Philippe Djian – „Matador“

Sonntag, 16. August 2026

(Diogenes, 404 S., HC)
Mit seinen ersten, Anfang der 1980er Jahre erschienenen Romanen „Blau wie die Hölle“, „Erogene Zone“, „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“ und „Verraten und verkauft“ avancierte Philippe Djian zum meistgelesenen Autor seiner Generation, fesselte er sein Publikum doch durch seinen unvergleichlichen Stil und eine Sprache, die Erotik ebenso sinnlich wie obszön erscheinen ließ. Sein siebter, erstmals von Ulrich Hartmann und nicht mehr von Michael Mosblech übersetzter Roman „Matador“ bietet weiterhin erotische Kapriolen, doch steht hier ein Generationenkonflikt im Mittelpunkt, der in Südamerika angesiedelt ist und immer wieder Analogien zum Stierkampf heraufbeschwört.
Der achtzehnjährige Mani Sarramanga, verwöhnter Spross südamerikanischer Großgrundbesitzer, ist es gewohnt, dass seine Mutter Éthel immer neue Typen anschleppt, die sie nach wenigen Wochen wieder in die Wüste schickt. Doch als sie ihre dritte Ehe mit ihrer Jugendliebe Vito ankündigt, braut sich ein Orkan zusammen, denn Manis herrischer Großvater Victor war schon damals gegen die unstandesgemäße Verbindung und setzt nun alle Hebel in Bewegung, dass Vito auch zwanzig Jahre später seine Lektion zu lernen hat. Da Mani seinen Vater verloren hat, bleibt ihm nur sein Großvater als männliche Bezugsperson. Von früh an hat der alte Patrón seinen Enkel mit in die Stierkampfarena genommen, um ihn zum Mann zu machen, und seitdem ist Mani hin- und hergerissen zwischen der Liebe und der Furcht vor seinem Großvater. Dass er durch die erneute Heirat seiner Mutter zwischen alle Fronten gerät, macht die Sache für ihn nicht einfacher, zumal seine Freundin Jessica wegen eines gynäkologischen Problems nicht mit Mani schlafen will und Mani stattdessen versucht, bei Marion, Éthels bester Freundin, zu landen…

„Er dachte an seine Mutter, dann an viele andere Frauen, denen er im Lauf seines Lebens begegnet war. Keine von ihnen hatte Ähnlichkeit mit Éthel. Er schien alle seine Bezugspunkte verloren zu haben und schnaubte wie ein Tier, scharrte mit der Sohle über die Bank. Er fand, dass im Moment eine ganze Menge auf ihn einstürzte, dass sein Leben einem Pulverfass glich, in das der Blitz eingeschlagen hatte und um das herum nun alles ausgeleuchtet wurde, was im Dunkeln lag.“ (S. 247)

Philippe Djian macht es seinem Publikum mit „Matador“ nicht unbedingt leicht. Die drei Kapitel hat er nach den Phasen des Stierkampfes eingeteilt, wobei er mit dem zweiten sogenannten Tercio, in der Gegenwart beginnt, um dann im ersten Tercio die erste Beziehung zwischen Vito und Éthel nachzureichen, die zum Verständnis der Differenzen zwischen Victor und Vito beitragen soll, aber durch allzu viele zusätzlich eingeführte Figuren und Nebenschauplätze eher verwirrend und langatmig wird. Erst im dritten Tercio nimmt die Handlung wieder an Fahrt auf, wobei vor allem die erotischen Begegnungen zwischen Mani und Marion wunderbar einfallsreich präsentiert werden und den vertrauten Ton in Djians pointierter Sprache anklingen lassen.
Alles in allem ist „Matador“ zwar lesenswert und zeigt uns einen reiferen Autor, doch die langatmigen Phasen rund um die ausschweifenden Nebenplots mildern die emotionale Wucht und sprachliche Finesse des geschilderten Generationenkonflikts mit seinen erotischen Fallstricken unnötig ab.

 

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