbrechens wurde. In der Folge geht die Magie sowohl des Antiquariats als auch der Welt der Bücher leider vollkommen verloren und weicht einem Krimi um eine Geheimorganisation mit außergewöhnlich suggestiven Talenten. Nur sporadisch kommen die den Büchern innewohnenden phantastischen Welten zum Ausdruck, etwa wenn sich zum Ende hin Jon Campelli daran erinnert, wie ihm seine Eltern während seiner Kindheit immer wieder aus „Pinocchio“ vorlesen mussten. Die Mischung aus „Der Schatten des Windes“ und Dan Browns sakralen Verschwörungs-Thrillern ist aber spannend geschrieben, den Protagonisten fehlt es allerdings etwas an Tiefe in ihrer Charakterisierung.

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